Sportkolumne Wie Fußballstar Mo Salah einem Opfer des Gaza-Kriegs ein Gesicht gegeben hat
Im Fußball, und keine Sportart ist in dieser Region beliebter, ist der ägyptische Liverpool-Star Mo Salah der Held der arabischen Welt. Wenn er sich, selbst scheinbar subtil, in den Nahost-Konflikt einschaltet, hat das Gewicht. Nach dem Tod des als „palästinensischen Pelé“ bekannten Fußballers Suleiman al-Obeid (41) hat sich Salah mit einer durchaus provokativen Frage an den europäischen Verband gewandt. „Könnt ihr uns sagen, wie er starb, wo und warum?“, postete er an den „Nachruf“ der Uefa, der darauf nicht eingegangen war. Zwischen den Zeilen ein Vorwurf.
Nach Angaben des palästinensischen Fußballverbands ist al-Obeid im Gazastreifen bei einem Angriff der israelischen Armee getötet worden. Er habe in diesem Moment mit anderen auf humanitäre Hilfe gewartet. Und die Uefa? Bestätigung? Dementi? Nichts. Gleichwie: Salah hat al-Obeid das gegeben, was palästinensischen Opfern, die eben nicht „nur“ Zahlen sind, oft verwehrt bleibt: einen Namen, ein Gesicht.
Nationaltorwart ter Stegen hat nicht alles richtig gemacht
Weg von der oft bitteren Politik, hin zu einem vergleichsweise irrelevanten, aber anhaltenden und ungewöhnlichen Aufregerthema. Ist es verwunderlich, dass in der deutschen Berichterstattung über die sich bis zum großen Knall des Kapitänsbindenentzugs kontinuierliche zuspitzende, dann urplötzlich (scheinbar) befriedete Fehde zwischen Nationaltorwart Marc-André ter Stegen und dem FC Barcelona immer so etwas wie Wohlwollen für den Spieler mitschwang?
Kam mir jedenfalls so vor und hat ja auch eine Vorgeschichte. Hier der über seine Verhältnisse lebende Weltklub, der „unsere“ Nummer 1 offenbar mit aller Macht aus Team und Verein ekeln möchte. Und dort der bis dato untadelige Hüne, der sich als bester für die Nationalmannschaft verfügbarer Torwart mit starken Leistungen zurückgemeldet und prompt wieder schwer verletzt hatte, also in gewisser Weise hilflos den durchaus branchenüblichen, hier aber schon extremen Stürmen der Transferpolitik ausgesetzt ist.
Alles richtig, zumal die Rückenverletzung nebst Operation dafür sorgt, dass ter Stegen kaum ein Jahr vor der WM 2026 a) nicht spielen kann und b) in dieser Transferperiode wohl auch keinen adäquaten anderen Klub finden wird. „Am Ende ist er unsere Nummer eins“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann jüngst über den 33-Jährigen, „wenn er gesund und im Verein die Nummer eins ist“.
Wirklich Nibelungentreue?
Der Nachsatz hat es in sich und setzt ter Stegen doppelt unter Druck. Die Rede ist manchmal von Nibelungentreue des Bundestrainers, ich lese die aus dieser Worten nicht so wirklich. Gewiss hat Nagelsmann Recht, die deutsche Nummer 1 bei der WM muss davor gespielt haben, gut gespielt haben und auf hohem Niveau gespielt haben. All das ist ter Stegen zu wünschen, unabhängig davon, dass er sich im Zwist mit dem FC Barcelona auch selbst zumindest unklug, vielleicht sogar vorsätzlich illoyal verhalten hat. Als er eigenmächtig eine quasi selbst diagnostizierte, relativ kurze Ausfallzeit wegen seiner Verletzung öffentlich machte, die dem Verein gar nicht schmeckte. Welch ein Zufall, dass – verkürzt gesagt – genau davon abhing, ob Barça einen neuen Torwart bei der spanischen Liga registrieren kann und darf, was nun geschieht. Einen, der ter Stegen beerben könnte (und soll?). Joan García ist 24, also neun Jahre jünger.
Wie der Klub seinen deutschen Kapitän demontierte bleibt fragwürdig. So oder so wollte (und wird) der Bundestrainer das Thema von mehreren Seiten angehen. Ter Stegen ist nach all den Jahren, in denen er klaglos die Rolle als zweiter Mann hinter Manuel Neuer annahm, ein großes Turnier wie die WM 2026 zu wünschen. Trotzdem hätte zum Beispiel Noah Atubolu (23) nach starker Saison in Freiburg und einem guten U21-EM-Turnier mehr Aufmerksamkeit verdient. Zumal er es in der Vergangenheit, wohl auch wegen seiner Hautfarbe, was schlimm genug ist, nicht immer leicht hatte.