Fußball
Wie die Bayern ein Trauma überwinden
Nach 2020 hatten die Münchner mit dem vermeintlich leichtesten aller Titel immer wieder ein, sagen wir, Mentalitätsproblem. Vorbei. Am Ende konnte diesmal auch ein befürchteter Verkehrskollaps die Bayern nicht aufhalten – und dabei war am Sonntag wegen des Nahverkehrswarnstreiks der Gewerkschaft Verdi sogar von einer möglichen Verschiebung des Pokalhits die Rede gewesen.
Aber es waren dann doch alle 75.000 Menschen früh- und rechtzeitig im Stadion, und das einzige, was am Mittwoch streikte, war in der ersten Halbzeit die Belegschaft der Bayern-Torfabrik.
Erlösender Doppelschlag
Eineinhalb Chancen von Harry Kane, eine Gelegenheit von Luis Díaz – das war’s gegen lange Zeit sehr gut organisierte Leipziger. Kurios, dass eben diese beiden per Doppelschlag nach der Pause die Partie dennoch entschieden? Natürlich nicht, denn natürlich traf Kane per Foulelfmeter (64.) und natürlich unterstrich Luis Díaz seine herausragende Form mit der Vorentscheidung (67.).
2:0 der Bayern in einem Pokal-Viertelfinale gegen Leipzig. Vor Jahren wäre das keine große Sache gewesen, doch heuer ist selbst beim Abonnementmeister vieles anders. Sechs Jahre lang hatte der FC Bayern zuvor kein Halbfinale im nationalen Cup mehr erreicht – eigentlich unvorstellbar für den Rekordpokalsieger (20 Siege). „Nach Berlin zu kommen, ist etwas Besonderes. Das ist lange her hier, das ist natürlich unser Ziel. Wir wollen den Pokal auch holen und haben heute auch gezeigt, wie gierig wir darauf sind“, befand Nationalverteidiger Jonathan Tah nach dem Spiel.
Moment, hatte er soeben „Wir“ gesagt? Nun gut, er sprach hat quasi staatsmännisch für sein Team. Denn 2024 hatte er höchstselbst in Berlin gespielt, am Ende sogar den Pokal in den Abendhimmel gehoben – nach einem 1:0-Sieg mit Bayer Leverkusen gegen den 1. FC Kaiserslautern. Das Halbfinale dieser Saison mit dem FC Bayern, Bayer Leverkusen, VfB Stuttgart und SC Freiburg wird am 22. Februar ausgelost.
Diesmal stolperten die Bayern nicht
Was also einst ein KSV (Holstein Kiel) oder FCS (1. FC Saarbrücken) schafften, die Bayern schon in Runde zwei von diesem Halbfinale fernzuhalten, gelang nun auch der MVG (Münchner Verkehrsgesellschaft) nicht. Von RB ganz zu schweigen, trotz des völlig berechtigten Ärgers der Leipziger über einen nicht gegebenen Mindestens-Freistoß nah vorm Tor in Halbzeit eins.
Was heißt das nun für die Bundesliga? Die Sinne der Bayern sind nach der Minidelle, die im Fernduell mit Borussia Dortmund immerhin satte fünf Zähler Vorsprung verschlungen hatte, ganz offenkundig wieder geschärft. Und dann noch „volle Kapelle“ (alle Bayern sind fit, wann gab’s denn sowas zuletzt?) im Münchner Fasching. Wie sagte der Monaco Franze alias Helmut Fischer? A bisserl was geht immer. Dieses Jahr darf’s gern ein bisschen mehr sein. Dann gilt wieder: Double gut, alles gut.
Tipps der Redaktion
Borussia Dortmund - 1. FSV Mainz 05 3:2
Bayer Leverkusen - FC St. Pauli 2:0
Eintr. Frankfurt - B. Mönchengladbach 2:2
Werder Bremen - FC Bayern München 1:3
TSG Hoffenheim - SC Freiburg 3:1
Hamburger SV - 1. FC Union Berlin 1:1
VfB Stuttgart - 1. FC Köln 2:0
FC Augsburg - 1. FC Heidenheim 2:2
RB Leipzig - VfL Wolfsburg 4:1