Fussball-WM RHEINPFALZ Plus Artikel Weltmeister Messi: Die Krönung einer Legende

Ein Moment für die Ewigkeit: Argentinien und Lionel Messi sind Weltmeister.
Ein Moment für die Ewigkeit: Argentinien und Lionel Messi sind Weltmeister.

Im vielleicht besten WM-Finale der Geschichte gelangt Lionel Messi ans Ziel seiner Träume.

Lionel Messi hat unendlich viel erlebt. Und eigentlich schon unendlich viel gewonnen. Aber als der weltbeste Fußballer nun im goldenen Tempel von Lusail ans Ziel aller Träume gelangte, als das Stadion im Norden von Doha sich langsam verdunkelte, während die vollbesetzten Tribünen bebten, weil so viele der fast 90.000 Menschen darin sangen und sprangen, musste sich auch der zum besten WM-Spieler gekürte Zauberfuß erst einmal sammeln. Um alles sacken lassen, was sich im vielleicht besten WM-Finale der Geschichte abgespielt hatte. Messi bedeute mit hektischen Handbewegungen seiner Familie, dass sie doch näherkommen sollte, nachdem Argentinien mit einem 4:2-Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich endlich eine lange Reise mit dem ersehnten ersten Titel unter Messis Regie gekrönt hatte.

Auf einer Stufe mit Kempes und Maradona

Aber aufwühlender hätte es nicht verlaufen können als in einem Showdown, nach dem Sieger und Verlierer eigentlich gar nicht wussten, wohin mit ihren unterschiedlichen Emotionen. Messi hat mit himmelblauer Rückendeckung seine Heiligsprechung bekommen. Um 21.44 Uhr Ortszeit von Katar reckte der 35-Jährige den Goldpokal in den Nachthimmel und steht nun mit den argentinischen Weltmeisterkapitänen Mario Kempes (1978) und Diego Maradona (1986) auf einer Stufe.

Spektakulärer Spielverlauf

Für die Ehrung musste der Weltstar durch ein Wechselbad der Gefühle. Der geniale Messi (23./Foulelfmeter und 109.) und der brillante Angel di Maria (36.) hatten Argentinien in dem flirrenden Finale in regulärer Spielzeit und in der Verlängerung in Führung gebracht, doch der furiose Kylian Mbappe gab mit einem Dreierpack (80./Foulelfmeter, 82. und 117./Handelfmeter) den Stimmungstöter. Die Franzosen hatten Comeback-Qualitäten eines Champions gezeigt. Es wäre für die mit einem weltmeisterlichen Widerstandsgeist aufwartende Equipe Tricolore noch mehr möglich gewesen, wenn Randal Kolo Muani in der Nachspielzeit der atemberaubenden Verlängerung seine Riesenchance freistehend zum vierten französischen Treffer genutzt hätte, doch die Fußabwehr des hernach zum besten WM-Torwart gewählten Emiliano Martinez gegen den eingewechselten Stürmer von Eintracht Frankfurt geriet schlicht meisterhaft.

„Dibu“, der Elfmetertöter

Seinen Ruf als Elfmetertöter bewies der nur „Dibu“ gerufene 30-Jährige, als er gegen Kingsley Coman parierte, den zweiten Fehlschuss beim entthronten Titelträger leistete sich Aurélien Tchouamani, der das Ziel verfehlte. Auf Siegerseite nahmen sich alle ein Beispiel am Anführer Messi, der den ersten Versuch verwandelte, danach folgten Paulo Dybala, Leandro Paredes und Gonzalo Montiel.

Es gab kaum einen, der Messi dieses Happyend nicht gönnte. Seit dem Gewinn der Copa America 2021 legte er sich mit aller Entschlossenheit für die Nationalelf ins Zeug, um sich und seinen Landsleuten diese Sehnsucht von der „tercera Copa“, dem dritten WM-Pokal, zu erfüllen. Seine Länderspieltore 97 und 98 waren insofern die wichtigsten. Anfangs hatte die Stadionregie noch mal die Bilder von Maradonas Heldentaten 1986 eingespielt. Die dermaßen stimulierten Südamerikaner begannen erstmals seit dem dritten Gruppenspiel gegen Polen wieder mit di Maria in der Startelf. Der 34-Jährige wurde in der ersten Halbzeit den zweiten Unterschiedsspieler.

Alle freuen sich mit Messi

In einer furiosen Anfangsphase bauten die Argentinier so viel Druck auf, dass den Franzosen Hören und Sehen verging. Immer einen Schritt zu langsam, auch gedanklich nicht auf der Höhe. Bezeichnend die Szene, als Ousmané Dembélé gegen di Maria zu spät kam und Schiedsrichter Szymon Marciniak (Polen) zwangsläufig auf den Elfmeterpunkt zeigte. Messi, wer sonst, schickte mit Verzögerung den französischen Keeper Hugo Lloris in falsche Eck. Es war das zwölfte WM-Tor für „La Pulga“, der sich mit 26 Einsätzen zum alleinigen WM-Rekordspieler aufschwang. Und er war auch Ausgangspunkt für das 2:0 seines wie er aus Rosario stammenden Linksaußen di Maria, dem bereits auf dem Feld die Tränen der Rührung über die Wangen rollten.

Die „Albiceleste“ hatte Katz und Maus mit einem Gegner gespielt. Doch der letztlich entthronte Weltmeister kam dank Mbappé stark zurück und schnupperte an der Titelverteidigung. Doch soweit kam es nicht, die Nacht sollte den Argentiniern und ihren Superstars gehören.

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