Sport Weltmeister gegen Weltauswahl

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FRAGEN & ANTWORTEN: Das Achtelfinalspiel gegen die Slowakei morgen (18 Uhr) in Lille ist ein schnelles Wiedersehen, denn bereits im vorletzten EM-Test am 29. Mai in Augsburg hatte die deutsche Elf das Team von Trainer Jan Kozak zu Gast und verlor 1:3. Der Gegner dürfte nun deutlich defensiver auftreten.

Welchen Nutzen hat es für die Mannschaften, gegen den Gegner gerade gespielt zu haben?

Für die deutsche Elf ist der Nutzen größer, denn die Slowakei ist in Augsburg mit ihrer EM-Mannschaft angetreten. Zehn der Spieler, die im Test in der Startelf waren, haben auch im ersten Gruppenspiel angefangen, das die Slowakei 1:2 gegen Wales verlor. Im Test hatte Trainer Jan Kozak mit zwei Spitzen gespielt, mit Ondrej Duda und Michal Duris. Im Turnier kommt nur einer von beiden zum Zug. Sturmjoker ist der Ex-Lauterer Adam Nemec. Für Deutschland hatten in dem Testspiel Debütant Joshua Kimmich, Leroy Sané in seinem zweiten Länderspiel und Sebastian Rudy in der Anfangsformation gestanden. Wo steht die deutsche Mannschaft vor dem Beginn der K.o.-Spiele? So ganz angekommen scheint der Weltmeister im Turnier noch nicht zu sein, obwohl schon drei Spiele gespielt sind. Die Abwehr ist sattelfest und neben Polen die einzige, die ohne Gegentor nach der Gruppenphase dasteht. Dabei hat die Medaille eine Kehrseite, denn es ist schon auch eine Kunst, mit gerade mal drei Törchen als Gruppenerster weiterzukommen. Für die deutsche Mannschaft spricht, dass sie genügend gestandene Spieler hat, die genau wissen, worum es in Frankreich geht: allen voran Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels, Toni Kroos, Sami Khedira, Mesut Özil und Thomas Müller. Das Nordirland-Spiel hat gezeigt, dass Mario Gomez gegen defensiv eingestellte Gegner in die Startelf muss. Welchen Eindruck hat die Slowakei bisher hinterlassen? Sie gehört zu den Teams, die davon profitieren, dass das Turnier auf 24 Mannschaften ausgeweitet worden ist. Die Slowakei hat erst gegen Wales verloren (1:2), dann Russland 2:1 geschlagen dank der Tore von Vladimir Weiss und Marek Hamsik, die auch jeweils die Vorbereiter der Treffer waren. Schließlich folgte zum Abschluss der Vorrunde ein achtbares 0:0 gegen England. Die Slowakei ist als einer der besten Gruppendritten weitergekommen und gilt im Achtelfinale als Außenseiter gegen den Weltmeister. Der deutsche Trainerstab rechnet jedenfalls mit einer wesentlich defensiveren Ausrichtung des Gegners als noch im Testspiel. In welchen Vereinen spielen die slowakischen Spieler? Sie sind sozusagen eine kleine Weltauswahl. Der Mann vom linken Flügel, Vladmir Weiss, spielt in Katar (Al-Gharafa SC), der ehemalige FCK-Profi Adam Nemec in den Niederlanden (Willem II Tilburg), der im Sturm bevorzugte Ondrej Duda bei Legia Warschau, Abwehrchef Martin Skrtel beim FC Liverpool, Jan Durica bei Lokomotive Moskau und Juraj Kucka beim AC Mailand. Zwei Bundesligaspieler sind auch dabei: Rechtsverteidiger Peter Pekarik (29) von Hertha BSC und Dusan Svento (30; 1. FC Köln), der nach dem Turnier zu Slavia Prag wechselt. Pekarik hat alle drei Spiele über 90 Minuten gemacht, Svento hat im ersten durchgespielt, war im zweiten draußen und wurde im dritten Spiel eingewechselt. Auf wen muss die deutsche Mannschaft besonders achten? Es ist eine Mannschaft, die von ihrem Star lebt. Er heißt Marek Hamsik, ist 28 Jahre alt und spielt in Italien beim SSC Neapel, mit dem er 2012 und 2014 in Italien Pokalsieger wurde. Markenzeichen des offensiven Mittelfeldspielers ist die Frisur: ein Irokesenschnitt. Dreimal ist er bisher in der Slowakei Fußballer des Jahres gewesen. Weniger bekannt ist der 24 Jahre junge defensive Mittelfeldspieler Patrik Hrosovsky von Viktoria Pilsen, eins der Versprechen für die Zukunft im slowakischen Team. Wie sind die weiteren Aussichten? Die Auslosung hat es so gewollt, dass die vor dem Turnier als die größten Favoriten gehandelten Teams einen Finalisten unter sich ausmachen werden: Deutschland, Gastgeber Frankreich, Titelverteidiger Spanien, England. Dazu kommt noch Italien, der Finalist von vor vier Jahren. Die deutsche Mannschaft hat für die Gemengelage ein Mantra parat: Wir müssen gegen jeden Gegner gewinnen, wenn wir Europameister werden wollen. Im Viertelfinale müsste ein Sieg gegen Italien oder Spanien her. |cka

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