Handball
Was Max Haider so besonders für die Eulen Ludwigshafen macht
Die Sonntagabende sind bei Maximilian Haider verplant. Der 25 Jahre alte Vizekapitän des Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen schaut dann American Football. Haider ist nämlich ein ausgewiesener Kenner der amerikanischen Sportart. „Wenn ich mal ein Spiel verpassen sollte, dann schaue ich mir die Zusammenfassungen an“, berichtet er. Maximilian Haider kennt sich aus im Sport. „Ich glaube, es gibt keinen in der Mannschaft, der so viel Sport schaut wie ich. Fußball, Handball, Basketball, alle amerikanischen Sportarten. Ich habe diese Affinität von meinem Vater mitbekommen“, erzählt er. Sein Vater war früher ein guter Skifahrer. Er ging in Berchtesgaden auf das Sportinternat.
Mit 15 ins Sportinternat
Maximilian Haider ging einen ähnlichen Weg. Mit 15 spielte er bei den Rhein-Neckar Löwen vor. „Einmal im Jahr konnten junge Menschen dort vorspielen. Ich hatte mich beworben“, sagt Haider. Er bestand das Casting. Die Löwen nahmen Haider ins Sportinternat in Kronau auf. Früh also nabelte er sich vom Elternhaus ab. Da besteht durchaus die Gefahr, dass ein junger Mensch im Teenager-Alter abdriftet. Doch bei Maximilian Haider war dies keineswegs der Fall.
Haider ist vielmehr ein Musterbeispiel für die Vereinbarkeit von Leistungssport und akademischer Aus- sowie Fortbildung. In Rekordzeit absolvierte er seinen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre. Es folgte der Master in Business Management, Schwerpunkt Verkauf. Im Oktober 2019 war er mit allem fertig. Da war Haider 23 Jahre alt. Für den Modellathleten – 1,97 Meter Körpergröße und 110 Kilo Muskelmasse – ist sein Körper zwar ein wichtiger Baustein, doch der Kopf, der Geist sind noch elementarer. „Es ist wichtig, noch etwas für den Kopf zu tun“, betont Haider. Deshalb hat er sich im Coaching fortgebildet und steht nun außerdem kurz vor dem Abschluss zum Ernährungsberater. „Wegen Corona habe ich aber noch keinen Wunschtermin für meine Abschlussprüfung gefunden“, sagt er. Die muss er in Köln irgendwann in Präsenz schreiben.
Der außergewöhnliche Lebenslauf beeindruckt – unter anderem auch Eulen-Trainer Ceven Klatt. Deshalb bestimmte er vor der Saison Haider zum Co-Kapitän hinter Gunnar Dietrich. „Ich habe mich mit Rollen- und Persönlichkeitsbildern beschäftigt. Maximilian Haider ist eine zentrale Figur in der Mannschaft“, sagt Klatt: „Er ist sehr wichtig für mich. Er hat ein gutes Gespür für Stimmungslagen.“
Ein Stückweit beeinflusst Haider selbst das Klima in der Mannschaft. Denn er ist auch noch Musikwart. „Als allererstes ist es für mich eine Ehre, mit 25 Vizekapitän eines Bundesligisten zu sein. Ich nehme die Rolle sehr ernst. Ich bin auch gerne Musikwart, denn da kann ich die Musik bestimmen“, erzählt Haider. In der Vorbereitung und in der Kabine vor den Spielen heizt er mit elektronischer Musik ein. „Die Spieler dürfen Wünsche abgeben, ob sie dann aber gespielt werden, ist eine andere Frage“, sagt Haider mit einem Schmunzeln. Dabei müsste er eigentlich gar nicht mehr Musikwart sein. „Ich bin aus dem Alter raus“, begründet er. Doch weil er mit 25 schon zu den älteren Akteuren in der Mannschaft gehört, bleibt ihm eine Aufgabe erspart. Er muss nicht mehr die Musikbox schleppen. Das erledigt nun Max Neuhaus.
Wie er auf den Spitznamen für Wagner kam
Maximilian Haider ist nicht nur neben dem Platz eine Führungspersönlichkeit bei den Eulen. Auf dem Spielfeld ist er ein ganz wichtiger Akteur. Zuletzt fiel Haider drei Wochen aus. Ihm wurden die vier Weisheitszähne entfernt. Gegen den TuS Ferndorf am Samstag (ab 19 Uhr) ist er wieder dabei. „Ferndorf ist nicht zu unterschätzen. Sie haben große Stärken“, sagt Haider. Er vertraut aber wieder auf Trainer Klatt. „Der kennt jeden Gegner. Das ist ein Vorteil für uns“, sagt der Kreisläufer, der übrigens einem Nationalspieler einen lustigen Spitznamen verpasste. Hendrik Wagner heißt seit einiger Zeit „Bobby“. „Bei den Seattle Seahawks spielt Bobby Wagner. Er ist einer der besten Defense-Spieler in der NFL. Auf einer Busfahrt habe ich Hendrik einmal aufgeklärt, und seitdem ist er der ,Bobby’“, schildert Haider die Geschichte. Hendrik Wagner hat er aber nicht für American Football begeistern können.