Wochenend-Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die Adler Mannheim ihren Meistertitel ruhig behalten dürfen

Der DEL-Pokal, hier in den Händen von Torwart Dennis Endras, bleibt so oder so als Replikat in Mannheim.
Der DEL-Pokal, hier in den Händen von Torwart Dennis Endras, bleibt so oder so als Replikat in Mannheim.

Zwei große deutsche Profiligen. Beide brechen die Saison wegen der Corona-Krise ab. Die eine (Handball) kürte einen Meister, die andere (Eishockey) nicht. Ist das ein Widerspruch? Nicht zwingend – wenngleich in einem Fall ein kleines Fragezeichen stehen bleibt.

Auf den ersten Blick hätte es sogar genau anders herum kommen können. Schließlich hat die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) ihre Punktrunde noch planmäßig am 8. März beendet, die Abschlusstabelle ist gerade und sauber. Die Handball-Bundesliga hingegen steckt nach dem 27. Spieltag fest, einige Teams hatten aber auch erst 26 Partien absolviert. Trotzdem: Eishockey ist eine Play-off-Sportart. Den letzten Meister nach Punkten gab’s vor 30 Jahren – es war der Mannheimer ERC. Als nun am 10. März die Saison ohne Play-offs abgebrochen werden musste, war selbst der Vorrundenprimus Red Bull München nicht scharf auf einen Titel. Der hätte den Charakter dieser nordamerikanisch geprägten Sportart ad absurdum geführt.

Im Handball sorgt die Quotientenregel für gewisse Gerechtigkeit: Punkte durch Spiele. Auch in dieser Tabelle steht der THW Kiel vor der SG Flensburg-Handewitt – obwohl die Kieler erst eine Parte gegen Schlusslicht Nordhorn-Lingen absolviert haben, die Flensburger sich beim Punktelieferanten aber schon zweimal bedienen durften. Dass beide noch im direkten Duell aufeinander getroffen wären – geschenkt. Es bleibt eh jedem selbst überlassen, wie viel Wert er einem sportlichen Titel in diesen beispiellosen Krisenzeiten beimessen will.

Diese Frage stellen sich auch die Adler Mannheim und ihre Fans. Als was soll man den Meister der Saison 2018/19 denn nun in der neuen Runde, wenn sie hoffentlich planmäßig Mitte September beginnen sollte, bezeichnen? Immer-noch-Meister, amtierender Meister, kommissarischer Meister, letzter Meister? Die DEL hat sich mit dieser Frage noch nicht wirklich beschäftigt, wie sie uns auf eine Anfrage mitteilte. Verständlich, sie hat wie ihre Klubs größere Sorgen. Aber zumindest gab es aus der Zentrale in Köln den dezenten Hinweis, dass sich wohl niemand beschweren würde, wenn man die Adler als amtierenden Meister bezeichnet. So oder so: Man sollte dem Coronavirus ja auch nicht das Erfolgserlebnis gönnen, die Mannheimer quasi entthront zu haben ...

Solidarität unter Sportarten kann ein Spagat sein

Die Lockerungen der Corona-Auflagen für einige Individualsportarten lassen auch Reiterinnen und Reiter aufatmen. Erleichtert es doch ihren solidarischen Spagat. Während ein Fußballer nur im Garten kicken konnte, durften sie zu ihren Pferden und eingeschränkt auch reiten. Zu Recht, denn es ging nicht um Leistungssport oder Freizeitvergnügen, sondern die Gesunderhaltung der Tiere, die bewegt werden müssen. Wer als Amateur bei dieser Notbewegung im Sattel gewissenhaft mit seinem „Privileg“ umgegangen ist, braucht sich keine Vorwürfe zu machen – oder machen zu lassen. Berufsreiter durften ihrem Kernjob, der Ausbildung von Pferden, zuletzt auch wieder regulär nachgehen. Für beide Gruppen galt übrigens in dieser ja nicht ganz ungefährlichen Sportart: bitte nicht runterfallen, mal salopp gesagt. Um das Gesundheitssystem nicht zusätzlich zu belasten.

Oliver Wehner
Oliver Wehner
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