Meinung
Vizemeister Adler Mannheim: Über dem guten Weg liegt ein Schatten
„Trust the process“, vertraut dem Prozess, ist seit dem Tag seines Amtsantritts im November 2023 von Trainer und Sportchef Dallas Eakins immer wieder zu hören. Dass dieser Prozess die Adler voranbringt, zeigen die Ergebnisse - trotz der aktuellen Enttäuschung. Die Mannheimer unterlagen in der Endspielserie mal wieder den Eisbären Berlin, der Titelverteidiger gewann am Sonntag 4:1 in der SAP-Arena und triumphierte damit abermals. 4:1 nach Siegen lautet die Finalbilanz aus Sicht des alten und neuen deutschen Meisters.
Dennoch, es ging wieder mal vorn. Reichte es für die Adler im ersten Jahr unter Eakins nur für das Viertelfinale, war in der Saison darauf erst im Halbfinale Schluss. Nun nahmen die Mannheimer sogar die nächste, scheinbar letzte Stufe. Nach einer guten Punktrunde, in der man mitunter großartiges Eishockey sah und die auf Rang zwei endete, wurde in den Play-offs das erste DEL-Finale seit 2019 erreicht.
Was klar für Eakins spricht
Von Beginn an sprach der Amerikaner Eakins davon, eine neue Kultur in der Organisation etablieren zu wollen, eine, bei der neben dem Gewinnen auch die Teamwerte hoch im Kurs stehen. Er wolle nicht nur gute Spieler, sondern auch gute Menschen verpflichten. Auch dies ist ihm gelungen. Schon lange präsentierte sich ein Adler-Team nicht mehr so als Einheit wie jenes dieser Saison. Dieser Teamgeist wurde zuvor manchmal sehr vermisst.
Auch die Neuverpflichtungen passten. In Justin Schütz wurde endlich der lange gesuchte Torjäger gefunden. Maxi Franzreb zeigte im Tor, dass er zu den Allerbesten seines Fachs in der DEL gehört. Und Nick Mattinen wurde zu Recht DEL-Verteidiger des Jahres.
Die recht deutlich verlorene Endspielserie wirft jedoch einen Schatten. Eine Entwicklung der Mannschaft war auch in der dritten klaren Serienniederlage nacheinander gegen den Serienmeister aus Berlin – abgesehen vom bemerkenswerten Aufbäumen in Spiel vier – nicht zu sehen, Lösungsansätze des Coaches waren kaum zu erkennen.
Woher sollen neue Impulse kommen?
Und so ist die Frage, wie der Prozess der Adler in der kommenden Saison weitergehen soll. Schließlich hat der Manager Eakins fast den gesamten aktuellen Kader auch für die kommende Saison unter Vertrag genommen. Neue Impulse sind kaum noch möglich. Wer diese so eindeutige Finalserie gesehen hat, dem fällt schwer zu glauben, dass es dem Trainer Eakins gelingen wird, daraus eine Mannschaft zu formen, die im nächsten Jahr den noch fehlenden Schritt zum Titel nehmen wird.
Eakins hat sich nach dieser Saison das Vertrauen verdient, die Entwicklung der Adler weiter voranzubringen. Und trotzdem steht hinter „Trust the process“ ein Fragezeichen.