Karlsruher SC RHEINPFALZ Plus Artikel Video-Gruß vom Vize und ein teures Stadion: Warum die Skandale beim KSC keine sind

Beim Karlsruher SC um Kapitän Marvin Wanitzek (rechts) ist die Stimmung nach dem Sieg über Preußen Münster wieder deutlich besse
Beim Karlsruher SC um Kapitän Marvin Wanitzek (rechts) ist die Stimmung nach dem Sieg über Preußen Münster wieder deutlich besser. Sportlich jedenfalls, trotz Getuschels hinter den Kulissen.

Weder die Stadion-Baukosten noch die Aussagen des KSC-Vizes taugen zur Skandalisierung. Fraglich allerdings, warum der Verein sich erst jetzt erklärt.

Mit dem 2:0-Erfolg bei Preußen Münster gelang den Spielern des Karlsruher SC ein Sieg, der auch atmosphärisch wichtig war. Schon im Trainingslager war die Stimmung zuvor wieder deutlich besser gewesen, nachdem die Entlassung von Co-Trainer Zlatan Bajramovic im Dezember für viel Unmut gesorgt hatte.

In zwei anderen Punkten scheinen sich derweil vermeintliche Brandherde als zahme Feuerchen zu entpuppen. Da wäre zum einen die Videobotschaft, die Vizepräsident Uwe Maisch aus dem Trainingslager in Estepona in Spanien versandt hat und die mancherorts zum „Sexismus-Eklat“ wurde. In dem einminütigen Clip lobt Maisch Wetter und Verpflegung. Und sagt dann: „Schöne Frauen gibt es hier auch, speziell im Hotel – alle sehr nett, vor allem zu mir.“ Da er selbst „nett“ und „freundlich“ sei, werde „dann schon die eine oder andere Türe geöffnet, ihr wisst schon ...“

Ob das anzüglich gemeint war oder sich auf die Tür zum Gastrobereich in einem Hotel bezog, in dem keine Frauen übernachteten, sei dahingestellt. Dass Maisch, der sich in Vereinskleidung filmte, eine denkbar unglückliche Figur abgab, steht allerdings fest. Zumal ihm hätte bewusst sein müssen, dass ein Video, das er nach offiziellen Angaben an „zehn Personen“ geschickt hat, deren Kreis verlassen würde. Es geht also nicht um „Leaks“, sondern um falsche Freunde und einen naiven Umgang mit Social Media.

Wie teuer war denn nun der Wildpark?

Der KSC belässt es derweil bei einem Tadel für den Vize. Man stehe „klar für Respekt, Wertschätzung und einen verantwortungsvollen Umgang miteinander“, erklärt ein Vereinssprecher dieser Zeitung. „Die entstandene öffentliche Wirkung des Videos entspricht diesem Selbstverständnis nicht.“ Man habe mittlerweile den „Vorgang vereinsintern, unter Zuhilfenahme eines externen Compliance Beauftragten, aufgearbeitet und eingeordnet.“ Warum man sich erst über eine Woche später und erst auf Nachfrage äußert, bleibt allerdings rätselhaft. Zunächst meinte man, das Thema mit einer internen Mail an die Mitarbeiter abräumen zu können.

Eine größere Tragweite hat derweil die kolportierte Aussage von Geschäftsführer Michael Becker, die Kosten für den Neubau des BBB-Wildpark-Stadions hätten de facto 210 und nicht 155 Millionen Euro betragen, „nur weiß das keiner“. Diese Sätze – getätigt vor Heilbronner Studenten – konnte man durchaus so verstehen, als ob die Stadt den Differenzbetrag an der Öffentlichkeit vorbei draufgelegt hätte. In Zeiten von massiven Kürzungen in fast allen kommunalen Bereichen wäre das ein echter Skandal gewesen. Auf Nachfrage präzisiert Becker nun, er halte an der Gesamtsumme von 210 Millionen Euro fest, habe damit aber nicht die reinen Baukosten gemeint, die laut Stadt mit 155 Millionen budgetiert worden waren (und sich offenbar durchaus noch erhöhen können), sondern die Gesamtkosten. Dazu zählt Becker auch „Planungs-, Finanzierungs-, Infrastruktur- und Folgekosten“, die der KSC und seine Dienstleister stemmen: die Inneneinrichtung der Westtribüne, in der sich die VIP-Bereiche befinden und die allein bei rund 20 Millionen Euro liegen sollen. Oder die Kosten für die Videowall, die Geschäftsstelle oder den neuen Trainingsplatz.

Auch hier besteht also wenig Grund zur Skandalisierung. Umso mehr stellt sich die Frage, warum die Vereinsführung nicht früher und auf eigene Initiative zur Aufklärung beigetragen hat.

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