Fußball
Und was macht der Karlsruher SC ohne Druck mit der restlichen Saison?
In der Halbzeit, beim Stand von 1:0 für die Franken, habe er „den ein oder anderen gefragt, ob er vielleicht Lust hätte mitzuspielen. Es hat ja sonst keinen Sinn, dass wir uns um 18.30 Uhr treffen.“ Dass Eichner sein Team bei der Ehre gepackt hatte, zahlte sich aus. Nach Treffern von Rafael Pinto Pedrosa, Fabian Schleusener und Shio Fukuda gelang ein Heimsieg, der den Badenern neben 37 Punkten die Erkenntnis beschert, dass außer Marvin Wanitzek und Louey Ben Farhat auch andere in der Lage sind, Tore zu erzielen. Vor allem aber steht nach menschlichem Ermessen jetzt der Klassenverbleib fest. Der Vorsprung vorm Relegationsrang ist zu groß, als dass er noch aufgeholt werden könnte.
Bliebe die Frage, was in dieser Saison drin gewesen wäre, wenn diese Mannschaft nicht immer wieder Weckrufe gebraucht hätte, um halbwegs konstante Leistungen abzurufen. Nach dem 1:5 gegen Nürnberg Mitte Februar hatte es gar einer Art Ultimatum der Vereinsführung für Eichner bedurft, um einen 3:1-Sieg gegen Holstein Kiel zu landen. Im Winter hatte man nur einen Sieg in zehn Partien zustande gebracht, nicht jeden in der Mannschaft schien das so zu fuchsen wie Abwehrchef Marcel Franke oder Kapitän Marvin Wanitzek, der als Kind schon KSC-Fan war.
Eine bessere Platzierung hergeschenkt
So oder so: Nach einem ersten Saisondrittel, in dem man streckenweise wie ein potenzieller Aufsteiger gespielt hatte, wurde in dieser Phase die Saison hergeschenkt. Insgeheim hatte man vor der Saison eine Platzierung unter den ersten sechs durchaus für möglich gehalten.
„Es ist ein Muster bei uns, dass wir immer erst mal ein Negativerlebnis brauchen, um dann in die Spur zu kommen“, seufzte Timon Pauls, Direktor Profifußball beim KSC. Und auch Eichner, der am Freitag bei seiner Analyse mit ungewöhnlich vielen Anglizismen aufwartete, fragte sich, ob sein Team nur unter „Pressure“ funktioniere. Er hatte gegen Fürth jedenfalls das „Learning“, dass sein Team nur bei dann Vollgas gibt, wenn ihr das Wasser bis zum Hals steht.
Die fragile Fan-Stimmung
Wenn das stimmt und das Phlegma zu dieser Mannschaft gehört wie das Badnerlied zur Stadionfolklore, dann hätte der KSC allerdings in den verbleibenden sieben Spielen ein echtes Problem. Denn realen Druck hat das Team jetzt nicht mehr. Weitere kollektive Totalausfälle wie gegen Nürnberg, Kaiserslautern, Hannover oder Bielefeld würden aber die Stimmung im Umfeld mit Sicherheit kippen lassen.
Am Freitag wurden die KSC-Fans selbst vom Gästetrainer Heiko Vogel für die Dezibelzahlen gelobt, die sie über 90 Minuten erzeugt hatten. Doch die Stimmung in der Kurve ist fragiler als es nach außen hin erscheint. Das liegt an dem blutleeren Auftritt im Derby beim FCK – vor allem aber daran, dass der eine Blaupause für einige andere Auftritte in dieser Spielzeit war.
Für den Rest der Saison erwarten Vereinsführung, Trainer und Fanszene dann auch Ähnliches von einer Mannschaft, die es ohne den erneut verletzten Lilian Egloff im Offensivbereich nicht leichter haben wird: engagierte, konzentrierte Auftritte, wie sie die Elf in der zweiten Halbzeit gegen Fürth gezeigt hat. Denn dann, das zeigt der bisherige Saisonverlauf überdeutlich, reicht das Potenzial dieser Mannschaft allemal für weitere Siege.