FCK
Tumult-Derby: Das brutale Erlebnis des Matheo Raab
Unter sportlichem Aspekt lässt sich dieses – nennen wir es ruhig so – Gefecht zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SV Waldhof Mannheim nicht bewerten. Vor allem nicht aus Sicht des Gastgebers. Es blieben angesichts der Turbulenzen viele Fragen unbeantwortet. Zwangsläufig. Hätte der kühne Schachzug von Trainer Marco Antwerpen denn funktioniert, auf einen gelernten Stürmer zu verzichten und stattdessen René Klingenburg als zentrale Offensivkraft aufzubieten? Wäre es den Roten Teufeln gelungen, Chancen zu kreieren und das verdorrte Torkonto zu gießen? Nach 23 Minuten und der Roten Karte gegen Kenny Prince Redondo, spätestens nach dem Notbremsen-Feldverweis gegen Marvin Senger kurz vor der Pause ging es nur noch um das sportliche Überleben und das Verrammeln des eigenen Tores.
Matheo Raab glänzt erneut
Das zumindest gelang dem FCK mit Bravour, auch Dank des wieder einmal glänzend aufgelegten Torhüters Matheo Raab, der von Spieltag zu Spieltag mehr beweist, dass er die rechtmäßige Nummer eins ist. Doch auch der 22-Jährige wird einige Tage brauchen, um den Kopf nach diesem 0:0 wieder freizubekommen. „Es war heiß auf den Rängen, es war heiß auf dem Platz, Leidenschaft und Emotion pur. Das muss man erst mal verarbeiten“, bekundete Raab. „Man muss sagen, dass zwei Entscheidungen getroffen worden sind, die du in so einem Spiel nicht geben kannst und die generell sehr fraglich sind.“ Raab meinte die Roten Karten. „Chapeau an die Mannschaft, das Spiel zu neunt bis zum Ende so zu gestalten und die Null zu halten.“
Den eigenen Fans sprach Raab ein großes Kompliment aus, sie hätten der Mannschaft „noch einmal richtig Kraft gegeben“. Der Punkt sei „ein Gewinn“, sagte Raab und ergänzte: „Generell, vom Spirit, vom Kampf und von der Laufbereitschaft her, hat das einfach mega Bock gemacht. Es war ein brutales Erlebnis. Ich habe ja noch nicht so viele Spiele, aber das war definitiv das mit den meisten Unterbrechungen und der geringsten Spielzeit.“ Tatsächlich kam im ersten Abschnitt kein Fluss zustande.
Gezänk auch am Spielfeldrand
Eine Unterbrechung jagte die nächste, ein Knäuel von Wüterichen löste das andere ab. Auch am Spielfeldrand durfte Gezänk nicht fehlen. Waldhofs Sportchef Jochen Kientz sah ebenso die Rote Karte wie Lauterns Teammanager Florian Dick. Marco Antwerpen und sein sportlicher Vorgesetzter Thomas Hengen erblickten den gelben Karton. Funktionäre, die sich nicht unter Kontrolle hatten, Spieler, die jede Gelegenheit zur Provokation nutzten – Fußball zum Abgewöhnen.
Schiedsrichter Florian Heft war heillos überfordert. Ruhe kehrte erst im zweiten Abschnitt ein, als der SV Waldhof mit zwei Mann mehr Einbahnstraßenfußball spielte, aber nur selten gefährlich wurde. Die Mannheimer fanden kein Mittel, trotz der Überzahl. „Wir waren in der zweiten Halbzeit nicht zwingend genug“, urteilte Jesper Verlaat, „wir haben zu viele technische Fehler gemacht. Damit spielen wir denen in die Karten.“
Klingenburg lobt die Fans
René Klingenburg sah sich und den FCK als moralische Sieger. Die Anhänger hätten daran einen riesigen Anteil verbucht. „Ich weiß nicht, ob du 70 Minuten ohne Fans im Rücken so verteidigen kannst“, sagte Klingenburg und lobte die mannschaftliche Geschlossenheit, „wir haben den Derbymodus angenommen. Jeder wusste, es ist ganz viel Druck auf dem Kessel, wenn wir dieses Spiel vergeigen, sieht es ganz schlecht aus. Deswegen bin ich so unfassbar stolz, dass wir mit neun Mann dieses Spiel nicht verloren haben.“ Die kommenden Tage wird der 27-Jährige zur Regeneration nutzen müssen. „Alles tut weh, aber das genau ist die Einstellung eines jeden Einzelnen, die dich zu so einer Belohnung bringt.“
Ob dieser Kraftakt für den FCK zum Bumerang wird, muss sich zeigen. Moral hin oder her: Sechs Punkte aus acht Spielen bleiben eine magere Ausbeute, und die kommenden Gegner aus Verl und Osnabrück sind ebenfalls Brocken. Auch diese Widersacher verlangen die Bereitschaft, alles zu geben. Zudem fehlen dem FCK mit Redondo und Senger zwei weitere Spieler. Das 0:0 gegen Waldhof könnte teuer erkauft sein. Es sei denn, die Mannschaft schöpft aus diesem Erlebnis tatsächlich Kraft und Selbstvertrauen – und münzt dies in Erfolge um.
