Fußball
Terrence Boyd erlöst den SV Waldhof
Erst als seine Mitspieler jubelten, realisierte Terrence Boyd, dass er gerade den entscheidenden Treffer zum 1:0 (0:0)-Sieg des SV Waldhof Mannheim gegen den SV Wehen Wiesbaden erzielte. Der Stürmer des Drittligisten hatte bei seinem Startelfdebüt am Samstag genau den richtigen Riecher in der 71. Minute vor der Saison-Rekordkulisse von 17.406 Zuschauern, davon 10.000 mit einer Freikarte.
„Ich lag auf dem Boden und wusste selbst nicht, ob der Ball reingeht. Dann gehe ich hoch, sehe, dass das Netz wackelt und denke: Mist, Außennetz“, sagte er zu seinen Gedanken, bevor er doch zum Jubeln in Richtung Haupttribüne abdrehte. Sein Treffer sei für die Gegner eklig gewesen: „Wie viele meiner Treffer sind so. Schön ist etwas anderes, aber es hat gereicht“, meinte der Ex-Lauterer.
Lockere Art
In seiner lockeren und humorigen Art skizzierte der 34-Jährige die Entstehung des Treffers nach Vorarbeit von Kennedy Okpala, wodurch der Waldhof nach zuvor zwei Niederlagen in der Dritten Liga wieder auf die Siegesstraße kam: „Die wursteln sich da draußen immer durch. Und dann hat es Kennedy geschafft, vorbeizukommen. Ich glaube, sein Ball ist noch abgefälscht worden. Bei mir ist der Weg zumeist auf den ersten Pfosten. Da sagt man, dass dort das Geld verdient wird. Da bin ich gerade so mit Picke-Außenrist drangekommen.“
Etliche Verletzungen
Der Startelfeinsatz von Boyd war zustande gekommen, weil Waldhofs Trainer Luc Holtz aufgrund von Verletzungen und Erkrankungen im Vergleich zum 1:2 beim MSV Duisburg sechs neue Spieler bringen musste. Auch Wiesbadens neuer Trainer Daniel Scherning brachte drei neue Akteure und musste zudem bis zur 25. Minute zwei Mal verletzungsbedingt früh wechseln. So entwickelte sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und bei widrigen Platzverhältnissen mit teilweise gefrorenem Rasen über weite Strecken ein Spiel auf äußerst überschaubarem Niveau.
So sah es auch Boyd: „In der Halbzeit habe ich schon gesagt, dass eine Aktion heute reichen wird – auf beiden Seiten. Das wird so ein klassisches 1:0-Spiel. Das Team, das es am konzentrierteste oder effizientesten spielt, wird es machen. So einen Rotzsieg hätten beide Mannschaften gerne gehabt.“ Es gehe laut Boyd genau darum, solche Spiele zu ziehen und in Punkte zu verwandeln, die man sonst verlieren oder unentschieden spielen würde. So schaffte der Waldhof wieder etwas Abstand zur Abstiegszone und kann vor der kommenden Partie am nächsten Samstag (16.30 Uhr) beim Schusslicht 1. FC Schweinfurt 05 etwas durchatmen.
Gallige Schlussphase
Dass die Partie zugunsten der „Buwe“ ausging, lag an einer Schlussphase, in der die „Buwe“ deutlich galliger waren als die Gäste. So hätte mehrfach Boyd, aber auch Okpala, das Ergebnis noch klarer gestalten können. Mannheim musste bis zum Ende zittern, zumal Wiesbaden in der Nachspielzeit noch zwei Mal zwingend vor das Waldhof-Tor kamen – inklusive Rudelbildung, nachdem Florian Hübner hart gegen Waldhofs Torhüter Thijmen Nijhuis eingestiegen war.
Ihre beste Chance hatte die Gäste in der 57. Minute vergeben, als Tarik Gözüsirin ziemlich frei zum Abschuss kam, Nijhuis aber den Ball noch gedankenschnell abwehren konnte. Insgesamt stand die Abwehr der Kurpfälzer aber über die gesamte Spieldauer exzellent und ließ kaum Chancen der Hessen zu.
Holtz hatte, ganz untypisch für ihn, nach Spielschluss dann auch ein Sonderlob für Boyd parat: „Was Terrence heute auf dem Spielfeld gebracht hat, war hauptsächlich Mentalität, Motivation und Enthusiasmus. Da ist er heute vorangegangen. Er ist ein gutes Beispiel für jeden jüngeren Spieler. Seine Klasse hat er mit seinem Tor bewiesen“, sagte der Luxemburger.
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