Fußball
SV Waldhof: Die Hängepartie ums Nachwuchsleistungszentrum
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nach einem Besuch Ende Februar bei den unteren Jahrgängen einige Beanstandungen vorgebracht, die der Klub noch erfüllen muss. Das betonte Kai Herdling, Sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung bei den Kurpfälzern, bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Dienstagabend.
Das Ziel des SV Waldhof mit NLZ ist es, die Jugendlichen aus der Region stärker an den Klub zu binden und nicht etwa an die TSG 1899 Hoffenheim, den FSV Mainz 05 oder den SV Darmstadt 98 zu verlieren. Das hat auch einen finanziellen Aspekt: Die Aufwandsentschädigungen bei einem Wechsel von Waldhof zu einem anderen Verein würden sich laut Herdling nur aufgrund der DFB-Anerkennung als NLZ im Vergleich zur jetzigen Situation um das 15- bis 20-fache erhöhen. „Dann gehen sie zu einem fairen Preis. So kommt die TSG Hoffenheim nicht und holt fünf Spieler für etwas mehr als 5000 Euro, sondern überlegt es sich. Wenn sie nur einen holen, haben wir vier Gute bei uns“, sagte der Nachwuchsleiter. Schon seit dem Beginn der Präsidentschaft von Mäzen Bernd Beetz Ende 2018 wünscht sich der Waldhof das NLZ, also seit fast acht Jahren.
Läppische 8560 Euro
Durch die lange Hängepartie, auch begründet durch die vom DFB geforderte Loslösung von der von der Dietmar-Hopp-Stiftung finanzierten Initiative „Anpfiff ins Leben“ für das sozialpädagogische Konzept im Sommer 2023, geht dem Verein viel Geld aus dem Nachwuchsfördertopf des DFB verloren. Allein ein NLZ bringt dem Verein 100.000 Euro pro Jahr. Dazu werden Spielzeiten von deutschen U21- und U23-Spielern honoriert. In der Saison 2024/25 bekam die Spvgg Unterhaching als Spitzenverdiener aus diesem Topf mehr als 300.000 Euro, der Waldhof hingegen erhielt läppische 8560 Euro. 14 Drittligavereine erhielten in jener Saison eine sechsstellige Summe. Waldhof hinkt also deutlich hinterher. Für den notorisch klammen Verein ist das ein herber Nackenschlag seit Jahren – zumal für die kommende Runder der Nachwuchsfördertopf vom DFB um zwei Millionen Euro auf fünf Millionen Euro angehoben wurde.
Der SV Waldhof wähnt sich nach dem Besuch des DFB jedenfalls jetzt auf der Zielgeraden, ist aber für die Zulassung als NLZ auf die Termine des Verbands angewiesen. „Der 1. Juli wird sehr wahrscheinlich eine enge Kiste. Für uns ist aber der erste Schritt, die Mängel zu beheben“, sagte Herdling. Der Kritikpunkt des Verbands liegt in den Jahrgängen U12 bis U14, die noch nicht das umfassende Betreuungskonzept der höheren Jahrgänge genießen. „Der DFB verlangt auch, dass wir in der U12 ein adäquates individuelles Athletiktraining betreiben und das in einem Portal dokumentieren. Das gleiche gilt auch für Physiotherapie und Videoanalyse“, skizzierte Herdling eine der Schwachstellen beim SV Waldhof. Das sei ein großer finanzieller Aufwand, der aber wiederum bei einer Zulassung zum NLZ durch den DFB-Fördertopf teilweise aufgefangen werde.