Fußball
Spieler des Karlsruher SC: Klares Bekenntnis zu Christian Eichner
In der Regel meidet Christian Eichner nach Spielen den Gang zu den Fans. Die Kurve, das ist die feste Überzeugung des Trainers, gehöre der Mannschaft. Nun aber konnte Eichner nicht anders. Als die Anhänger des Karlsruher SC ihn am Freitagabend zu sich riefen und ihn mit Gesängen feierten, folgte Eichner ergriffen. „Sie spüren, dass ich einer von ihnen bin“, sagte er später. Wer all die Emotionen rund um den 4:1-Erfolg gegen Arminia Bielefeld mitbekam, der mag erahnen, welch gefühlsbetonte Wochen dem badischen Zweitligisten bis zum Saisonende bevorstehen, wie viele Tränen am 17. Mai fließen werden, wenn die Runde mit dem Heimspiel gegen den VfL Bochum endet – und damit Eichners Amtszeit im Wildpark.
Zu Beginn der vorigen Woche war offiziell geworden, was sich längst abgezeichnet hatte: Trotz einer bis Mitte 2027 bestehenden Vereinbarung gehen der KSC und Eichner ab Sommer getrennte Wege. Die Frage nach dem Warum konnten die Allgewaltigen bislang nicht schlüssig beantworten. Dass Eichner seine Spieler nicht mehr erreicht, kann ausgeschlossen werden. Die Reaktionen nach dem Sieg gegen die Arminia waren ebenso eindeutig wie einhellig.
„Er hat mich mit zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagte der umworbene 19-jährige Stürmer Louey Ben Farhat, „man will dem Menschen nun einfach so viel zurückgeben, wie es nur geht.“ Der bosnische Nationalspieler Dzenis Burnic sagte: „Er ist ein überragender Trainer, der mich sehr viel weiterentwickelt hat, dem ich viel zu verdanken habe, den ich wertschätze. Es ist in diesen Moment schwer, die Realität zu begreifen. Es hat die Mannschaft getroffen.“
Wanitzek muss sich kurz straffen
Schwer getroffen. „Mich und Christian verbinden fünfeinhalb Jahre als Cheftrainer. Das ist eine Zeit, die einen prägt. Es war eine Woche voller Emotionen“, sann Stürmer Fabian Schleusener, „wir wollten heute etwas entfachen, etwas zurückgeben, egal wie.“ Obschon er selbst „nach außen nicht immer sein Stürmer Nummer eins war und ich es mir manchmal vielleicht auch anders gewünscht hätte“, habe die menschliche Ebene stets gestimmt: „Er wusste immer, was er von mir bekommt, ich wusste immer, was ich an ihm habe.“ Und umgekehrt. „Das ist prägend. Es war eine Zeit, die ihresgleichen sucht.“
Marvin Wanitzek wurde unter Eichner der Spieler, der er heute ist – der beste Scorer der Zweiten Liga. Ehe der Kapitän das Interview am Freitag begann, musste er sich erst einmal „kurz straffen“. Je näher der Tag X komme, desto emotionaler werde es für den einen oder anderen, sagte Wanitzek, „wir sind es ihm schuldig, fünf Wochen lang den besten Abschied zu schenken. Es muss sich niemand sorgen.“ Die Furcht der Fans ist auch eher die, dass ein mit Eichner so eng verwobener Profi wie Wanitzek den Klub nun verlassen könnte, trotz gültigen Arbeitspapieres. „Die Gegebenheiten sind im Sommer so nicht mehr da, und deshalb werde ich nach dem letzten Spiel erst mal alles sacken lassen müssen und mir ein bisschen Zeit nehmen. Dann werden wir schauen.“ Worte wie eine Drohung.
Auch Kniat flicht den Lorbeerkranz
Nach dem Tor zum 3:1 durch Wanitzek flitzte die gesamte Mannschaft nach außen zu Eichner, Spieler und Trainer bildeten eine sekündlich größer werdende Jubeltraube. „Bilder sagen manchmal mehr als Worte“, bekundete Eichner auf der Pressekonferenz, „und es war ein unfassbar kraftvolles Bild, das da entstanden ist.“
Auch Eichners Bielefelder Kollege Mitch Kniat stimmte in den Kanon der Sympathiebekundungen ein: „Ich hätte es uns mehr gegönnt, aber gleich danach kommst du. Du machst einen super Job – und musst keinen mehr überzeugen.“