Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Schalke 04: Fast kaputt und jetzt doch wieder in Liga eins

Die Schalker Spieler bejubeln und begießen in der Pressekonferenz ihren Trainer Miron Muslic.
Die Schalker Spieler bejubeln und begießen in der Pressekonferenz ihren Trainer Miron Muslic.

Willkommen zurück in der Bundesliga, FC Schalke 04. Der Traditionsclub hat den Aufstieg durch ein 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf perfekt gemacht.

Es hat nicht lange gedauert, bis Timo Becker in diesem Moment des riesengroßen königsblauen Glücks mit der Zukunftsplanung begann. „Ich werde ihn heute mega abfüllen, und dann werde ich das schon hinkriegen“, erwiderte der Rechtsverteidiger des künftigen Bundesligaklubs Schalke 04 auf eine der Fragen, die sich nun viele stellen: Wird Edin Džeko, der Superstar des Aufsteigers, im kommenden Jahr für Schalke in der Bundesliga spielen? So viel Intensität wird er anderswo kaum bekommen. Loris Karius, der Torwart, der schon mit dem FC Liverpool im Champions-League-Finale stand, sagte nach dem 1:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf: „In meiner Karriere hatte ich schon einige Highlights. Aber dieser Aufstieg steht über allem.“

Den Gelsenkirchenern ist ein Coup gelungen, der vor einem Jahr undenkbar war. Im Mai 2025 lagen zwei finstere Zweitligajahre hinter Schalke. Der Verein war wie immer fast pleite. Das Team schien zu zerfallen. Selbst die Fans hatten begonnen, sich abzuwenden, worin die Verantwortlichen offenbar eine Chance sahen. Jedenfalls erwiderte der Sportchef Frank Baumann auf die Frage, ob er sich diesen Aufstieg zu Saisonbeginn habe vorstellen können, schlicht: „Ja.“ Weil in der Zweiten Liga immer alles möglich ist, wenn sich ein paar Dinge zusammenfügen. Und auf Schalke hat sich wahrlich viel zusammengefügt.

Die entscheidende Figur

Timo Becker, ein Herzensschalker seit Kindertagen, erklärte kurzerhand den Trainer Miron Muslic zur entscheidenden Figur dieser Entwicklung: „Dieser Mann hat es geschafft, dass Schalke wieder eine Identität hat.“ Noch am Abend gab der Klub bekannt, dass sich der Vertrag mit Muslic durch den Aufstieg automatisch bis 2028 verlängert habe. „Ich bin der glücklichste Trainer in Deutschland und werde das auch in den nächsten zwei Jahren bleiben“, sagte er.

Ähnlich wichtig für die Metamorphose vom beinahe vollständig zerrüttenden Krisenklub zum stolzen Aufsteiger ist aber Baumann. Der zurückhaltende Sportvorstand hat Muslic beim englischen Zweitligaabsteiger Plymouth Argyle entdeckt. In einer wirtschaftlich schwierigen Lage nahm er kostengünstige Spieler wie Nikola Katic oder Soufinane El-Faouzi unter Vertrag und traf viele andere sehr kluge Entscheidungen. Er sei „dankbar“, für diesen Klub arbeiten zu dürfen, sagte Baumann. „Was hier los war, auswärts, bei den Heimspielen, beim Training, das ist schon ein sehr, sehr besonderer Verein.“

Schalke-Fans in Feierlaune.
Schalke-Fans in Feierlaune.

Gearbeitet wurde auf Schalke ja schon lange an der endgültigen Befreiung aus der Zeit, als das Geld von Gazprom kam, der umstrittene Fleischfabrikant Clemens Tönnies die Macht hatte und traditionell zu riskant gewirtschaftet wurde. Nun deutet sich an, dass der Klub tatsächlich anders agiert: selbstbewusst, emphatisch, fachlich versiert und ausgestattet mit viel Vernunft.

Man konnte das gut an einer der gelungensten Aufstiegspartys der vergangenen Jahre beobachten. Das Publikum feierte ekstatisch, ohne das Fest durch einen Platzsturm zu zerstören. Dafür wurde gesungen, bis die Ohren schmerzten, während die Helden für alle sichtbar auf dem Rasen jubelten.

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