EM-Tagebuch (5) Party der Schotten in München: Wie ein Woodstock für Fußballfans

Der Marienplatz in München musste am Freitagnachmittag abgeriegelt werden – es waren zu viele Schotten gekommen.
Der Marienplatz in München musste am Freitagnachmittag abgeriegelt werden – es waren zu viele Schotten gekommen.

Alle, die dabei waren, werden sich noch lange daran zurückerinnern: die schottischen Fans versprühten in München den Charme der Freiheit.

Irgendwann in der Nacht, um kurz vor ein Uhr, drangen süße Klänge durch die Luft. Vor der Arena in München spielte ein Mann auf seinem Dudelsack und sorgte für Freude bei den Menschen, die um diese Uhrzeit immer noch nicht genug hatten von diesem emotionsgeladenen Tag. Es war ansonsten ruhig geworden, weil die Fans im Münchner Norden müde geworden waren – und die in blauen Trikots frustriert. Der Schotte, der seine Fertigkeiten auf dem Dudelsack zelebrierte, hatte möglicherweise fatalistische Gedanken und sorgte mit seinem Spiel für Zerstreuung. Seine Landsleute und er hatten einen Tag erschaffen, von dem in der bayerischen Landeshauptstadt noch lange die Rede sein wird, aber für die Schotten war der Ausgang vorherbestimmt – allen Mutmachern im Vorfeld zum Trotz.

Kaum noch jemand in Schottland

Wenn Schottland an großen Fußballturnieren teilnimmt, ist die Feier nach drei Spielen vorbei. Das ist die Regel und viele Anhänger der Bravehearts ahnten am Freitagabend, dass sich daran bei der Euro 24 nichts ändern dürfte. Für das Turnier in Deutschland wäre es schade, denn es war schon außergewöhnlich, was am Freitag in München los war.

Der eine oder andere unkte, dass wohl kaum noch jemand in Schottland sein könne, gefühlt hatte sich das ganze Land auf den Weg nach München gemacht. Es ist nicht übertrieben, aber wohin man blickte – überall waren freundliche Menschen in blauen Trikots. Die allermeisten waren männlich und von ihnen trug vielleicht ein Drittel einen Kilt. Die Zahlen, wie viele Anhänger der schottischen Mannschaft nach Deutschland gekommen waren, schwanken, aber die genaue Ziffer ist nicht wichtig.

Ein Dudelsackspieler in der Arena.
Ein Dudelsackspieler in der Arena.

Entscheidend war die Atmosphäre, die sie zunächst in der Münchner Innenstadt und später in der Arena verströmten. Die Schotten zeigten, was diese EM geben kann: ein Fest der Völker ohne Aggressionen. In Zeiten, in denen über Wehretats diskutiert werden muss und in denen ein Krieg in unserer Nachbarschaft Angst verbreitet, kann die Botschaft des Tages Hoffnung spenden: Die Party der Schotten in München war wie ein Woodstock für Fußballfans.

Für das, was die schottischen Anhänger beim Abspielen ihrer Nationalhymne in der Arena veranstalteten, ist der Begriff „mit Inbrunst singen“ geschaffen worden. Nicht nur der deutsche Nationalspieler Thomas Müller fand es „beeindruckend“, jeder Beobachter im Stadion hielt und wohl auch Millionen Menschen an den TV-Geräten hielten den Atem an. Der Beweis der Liebe zur eigenen Nation wurde zehntausendfach hinausgeschrien.

Es hatte sich gelohnt

Der Mann, der später in der Nacht auf seinem Dudelsack spielte, muss laut mitgesungen haben. Ebenso wie einige seiner Landsleute, die auf dem Weg zur U-Bahn-Station links und rechts auf Bänken niedergesunken waren. Nicht nur die deutliche Niederlage hatte die Energie aus ihren Körpern gesogen, sondern auch die Feierlichkeiten in den Stunden zuvor. Aber es hatte sich gelohnt.

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Foto: Imago Images/Beautiful Sports

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