Meinung
Olympia in Deutschland? Plötzlich ist der Traum realistischer als gedacht
Nicht wenige hätten vor einem Jahr nur milde gelächelt, wenn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Zustimmungsquoten von mehr als 60 Prozent für seinen Traum von Olympischen Spielen im eigenen Land gesprochen hätte. Zu groß schien die Hypothek all der geplatzten Bewerbungsversuche zu sein, zu mächtig die Vorbehalte.
Nun jedoch hat Deutschland nicht nur einen potenziellen Kandidaten, sondern direkt zwei. Nach München haben auch die Bürger in den 17 Städten der Initiative „KölnRheinRuhr“ zugestimmt. Hamburg soll Ende Mai folgen. Für die Auswahl des Bewerbers ist dabei gar nicht mal entscheidend, wie groß der Rückhalt bei der jeweiligen Bürgerbefragung ist – solange sie generell erfolgreich ist. Im September will der DOSB den Bewerber küren, von dem er sich die besten Chancen auf einen Zuschlag des Internationalen Olympischen Komitees erhofft. Das wiederum legt nicht mehr nur Wert auf die politische Unterstützung beim Gastgeber – sondern auch auf gesellschaftliche Akzeptanz. Ein Problem für Berlin, den vierten Kandidaten? In der Hauptstadt gibt es kein Stimmungsbild.
Es wird Verlierer geben
Wenn das IOC die Spiele nach Europa vergibt, müsse Deutschland bereit sein, lautet die Maxime des DOSB – ganz gleich ob 2036, 2040 oder 2044. Daher ist der internationale Konkurrent nicht Katar oder Indien, sondern Budapest oder Madrid. Die allerdings machen sich wenig Gedanken um Bürgerbefragungen. Die erste Konkurrenzsituation ist seit Sonntag ohnehin in der Bundesrepublik selbst entstanden, der Wettstreit zwischen Bayern und Nordrhein-Westfalen ist eröffnet. Heißt auch: Es wird Verlierer geben.
Für den olympischen Vorentscheid hat der DOSB Flexibilität ausgerufen: Bis 4. Juni können die Kandidaten ihre Konzepte anpassen, nicht einmal die Kriterien der Bewertungsmatrix für die finale Entscheidung sind fix. Eines aber darf nicht verpasst werden: Der Zeitpunkt, den großen Plan konkret zu machen. Sonst droht der Olympia-Traum zu platzen, weil Deutschland es zu gut machen will.