Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Leichtathletik-Klub für die Pfalz: Warum Germany Athletics Unruhe auslöst

Das Gerücht, dass Germany Athletics in der Pfalz aktiv wird, ist keines mehr: Der Verein „Palatinate Athletics“ ist gegründet.
Das Gerücht, dass Germany Athletics in der Pfalz aktiv wird, ist keines mehr: Der Verein »Palatinate Athletics« ist gegründet.

„Germany Athletics“ wächst bundesweit – und nimmt nun die Pfalz ins Visier. Das Konzept verspricht frische Strukturen für die Leichtathletik, sorgt aber auch für Skepsis.

In etwa dort, wo Ludwigshafen liegt, ist auf der Karte der Bundesrepublik ein „+“ zu sehen. Zwischen all den anderen Standorten, an denen Ableger von „Germany Athletics“ bereits zu finden sind, macht die Homepage des deutschlandweiten Leichathletikkonzepts klar: Auch in der Pfalz wird bald etwas passieren. Doch ein Empfang mit offenen Armen sieht anders aus.

„Jetzt kann es zu Konflikten kommen, natürlich. Es kann eine Konkurrenzsituation entstehen“, sagt Rüdiger Harksen. Der Sportvorstand der MTG Mannheim blickt gespannt darauf, was auf der anderen Rheinseite passiert – und ist durchaus besorgt: „Aus meiner Sicht wäre das eine starke Bedrohung für etablierte Vereine in der Pfalz, auch wenn Engagement für die Leichtathletik prinzipiell natürlich begrüßenswert ist.“

Der Macher von Germany Athletics: Claus Dethloff streckt seine Fühler nun in die Pfalz aus.
Der Macher von Germany Athletics: Claus Dethloff streckt seine Fühler nun in die Pfalz aus.

Hinter dem Projekt steht Claus Dethloff, früher Hammerwerfer, heute Unternehmer. Er gründete 2021 den Verein „Germany Athletics“ und verfolgt seither einen ambitionierten Plan: die deutsche Leichtathletik mit einem Franchise-System nach US-Vorbild neu aufzustellen und wieder erfolgreicher zu machen. „Germany Athletics ist aus der Trägheit und Passivität derjenigen entstanden, die das System eigentlich hätten verändern müssen“, sagt Dethloff im RHEINPFALZ-Gespräch.

Unter der Dachmarke gründete Dethloff in den vergangenen Jahren in vielen Regionen reine Leichtathletik-Klubs. Die Vereine tragen modern klingende Namen, 14 Standorte gibt es inzwischen, von Munich Athletics bis Hamburg, von Köln bis zum Berlin Athletics Capital Club in der Hauptstadt. Manche sprechen von einer „Revolution“, Kritiker eher von einem Angriff auf gewachsene Vereinsstrukturen.

Wettkämpfe ab 2027

Dass Dethloff nun die Pfalz in den Blick genommen hat, verbreitet sich in der regionalen Leichtathletik-Szene seit Wochen wie ein Lauffeuer. Das Gerücht kursiert in Sporthallen, auf Trainingsplätzen, in Funktionärsbüros. Viele haben davon gehört, genaues aber weiß kaum jemand. Dethloff selbst macht derweil kein Geheimnis daraus, dass er in der pfälzischen Leichtathletik neue Wege gehen will. Der neue Verein heißt „Palatinate Athletics“, die Gründung ist bereits vollzogen, der Stammsitz ist in Ludwigshafen. „Handlungsfähig soll der Verein 2027 sein“, sagt Dethloff. Dann soll er auch in den Wettkampfbetrieb starten.

Einer der wenigen, die mit dem Initiator bislang gesprochen haben, ist Thomas Beyerlein. Der Präsident des pfälzischen Leichtathletik-Verbands gibt sich demonstrativ offen – und zugleich auffallend vorsichtig. „Ich bin erst einmal froh über jeden, der Engagement und finanzielle Mittel in die Leichtathletik bringt“, sagt er. Mehr aber will Beyerlein noch nicht schlussfolgern. „Ich kann nichts bewerten, was ich noch nicht kenne“, sagt er. Wenn Dethloff starte, werde man ihn begrüßen – „und dann schauen wir, wie er sich in die Pfälzer Leichtathletik-Familie einfühlt“.

Ob er herzlich aufgenommen wird, erscheint fraglich. Denn überall, wo Dethloff mit seinen Athletics-Klubs aktiv wird, schlägt ihm selten Begeisterung, sondern meist Skepsis entgegen – die Pfalz macht da keine Ausnahme. „Wir haben viele kleinere Vereine, die hervorragende Arbeit leisten. Die sollen auch weiterhin im Blickpunkt bleiben“, sagt Beyerlein. Er ist nicht nur Funktionär, sondern auch Trainer beim LAZ Zweibrücken. Die große Sorge ist, dass Athleten ihre bisherigen Klubs verlassen, um sich Palatinate Athletics anzuschließen. Oder, dass sich der neue Verein Top-Athleten herausgreift, ihnen ein Etikett verpasst und die Nachwuchsarbeit vernachlässigt.

Neue Konkurrenz?

„Er hat zunächst einmal nichts außer Geld und einer Idee. Trainer, Athleten und Infrastruktur muss er sich einkaufen“, sagt Rüdiger Harksen über den Macher der Athletics-Bewegung. Bislang profitiert auch die MTG Mannheim vom Wechsel pfälzischer Athleten, die den nächsten Schritt in ihrer Karriere gehen wollen. Die Bellheimer Kugelstoßerin Yemisi Mabry, die früher Ogunleye hieß, ging beispielsweise zur MTG und wurde 2024 in Paris Olympiasiegerin. Auch Hürdensprinterin Ricarda Lobe verließ Landau, um für Mannheim anzutreten. Gibt es nun einen neuen Konkurrenten vor der Haustür? Harksen verneint und beschreibt das bisherige Verhältnis der MTG zur Pfalz mit ihren Vereinen als freundschaftlich und kollegial, weil es über Jahrzehnte gewachsen sei: „Wir werben niemanden ab.“

Yemisi Mabry tritt für die MTG Mannheim an.
Yemisi Mabry tritt für die MTG Mannheim an.

Das hat auch Claus Dethloff nach eigener Auffassung nicht vor. „Wir wollen dafür sorgen, dass Athleten in der Pfalz bleiben können und nicht zwangsläufig nach Mannheim, Frankfurt oder an andere Bundesstützpunkte wechseln müssen“, sagt er. Der 57-Jährige sieht seine Athletics-Vereine als Partner, nicht als Konkurrenz. Für ihn sei es kein Problem, wenn neben dem Palatinate-Logo noch ein weiteres Wappen auf dem Trikot zu sehen ist. Aber: Vor der aktuellen Leichtathletik-Saison gab es bundesweit 278 Startrechtwechsel zu den neuen Vereinen, darunter waren 40 Kaderathleten des Deutschen Leichtathletik-Verbands. „Der Stammverein verschwindet aus der Wahrnehmung, wenn das Startrecht auf den neuen Athletics-Klub übergeht“, warnt Harksen.

Brisante Personalie?

Mit zwei Vereinen aus der Pfalz strebe Palatinate Athletics derzeit Kooperationen an, heißt es von Dethloff. Welche das sind, verrät der Kölner Unternehmer jedoch nicht. Naheliegend wären beispielsweise das LAZ Zweibrücken und ABC Ludwigshafen als große Leichtathletik-Vereine aus der Region mit entsprechenden Trainingsgeländen. Doch die Verantwortlichen beider Klubs verneinen auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass es zum Austausch gekommen sei. Nur: Während Dethloff bei allen Athletics-Standorten als Vorsitzender eingetragen ist, kommt sein Stellvertreter stets von einem Verein aus der jeweiligen Region. Beim Pfalz-Ableger übernehme diese Rolle nach Dethloffs Angaben Michael Germann. Der Name ist in der Szene bekannt: Germann war lange Trainer bei der MTG Mannheim – und wechselte im Dezember 2025 zum ABC Ludwigshafen. Der Klub betont auf RHEINPFALZ-Nachfrage nun allerdings, dass sich an Germanns Traineraufgaben beim ABC nichts ändere. Zwischen den Klub-Verantwortlichen und dem Palatinate-Macher habe es bis heute keine Gespräche gegeben.

Die Eintragung im Vereinsregister steht zwar noch aus. Doch die will Dethloff vorantreiben. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis auf der Deutschlandkarte von Germany Athletics aus dem „+“ bei Ludwigshafen ein grüner Haken wird.

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