Handball-EM RHEINPFALZ Plus Artikel Nationalspieler Hendrik Wagner: „Ich verstehe es nicht“

Hendrik Wagner Nach der Ankunft am Montag
Hendrik Wagner Nach der Ankunft am Montag

Hendrik Wagner kam am Montag als Nachrücker bei der EM in Bratislava an – und wurde völlig überraschend direkt positiv getestet. Wie elf andere Akteure hockt er nun im Hotel in Quarantäne. Wie geht es ihm? Was macht er den ganzen Tag? Exklusiv für uns hat der Nationalspieler von den Eulen Ludwigshafen einen persönlichen Lagebericht gegeben.

Mir geht es die ganze Zeit schon gut. Ich hatte nur am ersten Tag ein paar leichte Symptome mit Halskratzen und ein bisschen Schnupfen, aber mittlerweile ist alles wieder weg. Ich hatte Glück.

Mental ist das alles natürlich nicht so einfach. Wenn man die Jungs spielen sieht, dann will man natürlich selbst eingreifen, selbst auf der Platte stehen, worauf ich mich gefreut habe. Damit muss ich nun klar kommen und schauen, wie es weitergeht. Heute Morgen war wieder ein Test. Wie nun weitergeplant wird mit den Personalentscheidungen, das kann ich nicht sagen, weil ja keiner weiß, wer wann aus der Quarantäne raus darf.

Essen vor der Tür, fünf Meter Abstand

Ich habe tatsächlich noch niemanden richtig persönlich gesehen. Das ist schon ein komisches Gefühl. Wenn das Essen vor die Tür gestellt wird, dann wird geklopft, dann gehen die Spieler ein paar Meter weiter weg, ich gehe kurz raus aus dem Zimmer heraus und nehme das Essen. Die Spieler fragen, ob ich noch etwas brauche. Aber ansonsten habe ich keinen Kontakt zu niemandem. Am Anfang hat mir Till Klimpke das Essen gebracht, der wurde dann ja aber selbst positiv getestet und nun ist es Julian Köster. Wir halten mindestens fünf Meter Abstand. Er klopft und ich gehe zur Tür und hole das Essen.

Unser Koch kocht für alle, das Menü wird täglich in die Whatsapp-Gruppe gestellt und dann schreibt man dem Spieler, der für einen zuständig ist, was man möchte. Zwischendurch gibt es dann noch einen Snack, Obst oder auch mal Kuchen.

Leichtes Krafttraining im Zimmer

In der Gruppe der Nationalmannschaft tauschen wir uns aus. An den Spielanalysen nehmen nur die negativ Getesteten teil. Ich kann aber hier mal sagen: Gegen Spanien haben wir am Anfang gut mitgehalten. Wir haben leider über das gesamte Spiel hinweg kaum Abpraller bekommen. Im Angriff haben wir am Ende der ersten Halbzeit und am Anfang der zweiten Halbzeit viele technische Fehler gemacht. Die haben die Spanier eiskalt bestraft. Der Sieg der Spanier war sehr verdient. Was ich so mache den ganzen Tag im Hotelzimmer? Netflix schauen? Nun, ich gucke viel Sport und natürlich auch alle Spiele der Handball-EM. Ich bewege mich. Ich laufe durchs Zimmer. Ich mache Krafttraining, so ganz leicht, um mich fit zu halten. Ansonsten habe ich mein Ipad dabei. Die Spieler von den Eulen Ludwigshafen melden sich regelmäßig, Lisa Heßler (die Geschäftsführerin, die Red.) meldet sich oft.

Überrascht und überrumpelt

Das alles war unglücklich, weil ich ja nichts gespürt habe. Mir ging es total gut. Ich hatte ja auch einen negativen Test in Deutschland. Und dann komme ich hier an und bin plötzlich positiv, ich war komplett überrascht, überrumpelt.

Ich kann es auch überhaupt nicht verstehen, weil ich zu Hause in Deutschland kaum zu jemandem Kontakt hatte, außer zu meiner Freundin. Und zu der Mannschaft der „Eulen“ natürlich, weil ich im Training war. Ansonsten war ich nur zu Hause. Ich kann es mir nicht erklären, vielleicht beim Einkaufen, da könnte ich es mir eingefangen haben. Ich kenne auch niemanden, der in meinem Umfeld Corona hatte. Deswegen verstehe ich es nicht.

Damit muss ich klar kommen. Es gibt bestimmt auch in Zukunft wieder Möglichkeiten, um an Länderspielen teilzunehmen. Ich werde alles dafür geben, eingeladen zu werden. Man würde gerne die Spieler sehen, man würde sich gerne austauschen. Man kann es nicht ändern und wie gesagt, damit muss ich jetzt klar kommen und akzeptieren.

Protokoll: Udo Schöpfer

Eine Nachfrage hat ergeben: Der Test am Freitag war abermals positiv, Hendrik Wagner blieb also zunächst weiter im Teamhotel in Bratislava in der Quarantäne. Getestet wird täglich. Wie Sportvorstand Axel Kromer vom Deutschen Handballbund erklärte, muss der CT-Wert über 30 liegen, damit man spielen darf.

Und nun im Teamhotel in Quarantäne .
Und nun im Teamhotel in Quarantäne .
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