Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Nadelstiche statt Dampfhammer: Bad Bunny hat mit seiner Halftimeshow nicht enttäuscht

Der Puerto-Ricaner Bad Bunny machte die Halbzeitshow des Super Bowls zur Latino-Party.
Der Puerto-Ricaner Bad Bunny machte die Halbzeitshow des Super Bowls zur Latino-Party.

Die Erwartung an Bad Bunny war ernorm. Würde er Donald Trump die Stirn bieten? Der Puerto-Ricaner sendet subtile Botschaften mit großer Wirkung.

Was haben einige erwartet? Etwa, dass Bad Bunny während seines Konzerts US-Präsident Donald Trump beleidigt oder einen Banner der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde ICE verbrennt? Bitte. Bei allem Wunsch nach Künstlern und Athleten, die ihre Meinung sagen, muss man auch realistisch bleiben. Der Super Bowl ist Spitzensport und Unterhaltungsshow. Der Wunsch nach der politischsten Auflage des NFL-Finals aller Zeiten konnte nur enttäuscht werden – allein, weil die Bedeutung des Spektakels über den Rasen hinaus derart aufgeladen wurde. Kann ein Künstler dieser überhöhten Erwartungshaltung überhaupt gerecht werden?

Oft gehört, wird aber nie alt: Die Botschaft, dass nur Lieber stärker ist als Hass
Oft gehört, wird aber nie alt: Die Botschaft, dass nur Lieber stärker ist als Hass
Bad Bunny lieferte Spektakel.
Bad Bunny lieferte Spektakel.
Lady Gaga war zu Gast bei der Halftimeshow des 60. Super Bowls.
Lady Gaga war zu Gast bei der Halftimeshow des 60. Super Bowls.
Bad Bunny zeigte: Man muss eine Sprache nicht können, um Musik zu verstehen.
Bad Bunny zeigte: Man muss eine Sprache nicht können, um Musik zu verstehen.
Am Ende fanden die Flaggen der süd-, mittel- und nordamerikanischen Länder zusammen.
Am Ende fanden die Flaggen der süd-, mittel- und nordamerikanischen Länder zusammen.

Foto 1 von 5

Wobei Enttäuschung relativ ist. Die NFL hat in den Tagen von San Francisco bewiesen, dass sie dem US-Präsidenten nicht den Hof hält, indem sie die Stadt, die Diversität feiert, sich frei entfalten ließ. Der stimmungsvolle Auftritt von Bad Bunny war voller subtiler Botschaften. Der Puerto-Ricaner, der durchweg auf Spanisch sang, zeigte: Es ist nicht nötig, eine Sprache zu beherrschen, um ein Lied – und ein Gefühl – zu verstehen. Durch seine Show zog sich das Thema des Fallens und des Wiederaufstehens genauso wie das der Einheit und Verbundenheit. Ein Pärchen heiratete auf der Bühne, was offenbar nicht gespielt war. Und die Tänzer trugen die Flaggen der süd-, mittel- und nordamerikanischen Staaten durch eine Art Irrgarten, um zusammenzufinden. Die Botschaft, Liebe sei die einzige Kraft, die stärker ist als der Hass, ist nicht neu. Aber kann man das zu oft sagen?

Trump poltert

Nadelstiche, die Trump auf die Palme bringen. Es dauerte nicht lange, bis er Bad Bunnys Auftritt geißelte – niemand würde „diesen Typ“ verstehen. Die Show „ist einfach ein Schlag ins Gesicht unseres Landes.“ Ziel erreicht, Bad Bunny. Dass Trump aber offenbar lieber die richtige Halftimeshow statt des alternativen Konzerts schaute, das die rechtskonservative Organisation Turning Point USA veranstaltete, kann man als kleinen Erfolg werten. Einen, der Trumps Anhängern zu denken geben sollte.

x