Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Skandal bei Waldhof-Spiel: Mutmaßlicher Böllerwerfer festgenommen

Nach dem Böllerwurf: Schiedsrichter Lennart Kernchen schickt die Mannschaften vorerst in die Kabine.
Nach dem Böllerwurf: Schiedsrichter Lennart Kernchen schickt die Mannschaften vorerst in die Kabine.

Nach der 0:1-Niederlage des SV Waldhof Mannheim bei Rot-Weiss Essen steht nicht der Fußball im Mittelpunkt, sondern ein Chaot aus dem Lager der Gästefans.

Dieser hatte aus dem Waldhof-Block in der 53. Minute einen Böller geworfen, dessen Detonation dazu führte, dass Essens Torhüter Felix Wienand mit dem Verdacht auf ein Knalltrauma ausgewechselt und ins Krankenhaus gebracht werden musste. Die erste Diagnose bestätigte sich laut RWE am Donnerstag.

Schiedsrichter Lennart Kernchen unterbrach die Partie für rund 45 Minuten, ließ dann unter dem Protest der Gastgeber weiterspielen. Der mutmaßliche Täter wurde noch vor Ort von der Polizei identifiziert. Er flüchtete zwar, konnte aber von den Beamten verhaftet werden. Dies bestätigte die Pressestelle der Polizei. Zu allem Überfluss bekam Stürmer Terrence Boyd nach einem hohen Bein, in dessen Folge Jannik Hofmann getroffen wurde, völlig überzogen die Rote Karte (63.) – er ist am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den TSV Havelse gesperrt.

Zuber: Verwunderung über Abläufe

Am Morgen nach dem Spiel war Waldhof-Sportgeschäftsführer Gerhard Zuber noch immer irritiert darüber, dass der Knall des Böllers solche Auswirkungen hatte: „Es ist für mich nicht ganz so verständlich, wie das passieren konnte. Ich habe die Bilder gesehen. Der Böller ist bei uns ganz oben unter dem Dach losgegangen. Da hast Du eine sehr weite Wegstrecke. Die Leute drumherum haben wahrscheinlich keinen Ohrenschutz getragen, und Du hast unsere Spieler und unsere Verantwortlichen dazwischen. Der Tormann war noch einmal 15, 20 Meter weiter weg“, sagt er. Es habe ihn gewundert, wie das sein könne. „Er hat sich natürlich extrem erschreckt. Das unterschreibe ich sofort“, sagte er.

Für Zuber ist der Ablauf der Ereignisse komisch, und er sieht den SV Waldhof wiederholt benachteiligt: „Ich bekomme die Rote Karte, wenn ich zwei Meter neben die Coachingzone gehe. Der gegnerische Trainer darf über das Feld laufen, als wenn er ein Arzt oder Physio wäre. Er hat mit dem Spieler gesprochen, und da stellt sich die Frage, warum er das darf.“

Auch an der Kommunikation von Essener Seite stört er sich: „Es wurde sofort signalisiert, dass es nicht mehr weitergeht und der Spieler mit bleibenden Schäden schwer verletzt sei. Da musste man das Schlimmste befürchten. Das war schon extrem dramatisiert und aus meiner Sicht völlig überzogen. Ich wünsche dem Keeper natürlich eine schnelle Genesung und hoffe, dass es nur der Schreck war.“

„So etwas darf man nicht machen“

Zuber betont, dass eine solche Aktion mit dem Böllerwurf eindeutig zu verurteilen sei: „So etwas darf man nicht machen.“ Dann verweist er darauf, dass im Essener Block etliches mehr gezündet worden sei: „Ich weiß nicht, ob mit zweierlei Maß gemessen wird.“ Der Waldhof verfüge jedenfalls über „tolle Fans“.

Waldhof-Trainer Luc Holtz betonte nach Spielschluss, dass er so etwas sowohl als Trainer als auch als Spieler noch nie erlebt habe: „Es ist ein Einzeltäter. Das hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen.“ Er verstehe die Essener Verantwortlichen, dass sie sich benachteiligt fühlten, weil Wienand verletzt worden war und nicht weiterspielen konnte. „Man kann viele Meinungen dazu haben, ob man weiterspielt oder nicht.“

Am Donnerstagnachmittag äußerte sich auch der SV Waldhof in einer Stellungnahme. „Zunächst einmal ist es uns wichtig, Felix Wienand eine gute und schnelle Genesung zu wünschen. Böller-Detonationen haben im Fußballstadion keinen Platz“, schreiben die Mannheimer. Bei der Aktion rund um die Spielunterbrechung „handelte es sich in der 55. Spielminute um eine einzige Böllerzündung in der letzten Reihe der Gästetribüne. Entgegen mehreren Berichten handelte es sich nicht um einen Böllerwurf auf das Spielfeld. (...) Es sollte das einzige Fehlverhalten aus dem Gastbereich an diesem Mittwochabend sein.“

Unabhängig davon verurteile der Klub „jede Form von unsachgemäßem Umgang mit Pyrotechnik und insbesondere Böllern ausdrücklich. Solche Aktionen gefährden Menschen, schaden dem Fußball und widersprechen den Werten, für die unser Verein steht“.

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