Basketball
Nach DFB-Aus: Werden die Basketballer das neue Zugpferd von Adidas?
Der Werbespot dauert rund 40 Sekunden. Zu sehen sind zunächst Franz und Moritz Wagner, die sich auf einem Basketball-Feld duellieren. Dann erklärt NBA-Legende Detlef Schrempf nicht ganz ernst gemeint eingedeutscht ein paar Basketball-Begriffe. Viel wichtiger als das lustige Video ist aber die Kleidung, die die Protagonisten darin tragen. Denn am oberen Rand der Trikots sind drei Streifen zu sehen – das Logo von Adidas.
Seit 1. Januar ist der deutsche Sportartikel-Hersteller Ausrüster des Deutschen Basketball-Bundes. Die Firma aus Herzogenaurach löst die chinesische Marke Peak ab. In den Jerseys des alten Ausrüsters (2013 bis Ende 2025) waren die Männer des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) 2023 Welt- und 2025 Europameister geworden. Die Damen krönten sich in Paris 2024 zu Olympia-Siegerinnen im 3x3. Und nun, Ende dieser Woche beginnt beim DBB eine neue Ausrüster-Ära. Denn erstmals laufen dann die Männer bei der WM-Qualifikation gegen Kroatien (Freitag, 20 Uhr, Magenta Sport) in den neuen Trikots auf. Wie üblich fehlen bei den Quali-Spielen während der Saison die Stars aus der NBA, also zum Beispiel Franz und Moritz Wagner. Das erste große Turnier im neuen Jersey absolvieren die Frauen bei der WM in diesem Jahr.
DBB verzeichnet Allzeit-Hoch
Durch die Erfolge der jüngeren Vergangenheit erfreut sich Basketball in Deutschland etwas größerer Beliebtheit. Zwischenzeitlich lief nach der WM bei ProSieben Maxx die NBA im frei empfangbaren Fernsehen. Bei der EM 2025 zeigte RTL Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Der DBB verzeichnet in den vergangenen Jahren steigende Mitgliederzahlen. Im neuesten Bestandsbericht aus dem Jahr 2025 ist von einem Allzeithoch von 288.444 Mitgliedern die Rede. Und diese Euphorie möchte Adidas für sich nutzen.
„Adidas-Basketball hat in Deutschland noch viel Potenzial. Wir haben die Vision, dass wir – unter anderem zusammen mit dem DBB – die Zukunft des Basketballs in Deutschland mitgestalten“, sagt Thomas Sailer im Gespräch mit dieser Zeitung. Sailer ist Marketingchef für Zentraleuropa bei Adidas.
Auch Wagner-Brüder und Sabally-Schwestern bei Adidas
Adidas stellt derzeit nicht nur die Ausrüstung der deutschen Basketballer. Zu den prominenteren Kunden hierzulande zählen unter anderem der FC Bayern München – auch die Basketballer –, künftig der 1. FC Köln sowie vor allem der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Doch diese traditionsreiche Partnerschaft hat ein Ablaufdatum. Denn mit dem Kalenderjahr 2026 endet auch der Ausrüstervertrag. Ab 2027 laufen Florian Wirtz und Co. in Nike-Kleidung auf. Das sorgte in der breiten Öffentlichkeit – und in der Politik – für Aufregung. „Ich kann mir das deutsche Trikot ohne die drei Streifen kaum vorstellen. Adidas und Schwarz-Rot-Gold gehörten für mich immer zusammen. Ein Stück deutscher Identität. Da hätte ich mir ein Stück mehr Standortpatriotismus gewünscht“, sagte der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck nach Bekanntwerden des Ausrüsterwechsels beim DFB 2024 zur Deutschen Presse-Agentur.
Als DFB-Nachfolger wird der DBB bei Adidas aber nicht gesehen. Man brauche keinen Nachfolger für den Fußball, sagt Thomas Sailer. Er verweist unter anderem auf die von Adidas ausgerüsteten Fußballklubs. „Wir wären an den Basketball auch herangetreten, wenn der DFB Partner geblieben wäre.“ Denn: „Wir wollen die beste Multi-Sportmarke sein in Deutschland. Das betrifft Mannschafts-, aber auch Einzelsportarten“, sagt Sailer. Die drei Streifen zieren unter anderem die Kleidung von Tennis-Star Alexander Zverev, den deutschen Hockey-Teams und die Ausrüstung des Deutschen Olympischen Sportbunds. Nichtsdestotrotz sagt Sailer über die neue Partnerschaft mit dem DBB: „Es ist ein wichtiger Baustein für unsere Marketingstrategie.“ Gegen Ende 2025 wurde zudem bekannt, dass die Basketball-Weltmeister Moritz und Franz Wagner auch individuell mit den drei Streifen ausgestattet werden. Auch Satou und Nyara Sabally tragen Adidas-Ausrüstung.
Mehr Verkäufe dank Adidas?
Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung verdient der DBB am Adidas-Deal weniger als zuvor mit Peak. Einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ zufolge könnten unter anderem die Trikotverkäufe mit Adidas angekurbelt werden. Bei Peak soll es immer wieder Liefer- und Kapazitätsschwierigkeiten gegeben haben.
Neu ist die Sportart Basketball im Adidas-Portfolio keineswegs. Kein anderer Ausrüster stattet so viele Bundesligisten aus, wie die Firma aus Herzogenaurach (fünf). Bis Mitte der 2010er-Jahre war Adidas zudem offizieller Ausrüster der besten Basketball-Liga der Welt, der NBA. Und nun prangt das Logo auf der Arbeitskleidung des amtierenden Welt- und Europameisters der Männer. Laut „Bild“ soll es Bonuszahlungen geben, wenn die Titel verteidigt werden.