Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Nach dem 6:0: Bei den deutschen Fußballern sprießen Träume

Technisch anspruchsvoll: Leroy Sané trifft zum 4:0. Der Flügelspieler machte ein klasse Spiel.
Technisch anspruchsvoll: Leroy Sané trifft zum 4:0. Der Flügelspieler machte ein klasse Spiel.

Die deutsche Mannschaft freut sich nach dem eindrucksvollen 6:0-Sieg gegen die Slowakei auf die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr. Wie es nun weitergeht.

Es sind aufregende Tage in Leipzig. Am Sonntag wurden zwei bisher unbekannte Orgelwerke des großen Komponisten Johann Sebastian Bach präsentiert, am Montag blies die deutsche Nationalmannschaft der Slowakei den Marsch und qualifizierte sich dann doch ohne Sorgen für die Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Juni und Juli in Nordamerika.

Auch das noch. Am Ende schien da fast schon eine Seifenoper im Leipziger Stadion abzulaufen. Gute Zeiten, schlechte Zeiten, gute Zeiten, und was für ein Finale. In Leipzig schoss der eingewechselte Leipziger Routinier Ridle Baku das 5:0, in Leipzig schoss der eingewechselte Jungspund und Debütant Assan Ouedraogo das 6:0, er stand noch nicht einmal zwei Minuten auf dem Platz.

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Er war überhaupt nur in den Kader gerutscht, weil der Mainzer Nadiem Amiri verletzt passen musste. Seine Mitspieler herzten ihn, ginge es denn romantischer? Nach all den Zweifeln, nach all der Kritik, es war ein Sturm der Liebe. Als sich das Team auf die Ehrenrunde begab, lief „Take Me Home, Country Roads“ des amerikanischen Sängers John Denver aus den Stadionboxen, das passte dann ja auch.

Erleichterte Spieler

Die Spieler strahlten. Die Erleichterung im deutschen Team nach etlichen enttäuschenden Auftritten während der WM-Qualifikation war spürbar. „Wir wussten, wenn wir nah an unser Top-Level kommen, dass wir gewinnen werden. Der Trainer hat uns überragend vorbereitet, top eingestellt und uns richtig gute Worte mitgegeben. Es war ein sehr, sehr starkes Spiel“, sagte Joshua Kimmich. „Jeder wollte heute ein Zeichen setzen, jeder wusste genau, was auf dem Spiel steht.“

Kaum im Spiel und schon erfolgreich: Assan Ouédraogo. Rechts der Frankfurter Nathanile Brown.
Kaum im Spiel und schon erfolgreich: Assan Ouédraogo. Rechts der Frankfurter Nathanile Brown.

Auch der Kapitän hat vor dem Spiel anscheinend die passenden Worte gefunden, wie Nico Schlotterbeck verriet. Kimmich machte seinen Kameraden noch einmal klar, dass er noch nie ein WM-Achtelfinale gespielt hat. 2018 in Russland und 2022 in Katar ereilte die Mannschaft ja schon in der Vorrunde das Aus. „Wir haben das super gelöst, wir haben toll Fußball gespielt. Das hat echt Spaß gemacht das Spiel“, sagte Innenverteidiger Nico Schlotterbeck. „Jetzt sind wir bei der WM. Wir haben den ersten Step gemacht, bei der WM machen wir den nächsten. Ich finde, wir haben eine tolle Mannschaft. Ich sehe uns schon sehr, sehr weit vorne.“

Pavlovic traut sich

Aleksandar Pavlovic ließ tief blicken. „Die Stimmung in der Kabine war top. Wir haben gleich Musik angemacht, gefeiert, der Trainer hat noch ein paar schöne Wort gefunden“, berichtete der Münchner Mittelfeldspieler. Motor Pavlovic: „Ich weiß, was unsere Mannschaft kann, zu was wir fähig sein. Ich freue mich um so mehr, dass wir es heute gezeigt haben.“

Der junge Mann lehnte sich in der kalten Leipziger Nacht weit aus dem Fenster. Der WM-Titel? Möglich? Warum nicht. „Ich würde schon sagen, wir haben immer Chancen zu gewinnen. Wenn wir so spielen wie heute, dann ist es definitiv möglich.“

Wie schnell es gehen kann, darauf ging auch Nick Woltemade ein. Der Stürmer hat ein märchenhaftes Jahr hinter sich, wurde mit dem VfB Stuttgart DFB-Pokalsieger, wechselte für 80 Millionen zu Newcastle United, bewährte sich in der Premier League – und löste mit seinem Kopfballtor am Montag zum 1:0 alle deutschen Fesseln.

Wie im Rausch

Wie im Rausch legten Serge Gnabry und zweimal Leroy Sané nach. „Viel schöner kann es nicht sein. Es war ein sehr emotionales Jahr, viele Momente, sich für die WM zu qualifizieren ist ein Moment, der ganz weit oben steht“, betonte der torgefährliche Mittelstürmer, trotz seiner Größe ein eleganter Kombinationsfußballer. Was für ein Stimmungsumschwung: Als Woltemade, am Freitag in Luxemburg zweimal erfolgreich, beim zähen 3:1 in Köln gegen Nordirland im September ausgewechselt wurde, pfiffen die Zuschauer. Und nun ist er einer der größten Hoffnungsträger für die Spiele in Nordamerika, hat sich vor Tim Kleindienst, Deniz Undav und Niclas Füllkrug positioniert.

Zuweilen gab es da schon eine Runde Tiki-Taka in der Leipziger Arena, die slowakischen Spieler schienen verblüfft. Gegen diesen Gegner startete die deutsche Elf mit einer 0:2-Niederlage in die Qualifikation, deswegen war das Spiel ja so brisant. „Das war ein geiler Auftritt dieser Mannschaft. Wir haben gezeigt, wozu wir in der Lage sind. Wenn wir so spielen wie heute, haben wir Chancen, etwas Großes zu erreichen“, sagte Serge Gnabry ziemlich euphorisch.

Der Fahrplan

Wie geht es nun weiter? Am 5. Dezember ist in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington die Auslosung der WM-Gruppen. Deutschland ist im Lostopf 1. Bis Jahresende könnte feststehen, in welcher Stadt der DFB-Tross sein WM-Quartier bezieht. Am 27. März ist ein Testspiel, der Gegner ist noch offen, am 30. März trifft die deutsche Mannschaft in Stuttgart auf die Elfenbeinküste. Und bis Mitte Mai gibt Julian Nagelsmann seinen vorläufigen WM-Kader bekannt. Die ersten Tickets sind vergeben.

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