Eishockey
Mannheims Adler in großer Form: Wenn im Bösfeld das Ufo abhebt
Nach dem überzeugenden 5:1-Sieg gegen den souveränen DEL-Tabellenführer aus Köln waren sich am Freitag die Beteiligten im Lager der Adler Mannheim bemerkenswert einig. Trainer Dallas Eakins sprach hinterher von einer „Messlatte“, die man gesetzt habe. Stürmer Justin Schutz meinte, „das war unser bestes Saisonspiel“, und auch sein Offensivkollege Kris Bennett sah „ein großartiges Spiel über die vollen 60 Minuten“.
Und so waren auch die Adler-Anhänger unter den 13.600 Zuschauern in der ausverkauften SAP-Arena restlos begeistert. Nur 48 Stunden nachdem es im letzten Drittel gegen die Löwen Frankfurt noch Pfiffe von den Rängen gegeben hatte, wurde das Ufo im Mannheimer Bösfeld zum Tollhaus. Mit Gesängen, die aus Haien wieder Fischkroketten machten oder den Kölner Dom brennen sahen, ließen die Fans bei so manchem älteren Beobachter Erinnerungen an die Duelle im legendären Friedrichspark aufleben.
Kurz vor Beginn der Play-offs zeigten die Mannheimer, zu was sie in der Lage sind, wenn sie ihr Spiel über sechzig Minuten durchziehen. Eakins sah einen Auftritt seiner Mannschaft, „auf den sie stolz sein kann“, legte aber auch den Finger in die Wunde: „Wir hatten nach Olympia immer wieder schlechte Minuten, für die wir teuer bezahlt haben. Dieser Sieg heute war gut für unsere Moral.“
Jemand, der sein Lachen nie verliert
Einer der maßgeblich zu diesem Sieg beigetragen hatte, konnte diese moralische Stärkung gut gebrauchen. Mit seinen zwei Toren gegen seinen Ex-Klub war Schütz ein entscheidender Faktor. Der 25-jährige Nationalspieler hatte die für einen Sportler wohl schlimmste Form der Olympiateilnahme. Zwar wurde er von Bundestrainer Harold Kreis für den Kader nominiert, bekam dann jedoch trotz seiner Torgefahr keine einzige Minute Eiszeit in Mailand. Schütz, über den sein Kapitän Marc Michaelis sagt, er sei „jemand, der nie sein Lachen verliert“, gab beim Gespräch danach einen bemerkenswert offenen Einblick, wie sehr ihm dieses Olympiaerlebnis zu schaffen gemacht hat. „Das war alles andere als einfach. Ich liebe es einfach, Eishockey zu spielen, und das ging mir schon ans Selbstvertrauen.“
Trotz der Umstände wollte er der Mannschaft ein positives Gefühl vermitteln: „Ich habe versucht, trotzdem jeden Tag mit einem Lachen in die Kabine zu kommen.“ Geholfen hätten ihm während der Zeit auch direkte Telefonate mit Eakins: „Er hat mir gesagt, dass diese Entscheidungen nicht in meiner Hand liegen, dass ich mich nur auf das konzentrieren kann, was in meiner Hand liegt. Die Jungs zu pushen, mit für eine gute Stimmung im Team zu sorgen. Am Ende liegt es am Trainer, dich aufzustellen, und wenn er es nicht macht, kannst du es nicht beeinflussen.“ So bleibt das Olympiafazit von Schütz auch zwiespältig: „Vorher hätte ich dieses Dabeisein immer mitgenommen. Aber wenn man da ist, will man als Sportler natürlich auch Einfluss nehmen.“ Sein Blick ging voraus: „Ich hoffe, dass ich in vier Jahren noch dabei bin und dann auch spielen werde.“
Eakins: „Gesehen, wozu wir fähig sind“
Ebenfalls nach vorne ging der Blick bei allen, als das Gespräch auf die bald beginnenden Play-offs kam. Bennett machte klar: „Wenn wir so spielen wie heute Abend, dann kann es für uns weit gehen, aber dazu braucht es diese Leistung über die vollen sechzig Minuten.“ Sein Coach pflichtete ihm bei: „Wir haben gesehen, zu was wir fähig sind, wenn wir uns an unsere Standards halten“, sagte Eakins. Gleichwohl: „Ich garantiere Ihnen, wenn die Play-offs beginnen, erinnert sich niemand mehr an dieses Spiel von heute.“
Eine gute Nachricht für die AdlerFans hatte er auch noch im Gepäck: Es gäbe Hoffnung, dass der am Freitag aushilfsweise hinter der Bande stehende Langzeitverletzte Tom Kühnhackl während der Play-offs in die Mannschaft zurückkehren werde.
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