Fußball
KSC-Trainer Christian Eichner darf weitermachen
Nach der 1:5-Niederlage beim 1. FC Nürnberg verschwand Christian Eichner mit grüblerischer Miene in den Katakomben. Kurz darauf verweigerte Sport-Geschäftsführer Mario Eggimann ein Treuebekenntnis zum Trainer. Am Wochenende erfolgte dann der Sinneswandel.
Seit Samstagvormittag hatten die Gremien getagt, um am Sonntag kurz nach 18 Uhr eine Pressemitteilung zu versenden, in der Eggimann zitiert wurde: „Eine Leistung wie in Nürnberg ist indiskutabel. Ich verstehe die Enttäuschung der Fans und den Wunsch nach Veränderung.“ Es gelte aber „keine emotionalen und gegebenenfalls überstürzten Entscheidungen zu treffen“. Man habe sich mit dem Trainer und der Mannschaft zusammengesetzt und „von der inneren Einstellung bis zum tatsächlichen Einsatz auf dem Platz zahlreiche Punkte besprochen.“ Gegen Holstein Kiel müsse nun eine „deutliche Reaktion erfolgen“.
Ein Endspiel
Das kann man durchaus als Ankündigung eines Endspiels für Eichner interpretieren. In den vergangenen elf Ligaspielen holte der KSC einen einzigen Sieg. Ebenfalls alarmierend ist die Tordifferenz von minus elf, am Freitag hatten den Franken sechs Chancen gereicht, um fünf Tore zu erzielen. Auch offensiv fehlen dem KSC derzeit die Mittel.
Hinter den Kulissen wird die Nibelungentreue, die Eichner Spielern wie Fabian Schleusener oder Dzenis Burnič angedeihen lässt, schon länger kritisch hinterfragt. Zumal sie Einsatzzeiten bekommen, die jungen Spielern wie Leon Opitz oder Shio Fukuda vorenthalten wurden, die sich allerdings bei ihren Kurzeinsätzen auch nicht aufdrängten.
Dennoch überrascht es auf den ersten Blick durchaus, dass Eichner nun zumindest kurzfristig das Vertrauen ausgesprochen wurde. Doch offensichtlich waren weder das Präsidium noch die sportliche Leitung um Eggimann und Timon Pauls davon überzeugt, dass ein anderer Trainer mit diesem Kader wesentlich mehr erreichen würde. Zudem galt es zu bedenken, welche Reaktionen eine Trennung von Eichner im Mannschaftsgefüge ausgelöst hätte. Besonders die älteren Spieler wie Marvin Wanitzek, Schleusener oder Sebastian Jung haben ein enges Vertrauensverhältnis zu Eichner. Schon als Eichner-Intimus Zlatan Bajramovic im Dezember als Co-Trainer entlassen wurde, hatte das Erschütterungen im Mannschaftsgefüge ausgelöst. Das Gros der Spieler war entsetzt und verließ aus Protest die offizielle Weihnachtsfeier vorzeitig. Im Nachgang sickerte allerdings durch, dass viele jüngere Spieler heuer unter dessen Nachfolger Daniel Gordon mit mehr Freude zum Training kommen.
Viele Verletzungen
Nicht unwichtig dürfte auch sein, dass Eichners Vertrag noch bis Sommer 2027 gilt und somit eine hohe Abfindung fällig gewesen wäre – Geld, das der KSC im Falle des Klassenerhalts sinnvoller investieren könnte. Dass die gleiche Mannschaft, der man in den ersten Saisonspielen durchaus einen Platz im oberen Tabellendrittel zugetraut hatte, nun schon seit Monaten derart fehlerhaft spielt, liegt – und darauf wies Eichner auch intern immer wieder hin – zumindest teilweise auch an den langwierigen Verletzungen von Spielern wie Farhat, Franke oder Lilian Egloff.