Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Der Sport und das Virus

Eishockey vor leeren Rängen – in der Schweiz seit dem Wochenende der Normalzustand.
Eishockey vor leeren Rängen – in der Schweiz seit dem Wochenende der Normalzustand.

Wenn Wettkämpfe wegen der Corona-Gefahr abgesagt werden, ist das zunächst mal keine Tragödie. Wer aber auf Olympia „angewiesen“ ist, macht sich zu Recht Sorgen.

Motorrad-WM-Rennen und Shorttrack-WM in Fernost, Badminton in Mülheim an der Ruhr – abgesagt. Biathlon-Weltcup in Tschechien am kommenden Wochenende? Ohne Zuschauer. Formel-1-Premiere in Vietnam? Auf der Kippe. Und sogar Spielabsagen bei uns in der beschaulichen Westpfalz – in Burglichtenberg in der Fußball-A- sowie C-Klasse Kusel-Kaiserslautern, wegen eines Verdachtsfalls. Wohlgemerkt: Das ist alles erst der Anfang. Der neuartige Coronavirus, besser gesagt die Sorge vor seiner weiteren Ausbreitung, hält auch die Sportwelt in Atem. Panik oder vorauseilende Vernunft? Diese Frage ist weiter seriös schwer zu beantworten. Ich persönlich neige zu letzterem – ohne in ersteres zu verfallen.

So oder so: Die fast täglichen Meldungen von abgesagten, verlegten oder fraglichen Sportereignissen mögen noch kleinteilig anmuten, aber sie lenken den Blick zwangsläufig auf das buchstäblich große Ganze in diesem Jahr. Fußball-EM vor allem: Olympia in Tokio.

Der Landessportbund hat’s richtig gemacht

Stichwort Olympia, wenngleich noch auf regionaler Ebene: Dass der Landessportbund Rheinland-Pfalz seine für Freitag geplante traditionelle Meisterehrung in Ingelheim absagte, ist eine kluge Entscheidung. Eine wirklich akute Ansteckungsgefahr bei einer solchen Veranstaltung mit 180 Sportlerinnen und Sportlern sowie über 100 weiteren Gästen scheint dabei zwingend (noch) gar nicht gegeben. Aber der LSB ist dennoch einer ganz anderen Art Fürsorgepflicht für seine Athleten nachgekommen. Sie müssen in ihrem Kopfkino keinen Horrorfilm, was alles sein könnte, laufen lassen. Jedenfalls nicht wegen dieser Veranstaltung. Sie alle haben in diesem Jahr mehr oder weniger große sportliche Projekte. Ein eventueller Gewissenskonflikt – gehe ich dort hin, weil es die Etikette verlangt und riskiere vielleicht dadurch in meiner Vorbereitungszeit Quarantäne oder gar Erkrankung? – ist ihnen genommen. Zur Erinnerung: Einige von ihnen haben in diesem Sommer Olympia als Ziel. Oder eben im Herbst, falls die Spiele tatsächlich zeitlich verlegt werden sollten.

Für Olympioniken kann’s um die Existenz gehen

Grundsätzlich gilt: Wenn Sportveranstaltungen ausfallen oder vielleicht in den nächsten Wochen Eishockey-Play-offs auch in Deutschland ohne Zuschauer stattfinden müssen, ist das sehr schade – aber kein Drama und keine Tragödie. Erstmal nur entfallener Sport oder welcher vor leeren Rängen. Aber für eben jene, die nach Tokio wollen, geht es dann doch vielleicht um die Existenz. Slalomkanuten, Ringer, Vielseitigkeitsreiter, Geher oder erstmals die Sportkletterer bespielen nicht jede Woche die große Bühne wie ein Profifußballer, sondern eben nur alle vier Jahre – und mitunter auch nur ein einziges Mal im Sportlerleben. Von diesem einen medial vielbeachteten Auftritt hängt einiges ab, Stichworte: Fördergelder, Werbeverträge ...

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