Sport Keine Zäsur

Lange enttäuschte Gesichter gab’s bei Fabian Wiede, Patrick Wiencek, Matthias Musche und Hendrik Pekeler (von links) nach der Ni
Lange enttäuschte Gesichter gab’s bei Fabian Wiede, Patrick Wiencek, Matthias Musche und Hendrik Pekeler (von links) nach der Niederlage gegen Frankreich, aber sie werden auch in Zukunft Leistungsträger im deutschen Handball bleiben.

Kader des deutschen Teams wird sich nach WM nicht groß ändern

Die Weltmeisterschaft ist vorbei, der Blick geht nach vorne. Am 9. März trifft die deutsche Nationalmannschaft, der WM-Vierte, in Düsseldorf auf die Schweiz, am 13. April in Halle/Westfalen geht es in der Qualifikation zur EM 2020 gegen Polen. Nur: Welche Spieler aus dem aktuellen Aufgebot sind dann noch dabei? Was für ein enttäuschender Ausklang. Nach 18 Tagen Handball-Euphorie ging die deutsche Mannschaft mit zwei Niederlagen aus der Weltmeisterschaft. Das große Ziel, die Bronze-Medaille, wurde verpasst. Der Frust war groß, die Gefühle waren ambivalent. Die Imagekampagne war erfolgreich, damit tröstete sich Matthias Musche im ersten Moment. „Wir hatten den Auftrag, eine neue Begeisterung zu entfachen. Das haben wir getan“, sagte der Linksaußen, über dessen fatalen Pass zu Hendrik Pekeler auch gestern noch intensiv debattiert wurde. Der Fehlpass ermöglichte das Siegtor von Nikola Karabatic zum 26:25 im Spiel um Platz drei gegen Frankreich. „Ich glaube, wir haben viele Leute vor die Fernseher gekriegt. Darauf können wir schon stolz sein“, meinte Paul Drux. Patrick Groetzkis Erkenntnis des Turnieres lautet, dass das deutsche Team wieder mit den Spitzen-Mannschaften mithalten kann.

Keine Sorgen am Kreis

Teamchef Oliver Roggisch, bei der WM 2007 selbst auf dem Feld, 2016 beim EM-Titelgewinn schon Teammanager, sieht die Sache positiv. „Die Mannschaft hat eine große Zukunft, sie hat viele Spieler, die jedes Jahr noch besser werden. Und sie werden aus der Erfahrung von diesem Turnier lernen“, erklärte Roggisch der RHEINPFALZ. Eine größere Zäsur ist nicht zu erwarten. Wenn der linke Rückraumspieler Julius Kühn von der MT Melsungen seinen Kreuzbandriss auskuriert hat und wieder fit ist, gehört er ganz sicher in die Mannschaft. Die Zukunftshoffnung heißt Sebastian Heymann von Frisch Auf Göppingen. Der 20-Jährige stand bereits im erweiterten WM-Aufgebot, er gilt als eines der größten Talente auf der halblinken Rückraumposition in Europa und fängt gerade an, sich als Bundesligaspieler in Göppingen zu etablieren. Marian Michalczik (GWD Minden) ist ebenfalls ein hoffnungsvoller Mann, viele haben ihn schon diesmal im endgültigen WM-Kader erwartet. Die beiden dürften den Druck auf die etablierten Steffen Fäth und Fabian Böhm hoch halten. Keine Sorgen gibt es am Kreis. Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Jannik Kohlbacher haben eine klasse WM gespielt. Mit Jan Golla (SG Flensburg-Handewitt) ist der nächste vielversprechende Kreisläufer schon auf dem Sprung.

Einheit bleibt das große Plus

Routinier Martin Strobel (32) hat der Mannschaft bei der WM gut getan. Wenn er wegen seines Kreuzbandrisses sechs bis acht Monate ausfällt, muss er sich sputen, bis zur EM 2020 in Norwegen, Österreich und Schweden in Form zu kommen. Alternativen sind Tim Suton und: Simon Ernst (Füchse Berlin), der aber zwei Kreuzbandrisse hintereinander hatte und sich erst einmal wieder einzureihen hat. Der neue Chef auf dem Feld ist der Berliner Fabian Wiede. Patrick Groetzki fiel bei der WM ab, Bundestrainer Christian Prokop wird ihn nicht hängen lassen, er sollte sich aber deutlich steigern. Prokop verdeutlichte noch am Sonntagabend, dass seine Auswahl auch künftig über „die Mannschaft kommen wird“. Heißt: Ein Ausnahmekönner wie Mikkel Hansen oder Sander Sagosen oder wie es früher Nikola Karabatic war, ist nicht in Sicht. Die deutsche Einheit ist und bleibt das große Plus. Und was bringt die WM den Vereinen? „Die WM gibt natürlich einen Schub“, sagte Präsident Andreas Michelmann. „Da haben wir inzwischen die nötigen Formate, die es 2007 noch nicht gab. Es muss schneller möglich sein, aus diesem WM-Effekt der hervorragenden sportlichen Leistung, der großartigen Stimmung in den Hallen und der großen Medienpräsenz Wirkung zu erzielen.“ Oliver Roggisch meint: „Die Mannschaft hat gekämpft bis zum Umfallen. Sie hat attraktiven Handball gespielt. Sie ist ein Vorbild für viele, viele Kinder, gerade mit Blick darauf, wie man mit Niederlagen umgeht.“ Nachhaltigkeit war das Schlüsselwort nach dem Coup von Heiner Brands Schützlingen 2007 – der Effekt verpuffte schnell. Das soll diesmal anders sein.

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