Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Karlsruher SC: Muss Trainer Christian Eichner noch vor Sommer gehen?

Ratlos: KSC-Trainer Christian Eichner.
Ratlos: KSC-Trainer Christian Eichner.

Nach dem 0:1 bei Schalke 04 zeigten sich einige Gelsenkirchener Journalisten verwundert. Hatte da wirklich gerade ein hochrangiger KSC-Offizieller seinen Trainer angezählt?

Sie hatten sich nicht verhört – und die Aussagen vom Direktor Profifußball Timon Pauls waren mit Bedacht gewählt: Am Dienstag leitete Christian Eichner wie gewohnt die Nachmittagseinheit. Fraglich scheint, ob er noch viele weitere Gelegenheiten bekommt, den KSC auf ein Ligaspiel vorzubereiten. Eine Trennung zum Saisonende ist ausgemachte Sache. Dass sich die Wege früher trennen, wahrscheinlich.

Dabei hatte am Ostersonntag Einigkeit darin bestanden, was beim KSC derzeit falsch läuft: das Offensivspiel. In der Vorwärtsbewegung ist der KSC zu sehr auf seine beiden herausragenden Individualisten angewiesen. Kommen Marvin Wanitzek und Louey Ben Farhat – wie auf Schalke – nicht ins Spiel, kommt das gesamte Offensivspiel zum Erliegen.

Qualität im Kader zu gering

Doch genau hier beginnen die Unterschiede in der Analyse, die mittlerweile unüberbrückbar sind. So streute Eichner am Sonntag bei seinem Lob für den Gegner den Hinweis ein, dass der im Winter „richtig Qualität dazubekommen“ habe. Der Blick aufs eigene Team, wo Winter-Zugang Hyeok-Kyu Kwon beinahe zwei Gegentore verschuldet hätte und von den Sommer-Zugängen nur Torwart Hans-Christian Bernat einen Stammplatz hat, stützte so Eichners Sicht der Dinge, die viele Führungsspieler teilen: Die Qualität im Kader gibt nicht mehr her als Zweitliga-Mittelmaß.

Hingegen fragt sich die Vereinsführung seit Monaten, warum das Team so oft Drucksituationen braucht, um gute Leistungen abzurufen, und hat beobachtet, dass das Team immer dann bessere Leistungen zeigt, wenn es aktiver spielt als zuletzt. Generell herrscht auf der Geschäftsstelle der Eindruck vor, dass sich die Mannschaft nicht weiterentwickelt. Das aber wäre nötig, wenn das mittelfristige Ziel erreicht werden soll: die Bundesliga.

Unter der Woche muss man Lösungen erarbeiten

Auch deshalb verneinte Pauls am Sonntag entschieden, dass der KSC in der Offensive zu schwach besetzt sei. Seinen Hinweis, man müsse „versuchen, mit Ball etwas zu kreieren“, konnte man ebenso nur als Kritik am Trainer interpretieren wie den Hinweis, das „Erarbeiten von Lösungen mit Ball“ sei „eine Aufgabe, die es unter der Woche zu lösen gilt.“ Übersetzt heißt das: Der Kader wäre zu mehr imstande, wenn er anders gecoacht würde – eine ziemliche Ohrfeige für Eichner, der seit über sechs Jahren im Wildpark amtiert.

Die Grundsatzfrage – liegt es an der Kaderqualität oder an der von Eichner vorgegebenen Herangehensweise? – spaltet derweil nicht nur den Verein, sondern auch die Fans. Die Atmosphäre zwischen Pauls und Sportgeschäftsführer Mario Eggimann einerseits und Eichner andererseits war zudem selten konfliktfrei, derzeit wirkt sie eisig.

Tobias Strobl ein Nachfolgekandidat

In dieser Gemengelage wäre es ein mittleres Wunder, wenn die Wege sich nicht am Saisonende trennen würden. Dass die Ära Eichner deutlich vorher endet, ist wahrscheinlich. Nach Information dieser Zeitung ist Tobias Strobl vom Drittligisten SC Verl allenfalls ein potenzieller Nachfolge-Kandidat – neben anderen Trainer-Kandidaten, die offenbar intern auch höher gehandelt werden.

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