Pferdesport
Jessica von Bredow-Werndl setzt mit Pfalz-Import Zeichen – auch fürs Tierwohl
Als Applaus und Jubel von 8000 Menschen die Stuttgarter Schleyerhalle erfüllten, winkte die strahlende Jessica von Bredow-Werndl (39) zwar auch ins Publikum, zeigte aber immer wieder auf ihren jungen Sportpartner unter ihr im Sattel. Die aktuelle Doppel-Olympiasiegerin war mächtig stolz auf ihr „Grand-Prix-Küken“, wie sie den erst zehnjährigen Pfalz-Import Diallo nennt, der in ihrem Stall im bayerischen Aubenhausen auch nur „Bubi“ gerufen wird.
„Das war seine erste Kür vor einer solchen Kulisse. Mit welchem Selbstvertrauen er die Aufgabe gemeistert hat, freut mich ungemein“, sagte die mit der vor einem Jahr in den Ruhestand verabschiedeten Stute Dalera jahrelang weltbeste Dressurreiterin, nachdem sie am Samstagabend mit ihrem Newcomer die Weltcup-Kür in Stuttgart gewonnen hatte.
Pfalz-Import startet durch
Seit Februar erst reitet sie Diallo. Der erhielt seine Ausbildung vom hochbegabten Jungpferd bis zur Grand-Prix-Reife in der Pfalz; zunächst unter Roxana Mohr auf dem Fröhnerhof bei Kaiserslautern und dann mit der Zielrichtung großer Sport bei Uta Gräf auf dem Rothenkircherhof bei Kirchheimbolanden. Ihrer Vorreiterin ist Jessica von Bredow-Werndl dankbar für den kollegialen und „menschlich einfach schönen“ Austausch sowie die Tipps, die sie von Uta Gräf nach der Übernahme des Pferdes stets erhielt.
Diallos Mitbesitzerin ist Annette Göbelsmann-Schweitzer aus Kaiserslautern, die nun in Stuttgart beim bisher größten Erfolg des Wallachs mitfieberte. Zur Einordnung: 83 Prozent in der Kür, das kratzt an der erweiterten Weltspitze. Es fehlten diesmal zwar die ganz großen Namen im Stuttgarter Feld, doch da gilt eine alte Regel – für die, die nicht da sind, kann niemand etwas. Zumal dann, wenn es tragische Gründe gibt: Wie bei Stuttgart-Stammgast Isabell Werth, die nach dem Tod ihres Lebensgefährten Wolfgang Urban derzeit keine Turniere bestreitet.
Wie Uta Gräf ist Jessica von Bredow-Werndl bekannt für ihren feinfühligen Umgang mit den Pferden. So setzte sie prompt ein Zeichen in Sachen Tierwohl: Selbst wenn sich Diallo für das Weltcup-Finale 2026 in Texas qualifizieren sollte, erspart sie dem jungen Pferd die Flugreise in die USA. Schon im Sommer in Aachen hatte sie Fingerspitzengefühl bewiesen, als Diallo sich vor der gewaltigen Kulisse sehr beeindruckt zeigte: Kurzerhand beendete sie das Aachen-Abenteuer. Das Küken soll trotz seines Ausnahmetalents alle Zeit zum Flüggewerden bekommen.