Tennis RHEINPFALZ Plus Artikel Jannik Sinner, der König von Turin

Jannik Sinner, umjubelter Sieger der ATP Finals im heimischen Turin.
Jannik Sinner, umjubelter Sieger der ATP Finals im heimischen Turin.

Jannik Sinner krönt sich erneut zum Weltmeister. Im Finale bezwingt er seinen Dauerrivalen Carlos Alcaraz und bleibt. Dahinter steckt auch eine sehr gute Terminplanung.

Am Tag danach blickte er lächelnd von den heimischen Titelseiten herab – der Mann, der auch das letzte starke Wort in dieser Tennissaison gesprochen hatte: „Du bist immer der König“, titelte die „Gazetta dello Sport“ über den alten und neuen WM-Champion Jannik Sinner. „Meister der Meister“, huldigte „Tuttosport“ dem Centre-Court-Liebling und nannte ihn „Nummer eins“. Und der „Corriere dello Sport“ jubelte einfach mit dem Wort „VAMOS“. Nur ganz verschämt blieb auch noch etwas Platz auf der Blatt-Front für Italiens veritable Fußballblamage, das 1:4 gegen Norwegen und die zunächst verpasste WM-Qualifikation.

Sinner, kein Zweifel, hat dem italienischen Tennis-Boom seit seinem Grand-Slam-Debüterfolg im Januar 2024 nun knapp 24 Monate später die Krone aufgesetzt. Mit der Titelverteidigung im heimischen Turin endete vorerst ein märchenhafter Lauf für den Südtiroler Naturburschen, der die Tifosi ins Verzücken geraten lässt, mit vier Grand-Slam-Siegen, zwei WM-Erfolgen und nebenher auch dem zweimaligen Davis-Cup-Coup in den Spielserien 2023 und 2024.

Prägende Figur der italienischen Wunderjahre

„Jannik ist der absolute Nationalheld“, stellte am Sonntagabend, nach Sinners 7:6 (7:4), 7:5-Triumph über Dauerrivale Carlos Alcaraz, der Wahl-Italiener Boris Becker fest. „Italien war schon auf einem wahnsinnig erfolgreichen Weg vor ihm. Aber seine Siege haben das Ganze noch mal auf eine ganz neue Stufe gehoben.“

Italiens Tennis-Wunderjahre haben in Sinner die prägende Figur. Selbst eine dreimonatige Sperre in diesem Frühling wegen einer undurchsichtigen Doping-Affäre bremste den „roten Baron“ nicht aus. Nur zwölf Wettbewerbe bestritt Sinner in 2025, zehn Mal stand er im Finale, sechs Mal hielt er die Gewinner-Trophäe in die Höhe, darunter bei den Australian Open und in Wimbledon. Und zum zweiten Mal hintereinander schaffte er nun das Kunststück, das WM-Finale, den Showdown der acht Saisonbesten, ohne Satzverlust für sich zu entscheiden. „Es ist ein wunderbares Gefühl. Dieser Sieg daheim, in dieser fantastischen Atmosphäre“, sagte Sinner, ein eleganter Techniker mit eiskalter Attitüde in den großen Arenen.

Der Konkurrenz meilenweit enteilt

Sinner und Gegenspieler Alcaraz, die abseits des Courts sogar eine echte Freundschaft verbindet, bewegten sich auch bei dieser WM auf Augenhöhe – nur einige Punkte hier und da entscheiden ihre Duelle, in Turin wie anderswo. Vom Rest der Welt haben sie sich weit entfernt, in der Saisonabschlusstabelle liegen der Spanier (12050) und der Italiener (11500) meilenweit vor Alexander Zverev, der Nummer drei (5160 Punkte).

Ähnlich wie einst Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic stacheln sich die neuen Großen Zwei wechselseitig zu Höchstleistungen an, arbeiten hochkonzentriert an immer neuen Facetten ihres Spiels. „Du kommst nach jeder Niederlage stärker zurück“, klagte lächelnd Alcaraz nach der Niederlage in Turin. Noch bei den US Open hatte er Sinner relativ klar geschlagen. Der antwortete nun mit noch mehr Offensivgeist, größerer Variabilität und guten Netzattacken. „Du darfst niemals ausrechenbar sein“, sagt Sinner.

Das Wichtigste sind die Pausen

Sinner und Alcaraz teilen sich seit Saisonbeginn 2024 alle großen Titel auf, beide gewannen je vier Majors – Sinner noch dazu die beiden WM-Showdowns. Ein Ende dieser Dominanz ist nicht absehbar. Der potenziell stärkste Herausforderer Alexander Zverev kämpft mehr mit sich selbst als mit dem Duo „Sincaraz“. Er muss sogar befürchten, dass ihm andere Kollegen den Rang ablaufen.

Für Sinner ist die Saison mit dem geglückten WM-Kraftakt beendet. Auf eine neuerliche Titelmission im Davis Cup (diese Woche in Bologna) verzichtet er, schon mit Blick auf die Australian Open im Januar. „In seinem Team verstehen einige so einiges von Turniermanagement“, sagte Beobachter Becker dazu. „Das Wichtigste im Tennis sind die ausreichenden Pausen zur richtigen Zeit.“

x