Sport-Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Jürgen Klopp – der bedeutendste Deutsche im englischen Fußball

Liverpools neue Trainerlegende: Jürgen Klopp. Nach dem Champions-League-Pokal gibt’s nun auch die Meisterschaft.
Liverpools neue Trainerlegende: Jürgen Klopp. Nach dem Champions-League-Pokal gibt’s nun auch die Meisterschaft.

Als der FC Liverpool zum 18. Mal englischer Meister wurde, standen damals im Kader: Bruce Grobbelaar, Alan Hansen, Ian Rush oder Peter Beardsley. Trainer war Klublegende Kenny Dalglish – lange, bevor an das kommende Anfield-Vereinsidol Steven Gerrard zu denken war. Man merkt an diesen Namen: Es ist verflucht lange her, es dauerte genau 30 Jahre bis zum 19. Titelgewinn, den nun ein deutscher Trainer möglich machte. Ich behaupte: Jürgen Klopp ist jetzt schon der sportlich bedeutsamste Deutsche im englischen Fußball überhaupt – trotz Bert Trautmann (mit seiner natürlich ganz besonderen Geschichte als ehemaliger Kriegsgefangener), Dietmar Hamann, Jürgen Klinsmann, Michael Ballack, Thomas Hitzlsperger oder Robert Huth.

Wie groß die Sehnsucht der „Reds“-Fans nach genau diesem nationalen Titel war, lässt sich hierzulande kaum vermitteln. Da lechzen die Bayern als Abonnementsmeister Jahr für Jahr in allererster Linie nach der Champions League, die Klopps Team vergangene Saison beinahe im Vorbeigehen gewann. Und schon da war das für einige hartgesottene Fans nur ein Trostpflaster für den auf schier groteske Weise – mit 97 (!) Punkten – entgangenen Meistertitel. Zweite These: Trotz des diesmal frühen Champions-League-Aus trainiert Jürgen Klopp aktuell die beste Vereinsmannschaft der Welt

Die Adler verlieren wieder einen prägenden Talentschmied

Ein perfekter Moment für den Karrieresprung des Mannes, der – da lege ich mich fest – die kommenden Nordamerika-Stars Tim Stützle und Moritz Seider als Ausbilder geformt hat: Frank Fischöder, seit 2013 Cheftrainer der Jungadler Mannheim und mit ihnen deutscher Serienmeister, wagt sich ins Haifischbecken Profi-Eishockey. Der Talentschmied wird Headcoach der Nürnberg Ice Tigers. Ein Standort, an dem ihn die Erwartungen zunächst nicht erdrücken werden. Nach dem Absprung von Hauptsponsor Thomas Sabo ist man an der Noris erstmal froh, dass überhaupt weiter Eishockey gespielt wird. Wenn Eishockey gespielt wird, denn noch ist ja offen, wann die kommende Saison beginnen kann.

So oder so weckt diese Personalie Erinnerungen: Fischöders Vorgänger als Jungadler-Mentor wagte 2004 den großen Schritt – und stolperte dabei. Nicht weil Helmut de Raaf es nicht gekonnt hätte, aber das abgebrühte Profigeschäft war einfach nicht seins. Und: Er übernahm damals ausgerechnet die Adler mit einer nicht ganz leichten Mannschaft. Der fleißige Vollprofi Fischöder (48), ein launiger Westfale mit jovialem Selbstbewusstsein, sollte im Männer-Eishockey besser ankommen als der mitunter introvertierte Helmut de Raaf. Bleibt eine Frage: Ob die Adler zum dritten Mal einen solch prägenden Talentschmied finden?

Reiter sind buchstäblich Vorreiter

Verrückt: Es ist Ende Juni, und am Sonntag erst besuche ich mein erstes Reitturnier der Saison. Normalerweise wäre ich jetzt schon dienstlich in Mannheim, Balve, Aachen und Wiesbaden gewesen: Maimarkt, deutsche Meisterschaften, CHIO, Pfingstturnier. Dazu noch vier- bis fünfmal privat und mit dem eigenen Pferd auf ländlichen Turnieren. Ging alles nicht – Corona. Wie sich das in Zweibrücken am Sonntag wohl anfühlt, ohne Zuschauer, ohne Siegerehrung, ohne Fachsimpelei im Getränkezelt? Die Reiterinnen und Reiter jammern nicht. Sie sind froh, dass es überhaupt Wettbewerbe gibt. Dass der Pferdesport da deutlich weiter ist als einige andere Individualsportarten, hat mit seiner Struktur zu tun. Die Berufsreiter, die auch vom Verkauf leben, brauchten Ergebnisse für ihre Pferde. Die ersten Turniere ausschließlich für sie waren erfolgreiche Testfälle. Und nun sind auch die Amateure Vorreiter – dank ihrer Selbstdisziplin.

Talentschmied der Adler Mannheim: Jungadler-Coach Frank Fischöder. Er wagt nun den Schritt ins Profigeschäft.
Talentschmied der Adler Mannheim: Jungadler-Coach Frank Fischöder. Er wagt nun den Schritt ins Profigeschäft.
Sportkolumnist Olivr Wehner.
Sportkolumnist Olivr Wehner.
x