Fussball
Ist der Deadline Day im Fußball überbewertet?
Einmal im Halbjahr steht die Fußball-Welt Kopf. Immer dann, wenn eine Transferperiode endet, geht es drunter und drüber. Am sogenannten Deadline Day, dem letzten Tag der Transferphase, im Sommer und dann noch einmal am Ende der Winterpause, läuft die Transfermaschinerie bei den Top-Klubs in Europa auf Hochtouren, ehe sie ab der Frist mehr oder weniger für rund ein halbes Jahr stillsteht – zumindest etwas ruhiger, im Hintergrund jedoch weiterläuft.
Am Montag war es wieder einmal so weit. Um 20 Uhr ging vielerorts in Europa das Transferfenster des Sommers zu Ende. Und es war wieder einmal viel los: Erst hieß es, der schon fast sicher geglaubte Wechsel von Nicolas Jackson zum FC Bayern München platzt. Dann schlug der Leihspieler doch an der Säbener Straße auf. Victor Boniface, wenige Tage zuvor bei der AC Mailand noch spektakulär durch den Medizincheck gerasselt, läuft plötzlich für Werder Bremen auf. Und der FC Liverpool brachte den sich so lange hinziehenden Transfer von Stürmer Alexander Isak doch noch über die Bühne.
Deadline Day gehört dazu
Dieser Trubel gehört mittlerweile fest zum Fußball dazu. Nicht wenige Fans kleben den ganzen Deadline Day lang am Bildschirm, verfolgen im Fernsehen, was die Transferjournalisten unter anderem beim Bezahlsender „Sky“ Neues zu berichten haben. Schau einer an, der Wechsel von Hyeon-gyu Oh zum VfB Stuttgart ist doch noch auf den letzten Metern geplatzt. Der Deadline Day ist inzwischen Teil des Unterhaltungsgeschäfts Fußball, die TV-Sender verdienen mit Transfersendungen schließlich Geld. „Der Fussball ist Teil der heutigen Unterhaltungsindustrie geworden, den die Leute über alles lieben. Nicht umsonst gibt es extra Dokumentationen oder Live-Sendungen, die täglich über Transferströme berichten“, sagt Marcel Klos im Gespräch mit dieser Zeitung. Der 36-Jährige ist seit März Sportdirektor beim 1. FC Kaiserslautern. Gerade hat er seine erste Transferperiode in dieser Rolle beendet.
Auch in der Pfalz haben sicherlich einige Zuschauer die Meldungen intensiv verfolgt. Holt der FCK etwa noch einen Stürmer? Doch es blieb ruhig auf dem Betzenberg, zumindest augenscheinlich. „Ist am Betze heute auch Deadline Day?“, fragte ein Nutzer auf der Plattform „Bluesky“, als auch am Mittag noch nichts vom höchsten Fußball-Berg Deutschlands verkündet wurde. Um Punkt 20 Uhr vermeldeten die Roten Teufel dann noch, dass Frank Ronstadt den FCK verlässt und sich auf Leihbasis dem Drittligisten Viktoria Köln anschließt.
Hoffnungen werden auch mal enttäuscht
Fast schon traditionell wachsen die Hoffnungen zahlreicher Fans am Deadline Day noch einmal. Vielleicht ist der Spieler, der kurz vor knapp beim eigenen Lieblingsklub unterschreibt, ja der Heilsbringer, auf den die Anhängerschaft so sehnlich gewartet hat. Nicht selten bricht ein derartiges Kartenhaus nach wenigen Monaten in sich zusammen. An Leonardo Bonuccis Zeit bei Union Berlin werden die wenigsten „Eisernen“ so gerne zurückdenken. Am Deadline Day 2023 unterschrieb die italienische Abwehr-Legende an der Alten Försterei. Im Januar 2024 wurde das Missverständnis schließlich beendet.
Eine Torschlusspanik, also den Drang, ob der näherrückenden Frist schnell einen Transfer tätigen zu wollen, gilt es zu vermeiden. Es müssen zur richtigen Zeit die passenden Akteure verfügbar sein. Und dann müssen die Unterlagen rechtzeitig beim Verband eintrudeln. 2015 platzte aus diesem Grund der Wechsel von David de Gea zu Real Madrid. Der Spanier, vor zehn Jahren in Diensten von Manchester United, war damals einer der besten Keeper der Welt.
Bedeutung überschätzt?
Ist der letzte Tag am Ende einer Transferperiode in seiner Bedeutung nicht überschätzt? Immerhin handelt es sich ja um einen Tag wie jeder andere auch im Laufe einer Wechselperiode. FCK-Sportdirektor Klos kann die Aufregung rund um jenen Termin gut nachvollziehen: „Auch in anderen Branchen außerhalb des Fußballs gibt es Abgabetermine, beispielsweise wenn ein Projekt fertig werden. Zum Beispiel wenn Häuser fertiggestellt werden, das Gebäude muss irgendwann fertig sein. Im Fußball kommen natürlich noch viele Emotionen dazu. Die Fans fragen sich, was noch passieren könnte und fiebern auch irgendwie mit.“
Auch beim FCK ging es kurz vor knapp schon hoch her. Vor einem Jahr, im Sommer 2024, schien es kurze Zeit so, als würde der damalige Torjäger Ragnar Ache unmittelbar vor der Frist zu Union Berlin wechseln. Nun dauert es bis Anfang Februar, bis wieder ein Deadline Day die Welt in Atem hält.
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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.
