Sport Heiß begehrter Ruhepol

03-08-2014-fck-torejon.jpeg

Für Marc Torrejón, den Kapitän des 1. FC Kaiserslautern, stehen wichtige Wochen an. Morgen startet der 28-Jährige mit dem FCK in die Zweitliga-Saison. Nebenbei läuft der Vertragspoker.

KAISERSLAUTERN. Er war in Fußball-Deutschland ein unbeschriebenes Blatt, als er im August 2012 vom damaligen spanischen Erstliga-Absteiger Racing Santander in die Pfalz gewechselt ist. Mit seiner abgeklärten, ruhigen und überlegten Art auf dem Platz und abseits des Rasens hat sich Marc Torrejón in der Szene einen Namen gemacht. Seit knapp einem Jahr ist der mittlerweile 28 Jahre alte Spanier Kapitän des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Trainer Kosta Runjaic hat bei seinem Amtsantritt den Innenverteidiger sogleich zum Spielführer der Roten Teufel gemacht. „Er hilft uns mit seiner Ruhe, seiner Souveränität und seiner Erfahrung“, sagte Runjaic damals. Die Gründe, aus denen der Trainer den ehemaligen spanischen U21-Nationalspieler vor einigen Tagen in seinem Amt bestätigt hat, sind dieselben geblieben. Nun ist Kaiserslautern keine einsame, von der Außenwelt abgeschottete Insel, und nationale wie internationale Klubs haben in den vergangenen Tagen und Wochen immer heftiger angeklopft und ihr Interesse am Lauterer Kapitän bekundet. Der Vertrag Torrejóns beim FCK läuft noch bis 30. Juni 2015, und die Konkurrenz schläft nicht. Die Branche weiß, dass die Lauterer bei einem Weggang Torrejóns nur bis 31. August oder dann eben bis Ende 31. Januar noch Ablöse für ihren Kapitän bekämen. Ein erstes Angebot des FCK zur vorzeitigen Vertragsverlängerung hat Torrejón vor einigen Wochen abgelehnt. Der Vater eines einjährigen Sohnes mit dem schönen Namen Marc ist intelligent. Er denkt an die Zukunft: Viele Verträge wird ein 28-Jähriger in seiner Fußballerkarriere nicht mehr schließen. Da lockt der schnöde Mammon, die Versuchung ist groß, dem Ruf des Geldes nachzugeben. Auch von England ist die Rede. „Es hat zwei konkrete Angebote für mich gegeben“, sagte Torrejón dieser Zeitung, „aber der FCK und Stefan Kuntz haben sie abgelehnt.“ Der Lauterer Vorstandsvorsitzende, der den Spanier damals holte, würde Torrejón als Rückgrat der jungen FCK-Truppe sehr gerne halten. Sportdirektor Markus Schupp bezeichnete den 1,87-Meter-Mann als „wichtigen Eckpfeiler“ des Teams. Der FCK will dem Spanier bald eine neue, verbesserte Offerte vorlegen. „Ich würde gerne beim FCK bleiben, ich fühle mich sehr wohl hier. Aber man weiß auch: Im Fußball ist immer alles möglich“, sagte Torrejón. Es geht auch ums Geld, das ist das Geschäft. Es ist der berühmte Spagat zwischen der momentanen Zufriedenheit einer festen Größe und Führungsfigur beim FCK und der Versuchung, woanders womöglich viel mehr Geld verdienen zu können. Auch zum zumindest materiellen Wohle der kleinen Familie. Der Zeitpunkt der Anfragen und Angebote kurz vor dem ersten Saisonspiel der Lauterer morgen um 20.15 Uhr gegen den TSV 1860 München ist aus Spieler- und Vereinssicht nicht gerade günstig, was den Interessenten freilich egal ist. Aber Schupp und Trainer Runjaic trauen ihrem Musterprofi zu, dass er sich bei seinen Abwehraufgaben auf dem Platz nicht durch Gedanken an seine Zukunft ablenken lässt. „Solche Geschichten sind normal im Profifußball, das läuft parallel zur Arbeit auf dem Platz“, sagte Runjaic. „Wir alle müssen uns hundertprozentig konzentrieren“, meinte Torrejón hinsichtlich einiger böser Patzer von ihm selbst und seinen Defensivkollegen in den Tests gegen Mainz 05 (1:2) und Nancy (2:2). „Wir müssen aufmerksamer sein“, betonte der Spanier mit Blick auf morgen Abend. Und das Geschäft? „Ich warte auf einen Anruf des FCK“, sagte Torrejón. „Ich rufe ihn an“, erwiderte Kuntz auf Nachfrage dieser Zeitung. Zunächst aber soll die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Roten Teufel der Saisonouvertüre gelten. Mehr als 35.000 Zuschauer erwarten die Lauterer. Sie freuen sich auf das Kribbeln.
x