Interview
Handball-WM-Star Katharina Filter: „Wurde sogar auf der Straße angesprochen“
Frau Filter, hat sich Ihr Leben nach der WM-Silbermedaille geändert, gibt es beim Bäcker ein Brötchen mehr, werden Sie öfter angesprochen?
(lacht) Nein. Grundlegend hat sich da nichts verändert. Es ist alles gleich geblieben. Hier in Dänemark bin ich wieder zurück im Handball-Alltag. Aber natürlich, die Erinnerungen bleiben.
Und wenn Sie daheim sind, zurück in Deutschland, wie ist es dann?
Meine Familie und Freunde haben sich sehr für mich gefreut. Darüber hinaus habe ich zum Beispiel auf Instagram viele Nachrichten nach dem Turnier bekommen, wo viel Lob dabei war. In Hamburg wurde ich sogar auf der Straße erkannt, das ist mir noch nie passiert.
Was haben die Leute zu ihnen gesagt?
Einfach Glückwunsch. Und: Können wir ein Foto machen?
Gab es mehr Interviewanfragen?
Ja. Die mediale Aufmerksamkeit nach unserem Turnier ist größer und auch nachhaltiger als sonst. Ich war im ZDF-Sportstudio, bei der Sportler-Gala und durfte bei der Männer-EM in Dänemark auch ins Studio der ARD und des ZDF. Das war auf jeden Fall neu für mich.
Eine Einladung für den Samstagabend ins Sportstudio, das ist immer noch ein Ritterschlag, oder?
Ja, das ist etwas Großes. Das ist nicht etwas, wo man einfach so eingeladen wird. Auf jeden Fall war es eine Ehre, dort zu sein.
Wie haben Sie die Handball-EM der Männer empfunden?
Es war ein super Turnier. Ich war tatsächlich häufiger als gedacht vor Ort. Die Männer haben ein super Turnier gespielt. Aber auch unser Erfolg der Heim-WM war noch nicht ganz aus den Köpfen. Wir konnten die Begeisterung mit schüren von unserer WM zu der EM der Männer.
Sie sind nun schon zum dritten Mal in ihrer Laufbahn nach Dänemark gezogen. Ganz früh, dann nach Kopenhagen, zuletzt nach Esbjerg. Was zieht Sie an dem Land so an?
Mir gefällt das Handballspielen in Dänemark, mir gefällt das Niveau hier. Als ich zum ersten Mal hier war, habe ich gleich die Sprache gelernt, was auch ein großer Pluspunkt ist. Wir haben früher als Familie viele Urlaube in Dänemark gemacht. Es ist ein Land, mit dem ich schon sehr früh viel zu tun hatte.
Die Januar-Tage in Dänemark sind nicht so ohne. Es regnet, es ist ganz früh dunkel. Wie kommen Sie damit klar?
Das ist kein krasser Unterschied zu Hamburg (Anm.: Filters Geburtsstadt). (lacht) In Hamburg haben wir auch viele Regentage. Wir haben im Januar und Februar so viele Spiele , das lenkt ab. Aber klar, ich merke, dass es früher dunkel ist. Dann bin ich im Modus, sich eigentlich bettfertig zu machen. Aber das passt schon. Ich finde einen guten Rhythmus.
Wie schwer war es, ganz schnell wieder in den Punktspiel-Rhythmus zu wechseln?
Es war nicht ganz so einfach, weil wir in Dänemark gleich mit dem Final Four gestartet sind, wo es um einen Titel ging. Andererseits: Es war nicht irgendein Ligaspiel gegen zum Beispiel den Vorletzten. Da wäre der Schritt noch krasser gewesen, wenn man eine Woche vorher noch das WM-Finale gespielt hat. Man gewöhnt sich daran, dass es gleich weitergeht. Ich hatte zum Glück ein paar Tage frei.
Wie war das Turnier?
Nicht so erfolgreich, wie wir uns das vorgenommen hatten. Wir sind ins Finale gekommen, sind aber dann Zweiter geworden. Das war ärgerlich.
Sind Ihnen Ihre Teamkameradinnen bei Esbjerg anders begegnet?
Sie haben unsere Leistung bei der WM anerkannt. Sie wussten, dass die Silbermedaille für Deutschland eine riesengroße Bedeutung hat. Sie haben mich beglückwünscht, auch zu meiner persönlichen Leistung. Aber ich kam in einen Verein zurück mit einigen Weltmeisterinnen, so gesehen hat sich das wieder ein bisschen relativiert.
Sie spielten ja auch in Frankreich, bei Brest in der Bretagne. Wie war das?
Brest war zum Zeitpunkt des Angebots eine sehr gute Option und ich bin froh und dankbar für meine Zeit in Brest, wo ich auch viel gelernt habe. Bei der Wahl Esbjerg habe ich mich von Beginn an sehr wohl gefühlt. Ich kenne die Sprache, die Mentalität passt gut zu mir, ich denke, dass ich gut nach Dänemark passe. Ich fühle mich wohl.
Wie weit weg ist der traumhafte Dezember schon?
Schwer zu sagen. Das Turnier ist schon immer noch präsent im Kopf. Mit der Zeit schaut man aber dann wieder nach vorne, der nächste Lehrgang steht im März wieder an. Es gibt nun wieder andere Ziele, auf die man sich fokussieren kann.
Was hat ihrer Mannschaft noch gefehlt im Finale, um die Partie erfolgreich zu Ende zu bringen, um den großen Coup zu landen?
Norwegen hatte mit Katrine Lunde eine herausragende Torhüterin, sie hat uns die größten Schwierigkeiten bereitet. Dazu kam, dass Norwegen einfach auf jeder Position doppelt gut besetzt ist. Das Team hat super viel Erfahrung. Man darf nicht vergessen, dass es für uns alle das erste Finale war. Norwegen hat das nahezu jedes Jahr. Das sind alles Fakten, die in das Ergebnis mit hineinspielen.
Von der Altersstruktur kann das deutsche Team noch eine Zeit lang zusammenspielen.
Auf jeden Fall. Wir sind noch eine jüngere Mannschaft, auch wenn wir ein paar erfahrene Spielerinnen dabei haben. Wir können noch einige Zeit zusammenspielen, wenn es so weiterläuft. Klar wird es aber auch immer wieder Wechsel geben, so ist der Leistungssport. Wir haben eine gute Basis.
Und jetzt freuen Sie sich auf den nächsten Lehrgang und die EM-Qualifikation?
Ich freue mich, die Mädels wiederzusehen, ist dann ja ein bisschen Zeit dazwischen gewesen.
Was können die Zuschauer erwarten?
Das sind gegen Slowenien zwei wichtige Qualifikationsspiele, das Team darf man nicht unterschätzen. Wir wissen, dass wir als Favoriten reingehen. Ich freue mich besonders auf das Spiel in Deutschland vor heimischer Kulisse.
Haben Sie schon etwas mitbekommen? Wollen jetzt viele Mädchen beim Handball ins Tor und wie Katharina Filter sein?
Ich habe viele Nachrichten bekommen, dass viele kleine Mädels sehr ehrgeizig sind. Sie wollen so gut werden wie ich oder noch besser. Das freut mich natürlich.
Wo können Sie sich persönlich noch verbessern?
Es gibt nicht einen Bereich, in dem ich mich perfekt fühle. Dazu bin ich auch zu ehrgeizig, um mich zufriedenzugeben. Das Zusammenspiel zwischen Torhüterin und Abwehr können wir immer verbessern.
Karten zur gewinnen
Für die deutschen Handballerinnen mit Torhüterin Katharina Filter geht es in der EM-Qualifikation weiter. Das erste Duell steigt am 4. März (18 Uhr) in Celje, am 8. März (15.30 Uhr) kommt es im SNP Dome Heidelberg zum Rückspiel. Zusammen mit dem Deutschen Handballbund verlosen wir 3x2 Karten für die Partie in Heidelberg. Sie haben Interesse? Dann schicken Sie uns bis Montag, 12 Uhr, eine Email mit dem Stichwort „Handball“ an sport-gewinnspiel@rheinpfalz.de – bitte mit Ihrer Adresse und ihrer Telefonnummer. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden von uns per Email benachrichtigt.