Eishockey
Gleich mal eine Überstunde für die Adler Mannheim
Die Adler Mannheim fahren mit einer 1:0-Führung in der Play-off-Serie zum ersten Auswärtsspiel des Halbfinales (Freitag, 19 Uhr) bei Red Bull München. Der 3:2-Auftaktsieg in der Verlängerung fiel in die Kategorie „Glücklich“.
Auf dem Papier war Adler-Kapitän Marc Michaelis der Siegtorschütze. Er hatte mit seinem Schläger der Hereingabe von Anthony Greco die entscheidende Richtungsänderung mit auf den Weg gegeben. Die Fans hatten aber ein gutes Gespür, wem sie den Erfolg tatsächlich zu verdanken hatten, feierten Torhüter Maximilian Franzreb auf der Ehrenrunde mit Sprechchören.
Am spektakulärsten war der 29-Jährige in der Verlängerung gegen Patrick Hager zur Stelle (67.). Bei zwei Pfostentreffern und einem Schuss an die Latte hatte der Adler-Schlussmann allerdings auch Glück des Tüchtigen. Stürmer Justin Schütz bekannte: „München hatte genügend Chancen. Da haben wir Franzi gebraucht, da war er auch für uns da.“
Die Kritik des Trainers
„Letztlich haben wir glücklich gewonnen“, bilanzierte Trainer Dallas Eakins nach den nervenaufreibenden und vor allem körperlich intensiven 73 Minuten in Spiel eins. Insgesamt habe ihm die Leistung seiner Mannschaft nicht ausgereicht. „Das Fünf-gegen-fünf war nicht unser bestes Spiel. Da waren wir nur gut.“ In den Play-offs erwarte er jedoch mehr. In nahezu allen wichtigen Statistiken lagen schließlich die Gäste vorne, gewannen mehr Zweikämpfe, gaben mehr Schüsse auf das gegnerische Tor ab, erarbeiteten sich mehr Strafzeiten – kurz: Die Münchner waren insgesamt präsenter.
„Irgendwie haben wir überlebt“, befand Eakins und meinte damit nicht allein die rund zweieinhalbminütige Druckphase der Münchner während der Verlängerung. Insgesamt sah er lediglich zwei positive Ansätze: „Unser Unterzahlspiel und Maxi Franzreb waren heute sehr gut.“
John Gilmour hatte die Adler in der ausverkauften SAP-Arena in Führung gebracht. In der Folge hatten aber die roten Bullen aus Bayern das spürbare Übergewicht und machten eine Schwäche deutlich, die den Adlern schon in der Viertelfinalserie oft das Leben schwer machte: „Wir haben schon wieder zwei Tore kurz vor dem Drittelende geschluckt“, kommentierte Routinier Tom Kühnhackl verärgert. Ganze siebeneinhalb Sekunden waren beim 1:1-Ausgleich im ersten Abschnitt noch auf der Uhr, immerhin 63 Sekunden waren es beim 1:2 im zweiten Durchgang. Konzentrationsmängel in einer ansonsten aufopferungsvoll arbeitenden Defensive, die ihrem Torhüter mit vielen Blocks das Leben immerhin ein kleines bisschen erleichterte.
Es gab aber auch andere positive Signale auf Mannheimer Seite – nicht nur den Siegtreffer, den Michaelis „als dreckiges Play-off-Tor“ bezeichnete. Da waren vor allem der Kampfgeist und das gute Gefühl, das die Adler mit in den Freitag nehmen. Und da war vor allem Anthony Greco, der im gesamten Viertelfinale noch verletzt ausgesetzt hatte und mit zwei Vorlagen maßgeblich am wichtigen Auftaktsieg beteiligt war. „Der Pass war super“, lobte Michaelis gerade die Vorlage zum 3:2.
Dann ging sein Blick aber direkt wieder nach vorne. Das unterstrich auch Justin Schütz: „Wir nehmen das positive Gefühl jetzt mit nach München. Das wird mit Sicherheit wieder eine Schlacht werden.“ Trainer Eakins rechnet sogar mit weiteren Verlängerungen. Das nächste Heimspiel seines Teams ist am Sonntag ab 16.30 Uhr.