Pferdesport RHEINPFALZ Plus Artikel Gequälte Ponys, traumatisierte Kinder: Wie sich die Pfalz davor wappnet

Der Schweif eines Pferdes – hier fachgerecht gepflegt – dient auch der Kommunikation. Ihn abzuschneiden ist Tierquälerei.
Der Schweif eines Pferdes – hier fachgerecht gepflegt – dient auch der Kommunikation. Ihn abzuschneiden ist Tierquälerei.

Nach dem Abbruch eines Reitturniers in München wegen Fällen von Tierquälerei durch Unbekannte wird geschockten Kindern psychologische Betreuung angeboten.

Die verstörenden Vorkommnisse im fernen München wurden natürlich auch in der Pfalz registriert und diskutiert – Grund zur Panik besteht aber nicht. „Das machen wir schon, seit ich Turniere veranstalte, seit 25 Jahren“, sagte Eva Schick, die erfahrene Turnierchefin in Zeiskam, wo in diesem Jahr eine Großveranstaltung stattfinden wird. Sie meint damit: einen professionellen Sicherheitsdienst für die Stallzelte, denn „die Pferde müssen immer geschützt sein“.

Was war passiert? In der Nacht von Samstag auf Sonntag vor einer Woche war es auf der Olympia-Reitanlage München-Riem zu „dramatischen Vorfällen“ gekommen, wie der Bayerische Reit- und Fahrverband (BRFV) zunächst mitteilte – ohne Details zu nennen. Diese brachte der ehemalige BRFV-Geschäftsführer Wilfried Herkommer ans Licht.

Er hatte dem Fachportal „equi pages“ gesagt: „In der Nacht gab es im Stall ein Vorkommnis, bei dem sechs Ponys Mähnen, Schweife und zum Teil auch Schöpfe abgeschnitten wurden.“ Bei mehreren Pferden „waren die Zungen mit Gummibändern straff umwickelt“. Herkommer berichtete: „Die Kinder waren zutiefst verstört. Keiner wollte unter diesen Umständen mehr reiten. Jeder wollte nur noch nach Hause.“ Die Betreuung der Kinder geschehe parallel zur tierärztlichen Betreuung der betroffenen Ponys, teilte der BRFV Ende der Woche mit.

Alles andere als harmlos

Abgeschnittene Mähnen und Schweife, das mag für Laien harmlos klingen. Dazu muss man aber wissen, dass es sich dabei nicht nur um einen erheblichen Eingriff in die Körperlichkeit eines Pferdes, sondern auch in die Psyche handelt. Der Schweif dient als Kommunikationswerkzeug mit Artgenossen und auch Menschen, Gemütszustände und auch eventuelles Unwohlsein des Tieres lassen sich an seinem Zustand und seinen Bewegungen ablesen. Zudem sind Schweif, Mähne und Schopf auch Werkzeuge des Pferdes zur Abwehr von Insekten. Ihr Nachwachsen dauert sehr lange.

Herkommer unterstrich: „Es wird davon ausgegangen, dass es jemand war, der sich mit Pferden auskennt, denn ein Nicht-Pferdemensch greift einem Pferd oder Pony eigentlich nicht einfach ins Maul. Das war aber nötig, um die Gummibänder um die Zungen wickeln zu können. Möglicherweise waren es auch mehrere Täter, damit einer festhalten konnte. Die Kinder und Eltern haben ja zum Teil in den Lkw übernachtet, aber niemand hat etwas mitbekommen.“

Tierarzt äußert sich

Betroffen war der Stallbereich, in dem die Ponys für die Sichtung zum „Preis der Besten“, einem bedeutenden deutschen Nachwuchsturnier, untergebracht waren. Die Sichtung galt nur für Bayern, Reiterinnen und Reiter aus Rheinland-Pfalz waren folglich nicht am Start. Der zuständige Tierarzt vor Ort bewertete den Allgemeinzustand der betroffenen Ponys insgesamt als gut. Derzeit sei nicht mit Folgeschäden zu rechnen. Die Polizei ermittelt. „Wir sind tief erschüttert über die Vorfälle in München-Riem“, sagte Dennis Peiler, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Bayerns Verband verschärft nun die Sicherheitsmaßnahmen in München-Riem. „Damit sich die Teilnehmer während unserer Veranstaltungen sicher fühlen können, haben wir sofort reagiert und haben einen bei Pferdeveranstaltungen erfahrenen Sicherheitsdienst beauftragt und die Installation von Videoüberwachungssystemen umgesetzt“, sagte Geschäftsführer Thomas Schreder.

„Mit Hund und Waffe“

Eine Maßnahme die Brigitte Seidler, die Vorsitzende des Pferdesportverbandes Pfalz, so oder so empfiehlt. „Das hatte ich vor 20 Jahren schon gemacht, als ich noch Turniere organisierte habe“, berichtet die Kaiserslautererin: „Da hatte ich schon Security im Stall – mit Hund und Waffe.“ Natürlich sei auch schon eine grundlegende Vorsorge des das Turnier veranstaltenden Vereins sinnvoll, also zum Beispiel mehre Mitglieder, die in der Nacht abwechselnd Wache im Stall oder im eigens aufgebauten Stallzelt schieben, wo die Gastpferde während eines Turniers untergebracht sind. Vor allem auch, wie Seidler anmerkt, rund um die beliebten abendlichen Reiterpartys, die oftmals im Rahmenprogramm eines Turniers zu finden sind: „Da hat man keine Kontrolle mehr, wer hinkommt und ein und aus geht, möglicherweise auch noch unter Alkoholeinfluss. Über Tag, bei Licht, da kennt man seine Reiterinnen und Reiter.“ Dass es in der Vergangenheit in Pfalz zu ähnlich gearteten Vorfällen wie in München gekommen sei, ist Brigitte Seidler nicht bekannt.

Großveranstaltung in Zeiskam

Eva Schick berichtet, einmal sei auf der weitläufigen Anlage des RFV Zeiskam bei einem Turnier eine Pferdebox mutwillig geöffnet worden. „Danach haben wir die Security richtig scharf gemacht, denn für mich sind die Pferde das wichtigste“, sagte die Turnierchefin, die in diesem Jahr vom 10. bis 13. September einmal mehr die deutschen Jugend-Meisterschaften in Dressur und Springen mitorganisiert – für den RFV und die Pfalz eine Großveranstaltung mit sehr vielen Pferden, die untergebracht werden müssen. Ein weiteres Mal habe ein Pferd allein auf dem Turniergelände gestanden – wie sich herausstellte, hatte das Pferd in der Nachbarbox die Verriegelung geöffnet. Ansonsten aber habe gerade nachts niemand Unbefugtes etwas in den Ställen oder Stallzelten zu suchen. Wert legt Eva Schick deshalb auch auf ausreichende Beleuchtung der Eingänge zu dem Pferdeunterkünften.

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