Glosse RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball-WM 2042 in Deutschland? Die CDU Rhein-Erft packt’s an

Ein deutsches Fahnenmeer bei der WM 2042 im eigenen Land: genial-visionär oder zur falschen Zeit die falsche Idee?
Ein deutsches Fahnenmeer bei der WM 2042 im eigenen Land: genial-visionär oder zur falschen Zeit die falsche Idee?

Eine dritte Fußball-WM in Deutschland: Ein Antrag für den CDU-Parteitag liegt vor. Warum die Idee zum schlechtesten Zeitpunkt kommt und sie dazu verquer begründet ist.

Spielen wir die Sache aber erstmal durch. Juli 2042: Als Lennart Karl in dieser heißen Nacht – es hat immer noch 38 Grad in der größten Hitzewelle über Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – um drei Uhr morgens den berauschten Teamkollegen der deutschen Nationalmannschaft verkündet, dass er den WM-Pokal für zwei Stündchen mit ins Bett nehmen möchte, ist ihm niemand gram.

Der bis dato Unvollendete hat endlich seinen großen Titel – mit nun 33 Jahren, es war wohl seine letzte Chance. Selbst nach seinem Wechsel vom FC Bayern zu Real Madrid mit 26 Jahren und der späten Rückkehr nach München mit 30 ging der Traum vom Champions-League-Sieg für den einstmals Hochbegabten nicht in Erfüllung, vom WM-Titel mal ganz zu schweigen. Doch mit seinem Siegtor zum 1:0 im Finale gegen das neugegründete skandinavische Team (samt Grönland) in der Münchner WM-Arena hat Karl das zweite Sommermärchen zum filmreifen Ende geführt. In den deutschen Großstädten ebben gerade erst die Autokorsos ab.

Am 20./21. Februar entscheidet sich’s - oder?

Zurück in die nüchterne Gegenwart. Natürlich wäre in 17 Jahren immer noch ein wenig Fußball zu spielen, aber letztlich liegt alles in der Hand der aktuell stärksten Regierungspartei, am 20./21. Februar bei ihrem Parteitag in Stuttgart die Weichen für dieses traumhafte Szenario zu stellen.

Soll sich Deutschland nach 1974 und 2006 wieder als Gastgeber für eine WM bewerben? Einen entsprechenden Antrag hat der Kreisverband Rhein-Erft unter der Überschrift „Die Welt zu Gast bei Freunden 2.0“ gestellt – in Anlehnung ans WM-Motto von 2006.

Bei Gastgeber USA alle Augen zugedrückt

Demnach soll die Bundesregierung aufgefordert werden, ein Konzept zu erarbeiten und eine Bewerbung des DFB „positiv anzuregen und zu unterstützen“. In der Begründung des Antrags wird darauf verwiesen, dass zuletzt autoritäre Staaten wie Katar für 2022 und Saudi-Arabien für 2034 den Zuschlag erhalten haben. Die Debatte um die aktuellen Zustände im Trump-regierten Gastgeberland 2026, die angekündigte Ablehnung von Visaanträgen für Menschen aus WM-Teilnehmerländern, die Todesopfer der Einwanderungsbehörde (-horde würde es eher treffen) ICE – da drückt hat der rührige Kreisverband aus der Nähe von Köln galant alle Augen zu.

Unabhängig davon, dass die Fußballfans besagten Kreisverbandes die Pläne für eine deutsche Olympia-Bewerbung so Pi mal Daumen rund um das avisierte Datum herum offenbar vergessen haben oder nicht so ernstnehmen: DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat sich jüngst bezüglich einer weiteren WM-Bewerbung irgendwann einmal maximal unverbindlich geäußert. Man könne sich grundsätzlich vorstellen, „dass wir uns perspektivisch mit dieser Frage auseinandersetzen und schauen, unter welchen Rahmenbedingungen eine solche Bewerbung überhaupt denkbar ist“.

Momentan offenkundig nicht allzu scharf auf eine WM-Bewerbung: DFB-Präsident Bernd Neuendorf.
Momentan offenkundig nicht allzu scharf auf eine WM-Bewerbung: DFB-Präsident Bernd Neuendorf.

Auch ohne echten Konjunktiv: Mehr Konjunktiv geht gar nicht. Was er eigentlich sagen wollte: Das Thema ist ganz, ganz weit weg. Und er möchte wohl in dieser Phase der in der Bevölkerung umstrittenen Debatte – braucht’s ein solches Sportevent angesichts aller Probleme, die wir heute schon haben? – den Olympia-Visionären nicht reingrätschen. Klugerweise. Aber Neuendorf steht ja der SPD nah. Also kann er sich zurücklehnen und alles Rhein-Erft überlassen.

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