Meinung
Formel 1 im Wandel: Warum eine Reizfigur Recht hat
Drei Rennen, zwei Sieger – keiner von ihnen heißt Max Verstappen, der Superstar, oder Lando Norris, der amtierende Weltmeister. Stattdessen ist da in Kimi Antonelli, der auch am Sonntag in Suzuka gewann, ein blutjunger Himmelsstürmer. Die Regelrevolution hat die Formel 1 tüchtig durcheinander gewirbelt. Was die Spannung angeht keine üble Sache. Vor allem aber: Auch wenn die Meinungen über Nutzen und Ehrlichkeit der Motorenreform – Stichwort Greenwashing – unter Fachleuten auseinander gehen, hat die Motorsport-Königsklasse sich einem Vorwurf ganz gewiss nicht ausgesetzt: dass sie gerade jetzt, da im Alltag angesichts der Preise an den Zapfsäulen viele ob der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und ihrer Herkunftsländer ins Grübeln kommen, das falsche Signal sendet.
Sebastian Vettel ist zwar mittlerweile für viele traditionalistische Motorsport-Fans mit seiner Klimabeseeltheit so etwas wie ein grünes, pardon rotes Tuch. Aber a) ist der viermalige Weltmeister dafür zu loben, nach der Karriere über den Tellerrand zu schauen, und b) dürfte seine Expertise in ihrer Kompetenz nicht zu bezweifeln sein.
Die neuartige Energierückgewinnung der Formel-1-Renner ist für ihn noch eher eine halbe Sache; zu begrüßen, ja, aber noch nicht der ganz große Wurf, da die Autos zu schwer seien. Immerhin: Die neuen Motoren beziehen zu etwas über 50 Prozent Leistung vom Verbrenner mit synthetischem Kraftstoff und zu fast 50 Prozent aus der Batterie, die immer wieder geladen werden muss.
Dass sich der frustrierte Max Verstappen nun eher als Energiemanager denn als Vollgasritter fühlt – sagen wir mal so: Da muss er durch. Die Reizfigur Vettel hat Recht: Ohne proaktiven Wandel und Technologieoffenheit ist dieser Sport dem normalen Menschen auf Sicht kaum mehr vermittelbar.