Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Fink rettet dem KSC den Teilerfolg

Schiedsrichter Nicolas Winter aus Hagenbach zeigt Lukas Fröde Gelb-Rot. Links Gordon.
Schiedsrichter Nicolas Winter aus Hagenbach zeigt Lukas Fröde Gelb-Rot. Links Gordon. Foto: dpa

Der beste Torjäger aller bisherigen Drittliga-Zeiten sticht als Joker und rettet dem Zweitligisten Karlsruher SC ein 3:3-Remis im Auswärtsspiel beim VfL Bochum. Die Badener hadern mit Schiedsrichter Winter.

Die reguläre Spielzeit im Bochumer Ruhrstadion war schon fast abgelaufen. Der gastgebende VfL führte vor knapp 15.000 Zuschauern 3:2 gegen den Karlsruher SC und hatte seinen ersten Heimsieg dicht vor Augen. Da zog Gästecoach Alois Schwartz, dessen Mannschaft seit der 17. Minute nach der Gelb-Roten Karte für Lukas Fröde einen Mann weniger auf dem Feld hatte, seinen letzten Joker: Anton Fink! Und der beste Torjäger aller bisherigen Drittliga-Zeiten stellte unter Beweis, dass er auch eine Klasse höher noch treffen kann. Die Nachspielzeit war gerade angebrochen, da sicherte „Toni“ mit dem 3:3 den Badenern einen „hochverdienten Punkt“, wie das Karlsruher Lager nach dem Abpfiff unisono meinte.

Damian Roßbach, der nach einer wochenlangen Verletzungspause „tief im Westen“ sein Comeback gegeben hatte, war sich sogar sicher: „Eigentlich hätten wir hier gewinnen müssen.“ Dazu aber fehlte dem KSC einerseits das Matchglück, andererseits – und das in großem Maße – auch das nötige Schiedsrichterglück. Alois Schwartz jedenfalls ging nach dem Spiel mit den Unparteiischen hart ins Gericht: „Da wurde zweimal so zu unseren Ungunsten eingegriffen, wir wurden so benachteiligt – da ist man draußen machtlos.“ Aber der Reihe nach.

Turbulente Ereignisse

Fünf Tore, eines davon durch einen Foulelfmeter nach Videobeweis, und eine sehr umstrittene Gelb-Rote Karte: Die erste Halbzeit im Ruhrstadion hatte aus sportlicher und emotionaler Sicht sehr viel zu bieten. Davon nicht begeistert war der KSC. Denn die Gäste durften sich als Leidtragende der turbulenten Ereignisse im ersten Spielabschnitt fühlen. Schon bis zur 16. Minute verlief die eigentlich sehr faire Partie abwechslungsreich. Die Badener gingen nach einer Ecke von Marc Lorenz durch das siebte Saisontor – wieder einmal per Kopf – von Philipp Hofmann zwar in Führung (8.), kassierten aber praktisch im Gegenzug, ebenfalls per Kopf nach einem Eckball, durch Saulo Decarli den Ausgleich (9.). Kurz darauf scheiterte Hofmann mit einem Kopfball am Bochumer Außenpfosten (11.). Und in der 16. Minute neigte sich der Fußballgott in Person von Schiedsrichter Nicolas Winter dann noch weiter auf die Seite der Gastgeber.

Nach einem Foul von Lukas Fröde an Simon Zoller verwarnte der Unparteiische den Karlsruher Mittelfeldspieler, der daraufhin flehend, wie zum Gebet, seine Handflächen aneinander klappte und andeuten wollte: „Das war Fuß auf Fuß.“ Das interpretierte das Schiedsrichtergespann offensichtlich als abfälligen Beifall und Winter zeigte Fröde die Ampelkarte (17.). „Wenn jemand so Beifall klatscht“, meinte Schwartz ironisch, „dann hat er ein Problem mit der Koordination“.

Unerkanntes Abseits

Trotzdem ging der KSC in der 21. Minute ein zweites Mal in Führung. Nach toller Vorarbeit von Damian Roßbach über links musste Kyoung-Rok Choi dessen Hereingabe nur noch einschieben. Kurz darauf, das Spiel lief schon im Mittelfeld weiter, schaltete sich nach einer Szene im Karlsruher Strafraum der Videoschiedsrichter ein. Und nach Betrachten der beanstandeten Situation entschied Referee Winter wegen eines Fouls von Daniel Gordon an Vitaliy Janelt auf Strafstoß für den VfL. „Niemand hat protestiert“, stellte Schwartz fest, „und wenn der Videoassistent das Foul sieht, dann muss er vorher die klare Abseitsstellung der Bochumer auch sehen.“ Danny Blum war’s egal, der neben Zoller zweite Ex-KSCler in der Bochumer Startelf stellte den 2:2-Ausgleich her (30.). Nach dem Anstoß des KSC waren keine 60 Sekunden vergangen, als zunächst eine Flanke der Hausherren an den Pfosten des Karlsruher Tores klatschte. Mit dem Nachschuss aber brachte Cristian Gamboa den VfL erstmals in Führung – 3:2. (31.).

Aufgeben keine Option

Nach dem Seitenwechsel bekamen die Gäste nach einem unglücklichen Foul von Manuel Riemann an Marvin Wanitzek die große Chance zum 3:3 – ebenfalls vom Elfmeterpunkt. Doch der VfL-Keeper machte seinen Fehler gut und wehrte den nicht sonderlich harten oder platzierten Schuss von Marc Lorenz ab (47.). Daran hatten die Gäste schon zu kauen. Aber die KSCler gaben nie auf. „Wir wussten: Solang es nur 3:2 für Bochum steht, ist das Ding noch nicht unbedingt durch“, sagte Sportdirektor Oliver Kreuzer nach dem Abpfiff. „Bei 4:2 wäre es natürlich superschwer geworden.“

Wellenreuther lobt Moral

Klar, Bochum hatte die Möglichkeiten für ein viertes Tor. Aber das fiel nicht. Und KSC-Trainer Alois Schwartz hatte noch ein Ass im Ärmel: Anton Fink. Die Nachspielzeit war gerade angebrochen und „Toni“ erst zwei Minuten auf dem Feld, als der KSC noch einen Eckball erzwang. Den brachte Bochum nicht aus der Gefahrenzone, und Fink sicherte seiner Mannschaft mit dem 3:3 „einen Punkt, der für die gesamte Saison wichtig sein kann“, meinte Ingo Wellenreuther. Und obwohl es nur einen statt drei Zähler gab, war der Clubchef voll des Lobes: „Das war ein Sieg der Moral. Unsere Mannschaft hat einen überragenden Charakter.“

So spielten sie

VfL Bochum: Riemann - Gamboa (79. Celozzi), Decarli, Lorenz, Soares - Losilla - Janelt, Maier (69. Weilandt) - Zoller (83. Pantovic), Blum - Ganvoula

Karlsruher SC: Uphoff - Thiede (90. Fink), Gordon, Pisot, Roßbach (80. Pourié) - Fröde, Wanitzek - Stiefler, Lorenz - Choi (46. Groiß), Hofmann

Tore: 0:1 Hofmann (8.), 1:1 Decarli (10.), 1:2 Choi (21.), 2:2 Blum (29., Foulelfmeter), 3:2 Gamboa (31.), 3:3 Fink (90.+1) - Gelbe Karten: Blum (2), Gamboa - Roßbach (2), Stiefler (2) - Gelb-Rote Karte: Fröde (16.) - Beste Spieler: Gamboa, Blum - Hofmann, Lorenz, Wanitzek - Zuschauer: 14.954 - Schiedsrichter: Winter (Hagenbach).

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