FCK RHEINPFALZ Plus Artikel FCK-Neuzugang Marius Kleinsorge – gemeine Geduldsprobe

In seinem Element: Marius Kleinsorge sprintet mit dem Ball am Fuß Richtung gegnerisches Tor.
In seinem Element: Marius Kleinsorge sprintet mit dem Ball am Fuß Richtung gegnerisches Tor.

Noch beim letzten Test des Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern vor der Saison war Marius Kleinsorge der Mann des Spiels. Dann brach er sich eine Rippe. Eine Geschichte über Kohlwickel, Retterspitz und Schmerzmittel-Verzicht.

Wenn Marius Kleinsorge nach einem Spiel mit dem FCK heimkommt, braucht er etwas Zeit für sich. Fand die Partie nachmittags und im eigenen Stadion statt, packt er das Töchterchen in den Kinderwagen, schnappt sich den Hund und geht eine Stunde spazieren. Nach Abendspielen huscht er sofort ins Bett. Mal mit guter, mal mit miserabler Laune, so wie nach dem 2:2 vor knapp zwei Wochen in Wiesbaden. Der FCK holte zwar einen 0:2-Rückstand auf, Kleinsorge selbst aber stand völlig neben den Schlappen und wurde nach 52 Minuten von Trainer Jeff Saibene ausgetauscht. „Da müssen wir nicht lange rumreden, meine Leistung war eine Katastrophe“, bekennt Kleinsorge.

Dribbelnder Hoffnungsträger

Der 24-Jährige gilt als einer der Hoffnungsträger der Roten Teufel. Er ist schnell, robust, zielstrebig. Scheut kein Dribbling. In der Vorbereitung blitzten seine Talente immer wieder auf. Beim 3:0 in der Saisongeneralprobe gegen Zweitligist SV Sandhausen avancierte er mit zwei Toren zum Mann der Partie. Dann brach er sich eine Rippe. Am dritten Spieltag kehrte er für die Wiesbaden-Begegnung zurück in den Kader. Gegen den SV Waldhof verzichtete Jeff Saibene auf ihn.

Und nun? „Die Verletzung hat mich schon relativ weit zurückgeworfen, ich habe doch gemerkt, dass einiges verloren gegangen ist, dass ich doch nicht mehr so spritzig war“, sagt Kleinsorge. Ab und an zwicke die Rippe noch ein bisschen, etwa beim Aussteigen aus dem Auto. Doch es sei „aushaltbar“. Ein Riesenunterschied zu jenen Tagen, an denen Kleinsorge nicht mal schlafen konnte.

Manchmal schlaflos – aber ohne Schmerzmittel

Schmerzmittel kamen für ihn nicht infrage. Darauf greift er nur in „äußersten Notfällen“ zurück. Eigene Erfahrungen haben ihn vorsichtig werden lassen. Einst, als er neu zu einem Verein gekommen war, schluckte er die Peinkiller in höheren Dosen, er hatte sich einen Zeh angebrochen, wollte dennoch spielen. Das Ende vom Lied: Er landete mit zerrupfter Magenschleimhaut für anderthalb Wochen im Hospital. „Entweder es geht ohne und ich kann meine 100 Prozent so abliefern – oder eben nicht. Ich bin komplett gegen diese Medikamente. Das ist nur schädlich für den Körper.“ Kleinsorge versuchte, sich mit pflanzlichen Mitteln Linderung zu verschaffen – etwa einem Kohlverband (ein Tipp von seiner Oma) oder mit rosmarin- und muskatnussölhaltigen Retterspitz-Umschlägen. Natur statt Chemie. Ob er im Geisterspiel beim FC Bayern II (Samstag, 14 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de) zum Einsatz kommt, ist offen. Jeff Saibene zählt ihn „zum engsten Kreis der Startelfanwärter“.

Nicht in sozialen Netzwerken aktiv

Seit drei Jahren hat Marius Kleinsorge keinen Account mehr in sozialen Netzwerken. Kritik, die dort an den Auftritten der Mannschaft geäußert wird, bekommt er höchstens über die Teamkollegen mit. Das reicht. Zumal der interne Druck groß genug ist. „Wir müssen auf jeden Fall mal abliefern“, sagt Kleinsorge. Der Gegner fordere höchste Aufmerksamkeit, Reserve hin oder her. „Es ist Bayern München. Alle Spieler, die dorthingehen, haben eine hohe Qualität. Das sind junge, wilde Spieler, die alle zu den Profis hochkommen wollen. Sind sehr motiviert, es wird eine sehr schwere Aufgabe.“

Erster Sieg heiß ersehnt

Mit welchem System Saibene sie angehen wird, lässt er offen. Der Luxemburger gilt als Freund des klassischen 4-4-2 mit zwei klaren Stürmern, die Wende gegen den SV Waldhof kam aber im 4-2-3-1. Dieses Konstrukt präferierte Saibene, dem Janik Bachmann nach RHEINPFALZ-Informationen aus privaten Gründen fehlt, auch im Verbandspokal. Man bewege sich in einer Findungsphase, so Kleinsorge: „Es müssen noch viele Automatismen greifen. Er muss uns seine Philosophie zeigen, wir müssen sie annehmen können.“

Saibene ist taktische Flexibilität eh wichtiger als eine sture Vorgabe. Hauptsache, der erste Ligasieg gelingt.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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