FCK FCK lässt Jörg E. Wilhelm Anwaltsschreiben zukommen

Auch nach der Entscheidung für die regionalen Investoren kehrt am Betzenberg keine Ruhe ein.
Auch nach der Entscheidung für die regionalen Investoren kehrt am Betzenberg keine Ruhe ein.

Auf die Entscheidung, mit den Regionalen einen Investoren-Vertrag zu verhandeln, folgen nun weitere Gespräche. Am Ziel, das betont nicht nur Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt, ist der 1. FC Kaiserslautern lange nicht. Mit der von Beiratsvorsitzendem Markus Merk erbetenen Ruhe wurde es am Tag nach dem Entschluss des Gläubigerausschusses nichts. Im Gegenteil.

Die Mitglieder des vorläufigen Gläubigerausschusses der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA hatten den Geschäftsführer am Mittwoch beauftragt, mit dem fünfköpfigen „regionalen Bündnis“ – Giuseppe Nardi, Professor Peter Theiss, Klaus Dienes, Dieter Buchholz und Axel Kemmler – einen Investoren-Vertrag final zu verhandeln. Zunächst standen acht Millionen Euro als Eigenkapital im Raum, welche die Gruppe zur Verfügung stellen will. Sie soll dafür rund 25 Prozent der KGaA-Anteile haben wollen. Zu Zahlen wollte sich der vorläufige Sachwalter Andreas Kleinschmidt nicht äußern.

Mit dem Investment der Regionalen sei ein erstes Etappenziel erreicht, sagte Voigt. „Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.“ Nun könnten Gespräche mit weiteren Interessenten, „die wir schon vor Monaten begonnen haben“, fortgesetzt werden. „Wir brauchen Ruhe, Ruhe, Ruhe, um die positive Fortführungsprognose zu gewährleisten“, lautete der Wunsch von Markus Merk. Doch schon wenig später äußerte sich Jörg E. Wilhelm, Aufsichtsratschef der KGaA, via Twitter: „In 30 Jahren als Anwalt habe ich innerhalb einer Stunde noch nie so viele Lügen gehört.“ Zudem wolle er unter dem Titel „Klartext“ die Wahrheit am Donnerstag verkünden. Am Donnerstag vermeldete er, dass ihm ein vom FCK beauftragter Anwalt die Veröffentlichung einer solchen untersagt habe.

Unterlassungsaufforderung zugestellt

Das bestätigte der Klub am Abend in einer Pressemitteilung. Wilhelm sei schriftlich eine Unterlassungsaufforderung zugestellt worden. In seinen Funktionen als Aufsichtsratsmitglied des Vereins sowie als vom e.V. entsendetes Mitglied des Aufsichtsrats der KGaA und des Beirats FCK Management GmbH möge er mit sofortiger Wirkung unterlassen, „ausdrücklich vertrauliche oder vereinsinterne Informationen zu veröffentlichen oder verfügbar zu machen, Funktionsträger zu diskreditieren oder Entscheidungsfindungen zu diffamieren“.

Vereinsausschluss als Option

Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt meinte dazu: „Es ist unerträglich und respektlos, das zentrale Gremium in einem vorläufigen Insolvenzverfahren öffentlich herabzuwürdigen und damit die Gläubigerautonomie sowie den ausdrücklichen Willen des Gesetzgebers mit Füßen zu treten.“ Wilhelm sei in dem Schreiben „letztmalig zu einer konstruktiven, gemeinsamen und vertrauensvollen Zusammenarbeit“ aufgefordert worden. Mögliche Konsequenzen teilte der Klub auch mit: In einer Sitzung des Aufsichtsrats des FCK e.V. könne in der kommenden Woche bereits darüber beraten und beschlossen werden, Wilhelm aus seinen Ämtern bei der Management GmbH sowie der KGaA mit sofortiger Wirkung abzuberufen. Zudem könne er als Mitglied gemäß Satzung aus dem Verein ausgeschlossen werden, da er „seit Amtsantritt kontinuierlich insbesondere über die Plattform Twitter erheblich gegen die Interessen des Vereins verstoßen hat“.

„Wir wollten und wollen ein vitales Vereinsleben mit diversen Meinungen und neuen Anregungen. Darüber gibt es keine zwei Meinungen“, meinte Markus Merk – und fügte an: „Die Mitglieder des vorläufigen Gläubigerausschusses haben in einem von einem ordentlichen Gericht kontrollierten, gläubigeröffentlichen Verfahren alles dafür getan, den Investorenprozess gegenüber den Gläubigern zu dokumentieren. Diese Gläubiger, den vorläufigen Sachwalter, mithin auch das Gericht und nicht zuletzt die ehren- und hauptamtlichen Funktionsträger unseres Traditionsvereins der Lüge zu bezeichnen, hat die Grenzen eines fairen Diskurses bei Weitem überschritten“.

Wilhelm im SWR: „Keiner macht, was er kann“

In einem SWR-Interview kritisierte Wilhelm zuvor am Donnerstag, dass die Protagonisten „ein gefährliches Roulettespiel“ betrieben. Die Dubai-Offerte laufe am Freitag um 24 Uhr aus. „Das einzige rechtsverbindliche Angebot, das wir haben“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende. Wilhelm kritisierte: „Ich stelle fest, dass jeder macht, was er will, und keiner macht, was er kann. Ich stelle fest, dass ich nicht informiert werde, dass ich in Dinge nicht eingebunden werde, dass keine Besprechungsprotokolle geführt werden, dass man Gespräche hinter meinem Rücken führt.“ Er wolle feststellen, wo Missstände sind, diese Missstände öffentlich machen, „in der Hoffnung, dass es besser wird“. Einen Rücktritt schließe er „vollkommen aus“.