Olympia-Tagebuch (7) RHEINPFALZ Plus Artikel Für die Spiele zum ersten Mal raus aus dem eigenen Land

Der eine (Sven Wenzel) weit gereist, der andere zum ersten Male außerhalb der USA und vor allem am Schwimmen interessiert.
Der eine (Sven Wenzel) weit gereist, der andere zum ersten Male außerhalb der USA und vor allem am Schwimmen interessiert.

Bis zum 11. August finden die Olympischen Spiele in Paris statt. RHEINPFALZ-Redakteur Sven Wenzel ist vor Ort und berichtet über die Entscheidungen, liefert Hintergründe und erzählt von Begegnungen in der Stadt. Heute: das olympische Feuer

Worüber kann man mit US-Amerikanern eigentlich immer quatschen? Sport. Genauer: American Football. „Aber da weißt du nie so genau, was du bekommst“, sagt Joseph. Aus Atlanta im US-Bundesstaat Georgia ist er nach Paris gereist, der Olympischen Spiele wegen. „Du nimmst dir Zeit, und dann hast du ein langweiliges Spiel.“ Passend zu seiner Heimat kommt mir als erstes Super Bowl 53 in den Sinn. Im Februar 2019 haben die New England im Finale der NFL 13:3 gegen die Los Angeles Rams gewonnen. Ein wahres Gurken-Spiel. Joseph lacht, und als ich ihm erzähle, dass ich im Mercedes-Benz-Stadion in seiner Heimatstadt dabei war, werden seine Augen groß. Seine Reise nach Paris bedeutet für ihn eine Premiere: Mit 29 Jahren verlässt er zum ersten Mal überhaupt die USA.

Vielleicht steht er auch deshalb etwas verloren am Bahnhof in La Défense herum und sucht nach Hinweisschildern. Dabei müsste ihm gerade dieser Stadtteil bekannt vorkommen: Er ist modern und so ganz anders als das alte Paris. Hier stehen Hochhäuser, Bankentürme mit Glasfassaden. Alles spiegelt, alles glitzert. Es erinnert ein bisschen an Frankfurt oder eben US-Metropolen wie New York. Die Straße in dieses Viertel führt vom Arc de Triomphe hierher. Passend dazu erhebt sich am Ende der Achse ein Triumphbogen als Bürogebäude – der Grand Arche, der große Bogen.

Staunen über die Größe von Paris

„Es ist alles sehr groß hier“, sagt Joseph, „das konnte ich mir gar nicht vorstellen“. Natürlich sucht er den Weg zur Schwimmarena, es ist der Abend der ersten Entscheidungen. Wir gehen gemeinsam vom Bahnhof los, schauen auf seinem Ticket, welchen Eingang er nehmen muss. Football sei cool, sagt er. Aber Schwimmen und Leichtathletik, das sei noch einmal eine andere Hausnummer. „Es ist schneller, es ist immer spannend, es geht eng zur Sache“, sagt er.

Joseph und ich laufen an Bars und Restaurants vorbei, bevor die Zuschauer in die Schwimmhalle pilgern, essen und trinken sie noch etwas. An den folgenden Tagen wird diese Meile zu den Endläufen immer mehr zur internationalen Partyzone. Besonders am Dienstag, als Mona McSharry Bronze über 100 Meter Brust gewinnt. Was die Schotten bei der Fußball-EM vor einigen Wochen in Deutschland waren, sind die Iren bei den Olympischen Spielen: friedliche Feierbiester. Sie trinken und grölen, gemeinsam mit Menschen aus Australien, Südafrika und den Vereinigten Staaten. Und zwar nicht wegen Fußball, sondern wegen Sportarten, die bei uns eher ein Nischendasein fristen, alle vier Jahre groß werden.

350 Dollar fürs Schwimm-Ticket

Als ich ihm davon erzähle, kann es Joseph kaum glauben. „Es gibt mehr als Soccer“, sagt er, „so, wie es bei uns mehr als Football und Basketball gibt.“ Beim Namen von Lukas Märtens schüttelt er trotzdem mit dem Kopf: „Nie gehört“. Er wird ihn an diesem Abend kennenlernen. Für ihn sind die Staffeln am wichtigsten, und da hat er allen Grund zum Jubeln. Über 4x100 Meter gewinnen die US-Frauen Silber, die Männer um Superstar Caeleb Dressel Gold.

350 Euro hat Joseph für das Ticket bezahlt, ein stolzer Preis für zwei Stunden Schwimmunterhaltung mit vier Medaillenentscheidungen. „Es war nicht der teuerste Platz, aber auch nicht der billigste“, sagt er. An den kommenden Tagen geht er noch zum Beachvolleyball am Eiffelturm – und von Paris will er auch noch einiges sehen. Plötzlich kramt Joseph in seiner Bauchtasche herum und zieht eine Digitalkamera heraus. „Die habe ich mir extra für die Olympischen Spiele gekauft“, sagt er und grinst über beide Ohren. Wieso er die USA bislang noch nie verlassen hat? Er zuckt mit den Schultern. Und wieso ausgerechnet jetzt für die Olympischen Spielen? „Es ist Olympia, Mann“, sagt er. Manche Dinge erklären sich von selbst.

Am Eiffelturm kämpfen die Beachvolleyballer um Edelmetall.

Olympische Sommerspiele 2024 in Paris

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