Handball
Eulen Ludwigshafen werden zu einem heißen Pflaster für Trainer
Das ist nun wirklich kein guter Zeitpunkt. Nach Ostern 2022 und dem Mai des Vorjahres ist Handball-Zweitligist Eulen Ludwigshafen wieder auf Trainersuche. Am Dienstag auf den Tag genau einen Monat, bevor am 13. Juli die Vorbereitung für die neue Saison 2023/24 beginnt. Damals waren erst Ceven Klatt, dann Interimstrainer Michael Biegler freigestellt worden. Michel Abt, gerade mit den Rhein-Neckar Löwen II Meister in der Dritten Liga geworden, übernahm kurzerhand den Job als Feuerwehrmann und rettete die Eulen in den letzten vier Begegnungen vor dem Absturz in Liga drei.
Jetzt hatte Abt die Eulen um die Auflösung seines noch ein Jahr gültigen Vertrages gebeten. Nichts ist es mit der gewünschten Konstanz auf der Trainerstelle. Von 2006 bis 2021 hatten die Eulen zwei Trainer. Von 2021 bis 2023 waren es drei – bald kommt der vierte.
In einem offenen Brief an die Fans auf der Internetseite der Vereins legte der 32-Jährige seine Gründe dar. Die Mehrfachbelastung als Trainer, Lehrer und Familienvater ließ ihn zu dem Entschluss kommen, dass er durchschnaufen muss. Aus diesem Grund habe er bereits bei seiner Auszeit im Februar/März „die Bremse reinhauen müssen“ (Abt). Schon nach seiner Zeit bei der Löwen-Zweiten hatte er eigentlich ein Jahr Pause vom Handball machen wollen.
Der Mannschaft hat Abt seine Entscheidung am Montagabend mitgeteilt. „Wir haben das überhaupt nicht kommen sehen. Das kam für uns total überraschend, wir sind schon ein bisschen geschockt“, sagt Eulen-Kapitän Maximilian Haider: „Es ist super schade, es hat gepasst zwischen Michel Abt und der Mannschaft.“ Über die Gründe Abts will er sich kein Urteil erlauben. „Uns beschäftigt als Mannschaft jetzt das Ergebnis, dass wir derzeit keinen Trainer haben. Letztes Jahr hatten wir zu dem Zeitpunkt das gleiche Problem, das ist definitiv nicht gut. Aber ich bin sicher, dass der Verein alles dafür tut, dass sich das ändert“, sagt der 27-Jährige.
Nach dem Weggang von Ben Matschke 2021 zu Bundesligist HSG Wetzlar suchen die Eulen nun also den vierten Coach innerhalb von zwei Jahren. „Das haben wir uns mit Sicherheit nicht gewünscht, so kurzfristig einen neuen Trainer finden zu müssen“, sagt Eulen-Geschäftsführerin Lisa Heßler dazu. Das Ziel und Priorität eins sei ganz klar eine längere Zusammenarbeit mit Abt gewesen.
„Wir arbeiten natürlich mit Hochdruck an einer Lösung“, sagt Heßler, deren Handy nach der Bekanntgabe der Neuigkeiten am Montagabend vor Nachrichten überquoll. Trotz des Zeitpunkts sieht sie „einen sehr guten Trainermarkt“. Der neue Eulen-Übungsleiter müsse die Eigenschaft mitbringen, junge Spieler entwickeln zu können und zu wollen, umreißt sie das Anforderungsprofil. „Er hat es bei uns nicht mit fertigen Spielern zu tun, muss sie daher mit großer Akribie und intensiver Kommunikation auf jedes Spiel vorbereiten“, sagt sie. Und der neue Coach muss als Person zu Klub und Umfeld passen.
Könnte Co-Trainer Andrej Kogut, der Abt in seiner Auszeit vertrat, aufrücken? „Andrej war jetzt das erste Jahr in der Co-Trainer-Funktion und hat die Rolle sehr gut ausgefüllt“, erläutert Heßler. Kogut mache gerade den B-Trainer-Schein, ein Zweitliga-Trainer brauche aber eine A-Lizenz.
Und Eulen-Urgestein Ben Matschke? Der Lehrer hat dem Vernehmen nach noch einen Vertrag in Wetzlar bis 2025, ist aber seit November beurlaubt. „Ben kennt die Eulen, und wir kennen ihn. Natürlich machen wir uns auch über ihn Gedanken“, verdeutlicht Heßler: „Gerne würden wir die Trainerstelle kurzfristig besetzen, aber das liegt nicht nur an uns. Da geht Qualität eindeutig vor Schnelligkeit.“