Fussball
Emmanuel Iwe macht beim SV Waldhof eine schwere Zeit durch
Für Emmanuel Iwe sollte der Wechsel vom SV Sandhausen zum SV Waldhof Mannheim im vergangenen Sommer einen Neustart markieren. Nach dem Abstieg der Hardtwald-Elf aus der Dritten Liga kam der Mittelfeldspieler mit der Bilanz von drei Treffern und vier Vorlagen aus 30 Einsätzen an den Alsenweg. In Sandhausen hatte er seinen Stammplatz im Laufe der Hinrunde verloren, auch beim Waldhof kam er über die Rolle eines Ergänzungsspielers bisher nicht hinaus.
In 13 Begegnungen kam der 25-Jährige für die Blau-Schwarzen zum Einsatz, wirkte dabei aber mitunter glücklos. Für die Heimspiele gegen Energie Cottbus (0:3) und Hansa Rostock (0:4) erhielt er vom „Kicker“ die Note 6,0 – eine Note, die das Fußball-Fachblatt nicht allzu häufig vergibt. Insgesamt steht das Fußballjahr 2025/26 für den US-Amerikaner unter keinem guten Stern.
Bruder verstorben
Im vergangenen Sommer erkrankte seine Mutter an Brustkrebs, im Januar starb sein ältester Bruder auf den Philippinen aufgrund eines Herzleidens. Nur wenige Tage später geriet er auf dem Weg zum Training in einen schweren Autounfall, den er unverletzt überstand. Auf Instagram sprach er nun offen über diese für ihn schwere Zeit: „Die vergangenen vier Monate waren die bisher schwierigste und emotionalste Zeit meines Lebens. Vom abrupten Verlust meines ältesten Bruders im Alter von 43 Jahren bis hin zu einem Unfall eine Woche später, bei dem ich fast mein Leben verloren habe, aber ohne einen einzigen Kratzer davongekommen bin.“ Die Ereignisse hätten ihm vor Augen geführt, wie wenig im Leben selbstverständlich sei.
„Ich habe mit ihm noch an Neujahr gesprochen und haben Witze gemacht – und 13 Tage später habe ich den Anruf von meiner Familie bekommen, dass er gestorben ist“, erzählt Iwe im Gespräch mit dieser Zeitung. Sein Bruder sei für ihn stets ein Orientierungspunkt gewesen: „Er war der Einzige in meiner Familie, der die Zeit und die Möglichkeit hatte, mit mir nach meinen Spielen zu telefonieren – auch wenn es für ihn nach Mitternacht war.“
Iwe wuchs in Nigeria auf, ehe seine Eltern mit dem Sechsjährigen und seinen Geschwistern aus beruflichen Gründen in den US-Bundesstaat Minnesota übersiedelten. „Als ich noch ein Kind in Nigeria war, haben meine Brüder immer Fußball gespielt. Sie sind der Grund dafür, dass ich heute gerne kicke. Ich war der Jüngste und wollte immer mitspielen – egal auf welchem Untergrund. Der Altersunterschied war aber schon recht groß.“
Auch mal Eishockey gespielt
Neben dem Fußball probierte sich Iwe in jungen Jahren auch beim Eishockey aus: „Minnesota hat viele Eishockeyspieler hervorgebracht, die bei den Olympischen Spielen oder in der NHL gespielt haben. Daher ist es völlig egal, wo man herkommt: Man versucht es mit Eishockey“, erklärt er. Gleichzeitig schwärmt er vom Charakter der Minnesotans: „Wir nennen das Minnesota Nice. Ich liebe Minnesota. Ich habe so viele gute Erinnerung daran.“ An seinen ersten Winter erinnert er sich lebhaft: „Es war aber schon toll, den ersten Schnee zu erleben und einen Schneeball zu werfen.“ Die Deutschen erlebe Iwe ebenfalls als freundliche Menschen. Zudem sei er fasziniert von der Architektur und der Geschichte in Europa.
2018 stellte sich Iwe bei Werder Bremen vor, eine Verpflichtung kam nicht zustande. „Jeder träumt davon, in Europa zu spielen. Ich mag die deutsche Mentalität. Auch das Wetter ist nicht so anders als in Minnesota“, sagt der Mittelfeldspieler, der fünf Spiele für Minnesota United FC in der US-Profiliga MLS absolviert hat.
Seinen Spielstil beschreibt Iwe als „brasilianisch“. Verantwortlich dafür sei sein Jugendtrainer Ted Kroeten, Gründer des kostenlosen Fußball-Programms „Joy of the People“. „Wir sollten einfach spielen, Dribbeln und aufs Tor gehen. Er hat den größten Anteil daran, wer ich heute bin und wie ich heute spiele: Ich versuche immer abzuschließen, wenn ich den Ball habe.“ Beim Waldhof klappt das bislang jedoch nur bedingt – kein Tor, keinen Assist hat der 25-Jährige in den 13 Spielen zustande gebracht. Sein Vertrag enthält eine Option für die kommende Saison – vielleicht steht das Jahr dann unter einem besseren Stern.