Volleyball
Eine Mannheimer Erfolgsstory endet – warum eigentlich?
Das Beste zum Schluss. Oder: Ende einer Ära. Die Frage kommt deshalb natürlich zu Recht. Und wenn man so will, dann ist die ausverkaufte Halle am kommenden Samstag das stärkste Argument für den bevorstehenden Wechsel: Ab 2027, nach dann elf Jahren, werden die Pokalfinals der Frauen und Männer in der Kölner Lanxess-Arena stattfinden. „Reichweitentechnisch können wir noch mehr erreichen“, sagte Kim Oszvald-Renkema, Geschäftsführerin der Volleyball-Bundesliga, der RHEINPFALZ: „Die Lanxess-Arena ist die größte Bühne, die es in Deutschland gibt.“
Die will der Volleyball nun konsequent bespielen, so sein Wachstum sichtbar machen. „Das Pokalfinale noch größer machen, nicht nur mit mehr Zuschauern, sondern das ganze Event drumherum“, lautet Kim Oszvald-Renkemas Ziel. Die Rechnung ist einfach.
Am Samstag werden etwas mehr als 12.000 Fans in der SAP-Arena sein. Die Kölner Riesenhalle fasst bis zu 19.000 Zuschauende. Das sei keine Entscheidung gegen Mannheim, aber: „Wenn man immer dort bleibt, wo alles gut ist, und in Mannheim ist alles gut, dann kommt man auch nicht weiter.“ Übrigens, auch die Final-Kultstättre SAP-Arena profitierte 2016 bei der Erstauflage von einem Wechsel: Davor fanden die Endspiele zehn Jahre lang in Halle/Westfalen statt.
Kim Oszvald-Renkema hat selbst in der SAP-Arena gespielt und mit dem MTV Stuttgart auch den Pokal geholt. „Ich bin ein mutiger Mensch und sage: immer vorwärts“, formuliert die 38-jährige Niederländerin ihr Credo – als Ex-Spielerin und nun als Funktionärin. Das Bild des „schlafenden Riesen“ bemüht der Deutsche Volleyball-Verband gern, wenn er über sein Produkt redet. „Ich habe auch das Corona-Pokalfinale gespielt vor gar keinen Fans. Nun ist es ausverkauft, das zeigt, wie interessant unser Sport inzwischen in Deutschland ist“, sagt Antonia Stautz, Kapitänin des Branchenprimus MTV Stuttgart. Jetzt geht es eben auf die größte aller denkbaren Bühnen – ab 2027 in Köln.
Prickelnde Duelle mit Vorgeschichte
Mannheim soll ein rauschendes Abschiedsfest erleben. Erstmals sind die beiden Endspiele an einem Samstag – auch das half wohl dabei, die Halle voll zu bekommen. Bei den Frauen stehen sich ab 16 Uhr (live in Sport1) Verfolger VfB Suhl und der Bundesliga-Erste MTV Stuttgart gegenüber. Schon wieder, denn gerade erst am vergangenen Sonntag setzte Herausforderer Suhl mit dem 3:2-Erfolg in der Liga ein Zeichen, es war die erste Saisonniederlage der Stuttgarterinnen. „Wir sind sehr stolz auf diesen Sieg, aber das ändert nichts daran, dass der MTV Favorit bleibt“, betont Laszlo Hollosy , der Trainer der Thüringerinnen. Kollege Konstantin Bitter nimmt diese Rolle an, denn: „Wir haben einen riesigen Umbruch bewältigt im Sommer und spielen dafür eine tolle Saison.“
Das Männerfinale sieht ab 19 Uhr (live bei Dyn) Rekordpokalsieger VfB Friedrichshafen (17 Titel) und Ligaprimus SVG Lüneburg im auch aus einem Grund interessanten Clinch: Dreimal wollten die Lüneburger den Pokal im Endspiel, dreimal scheiterten sie am VfB. „Wir müssen lernen, solche Spiele zu spielen – als Verein, als Trainerteam, als Spieler“, sagt SVG-Trainer Stefan Hübner: „Dadurch, dass wir an der Tabellenspitze stehen, haben wir vielfach das Gefühl, etwas verteidigen zu müssen. So steigt die Chance, dass es auch mal in einem Finale klappt.“ Darauf, dass das Team aus Friedrichshafen satt sein könnte, braucht er nicht zu hoffen, denn der letzte Titelgewinn liegt schon vier Jahre zurück. „Der Hunger ist gewaltig“, betont Mittelblocker Marcus Böhme. Beweis gefällig? Im Halbfinale wurde Titelverteidiger BR Volleys ausgeschaltet.