Bowling Die Wahl-Pfälzerin Laura Beuthner bei der WM
Laura Beuthner ist quasi auf der Bowlingbahn aufgewachsen. „Schon meine Eltern und meine Großeltern haben Bowling gespielt, aber halt nicht auf dem Wettkampfniveau wie ich“, erzählt die gebürtige Berlinerin, die seit zwei Jahren in Kaiserslautern lebt. Die Liebe hat sie aus der Hauptstadt in die Westpfalz verschlagen. Auch da spielte Bowling eine entscheidende Rolle – wie zuvor schon bei ihren Eltern, die sich ebenfalls beim Spiel mit Ball und Pins kennengelernt hatten.
Die junge Laura durfte also, kaum dass sie laufen konnte, immer mit zum Bowling. Und fing natürlich auch selbst bald an. Mit Erfolg. Sie kam in die deutsche Jugendnationalmannschaft, durfte aber in jungen Jahren nicht zu den ganz großen Titelkämpfen. „Damals waren nicht nur die Ergebnisse auf der Bahn entscheidend, sondern man musste auch noch einen Lauftest absolvieren, um nominiert zu werden. Beim Laufen war ich nicht gerade die Beste“, erzählt sie mit einem Schmunzeln.
Ins kalte Wasser geworfen
Das änderte sich im Erwachsenenalter. Der Verband kam nicht mehr an Beuthner und dem, was sie auf die Bahn zauberte, vorbei. Derzeit in Kuwait, erlebt sie bereits ihre sechste WM. „Beim ersten Mal 2012 war es eher nicht geplant. Da bin ich nachgerückt, weil jemand ausgefallen ist. Also wurde ich ins kalte Wasser geworfen.“ Längst ist aus dem unerfahrenen Teenager eine erfahrene Spielerin geworden, die Bronzemedaille 2015 mit dem Team steht ganz oben auf ihrer Erfolgsliste.
Und im Einzel? Da ist Beuthner, die bei der Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens angestellt ist und für den gehobenen Dienst an der Hochschule der Arbeitsagentur in Mannheim studiert, noch nicht an der Spitze. Auch weil die Voraussetzungen ganz unterschiedlich sind. „Wir bekommen zwar vom Verband die Reise zur WM bezahlt. Aber das ist kein Vergleich zu dem, was beispielsweise die Asiaten erhalten“, erzählt Beuthner, die bei der Vorbereitung auf die Titelkämpfe durch einen Bandscheibenvorfall „schon ein ganzes Stück weit ausgebremst“ wurde. Spielerinnen aus Korea oder Singapur werden rundum gesponsort, haben Werbeverträge, verdienen fünf- bis sechsstellige Summen im Jahr.
Einige Wochen bei den Profis mitspielen
Ähnlich die US-Amerikanerinnen. Im Heimatland dieses Sports ist Bowling regelmäßig im Fernsehen zu sehen und entsprechend gut dotiert. Dort gibt es sogar eine Profiliga. „2013 und 2015 habe ich dort jeweils an einem Turnier teilgenommen. Aber nächstes Jahr im Mai/Juni will ich da mal länger hin und mitspielen.“ Dann passt es mit der studienfreien Zeit und dem Urlaub.
Davor wird sie auch ihren Trainingsumfang wieder hochfahren. In Bundesliga-Zeiten – sie bowlt weiterhin für Berlin – trainiert sie dreimal pro Woche jeweils zwei Stunden. Vor Titelkämpfen absolviert sie dieses Programm fünf- bis sechsmal pro Woche – meist bei Planet Bowling in Kaiserslautern, wo sie kostenlos spielen darf und wo sie auch zeitweilig arbeitet. Hinzu kommen Konditionstraining und Fitness. „Wenn mal jemand behauptet, Bowling wäre ein reiner Trink- und Freizeitsport, dann lade ich ihn gerne mal ein, damit er sieht, was wir leisten müssen“, sagt sie lachend.
Obwohl die Vorbereitungen auf Kuwait nicht optimal waren – mit ihrem Abschneiden ist Beuthner sehr zufrieden. Im Einzel kam sie unter die Top 24, verpasste nur ganz knapp den Einzug ins Halbfinale. Auch im Doppel kam sie bis in die Gruppenphase, scheiterte mit ihrer Partnerin erst im Stechen. Jetzt stehen noch Triple und Mannschaft an. Danach geht’s Sonntagnacht zurück in die Pfalz.
Bowling: Durch ein Verbot entstanden
Bowling ist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA aus dem europäischen Kegeln entstanden, das vor allem deutsche Einwanderer in ihre neue Heimat mitgebracht hatten. Dort, in Connecticut, wurde Kegeln 1839 verboten, weil angeblich zu oft um Geld gespielt und betrogen worden war. Daraufhin kam ein zehnter Kegel hinzu, die hier Pins genannten Kegel wurden im Vier- statt im Dreieck aufgestellt – und schon gab es eine neue Sportart, die nicht verboten war und die sich schnell verbreitete.
Ein Spiel besteht aus zehn Durchgängen (Frames). In jedem Durchgang hat der Spieler bis zu zwei Würfe, um alle zehn Pins umzuwerfen. Schafft er es mit dem ersten Wurf, ist dies ein „Strike“. Gelingt es ihm mit dem zweiten, nennt sich das „Spare“. Gezählt wird jeweils die umgeworfene Anzahl an Pins – bei einem „Strike“ zählen zu den zehn Pins in diesem Durchgang die beiden nächsten Würfe ebenfalls mit (maximal also 30 Punkte), beim „Spare“ der nächste (also insgesamt bis zu 20). Die maximale Punktzahl beträgt also 300 für ein Spiel, wenn jedes Mal mit dem ersten Wurf alles abgeräumt wird.
Wichtigstes Utensil ist der Ball, der zwischen sechs und 16 amerikanische Pfund (2,7 bis 7,2 Kilogramm) wiegt. Wettkampfspieler lassen sich die drei Löcher handgerecht anfertigen, sie haben unterschiedliche Bälle – je nach Wurfsituationen und Ölung der Bahn. Laura Beuthner hat bei der WM die Maximalanzahl von sechs Bällen dabei, zu Hause hat sie 15. wop