Eiskunstlauf
Die schwere Jagd der Deutschen nach der Olympianorm
Fast alle deutschen Spitzenläufer werden gerade durch Verletzungen oder Krankheiten ausgebremst: Paul Fentz laboriert seit Sommer an einer Schambein- und Hüftgelenksentzündung, auch die Adduktoren sind lädiert. Der Berliner konnte daher bei der letzten Chance zur Olympiaqualifikation im September keinen deutschen Startplatz im Männer-Einzel holen. Ziele aber hat er noch. Mit 29 Jahren läuft er zwar seine letzte Saison, möchte aber seinen vierten deutschen Meistertitel erreichen und sich für die EM qualifizieren. „Das ist einfach meine Erwartung an mich: Ich bin ja eigentlich ein guter Läufer und will einen guten Abschluss schaffen.“
Bei Fentz ist der Wurm drin
Mit Olympia könnte es dann vielleicht durch die Hintertür klappen – im Teamwettbewerb, falls sich Deutschland qualifiziert. Die Chancen darauf schwinden jedoch: Diese Saison ist nicht nur bei Fentz der Wurm drin. Die Platzierungen sind in allen vier Disziplinen schlechter als in den Vorjahren. Für den 29-Jährigen war nun auch noch vor seiner Scorpions-Kür Schluss in Turin: Die Schmerzen durch die nicht ausgeheilten Verletzungen waren zu groß, er zog zurück, nachdem er ohnehin nur auf dem elften und vorletzten Platz lag. „Es geht gerade nicht viel“, sagt er. Als Daueroptimist hofft er aber trotzdem, den geplanten nächsten EM-Qualifizierungswettkampf in zwei Wochen in Warschau laufen zu können.
Letzte vor der Kür waren gar die Berliner Paarläufer Annika Hocke und Robert Kunkel, die ebenfalls den Wettkampf abbrachen: Kunkel hat sich offenbar ein Magen-Darm-Virus eingefangen. Damit ist nahezu sicher, dass ihre in Turin abwesenden Konkurrenten Minerva Hase und Nolan Seegert, die schon zwei Mal die Olympianorm schafften, in Peking starten.
Nicole Schott steigert sich
Die vierfache deutsche Meisterin Nicole Schott lief in Turin wenigstens eine bis auf den ersten Flip saubere Kür. Dennoch verpasste sie die Norm: Die Deutsche Eislauf-Union fordert einmal 180 oder zweimal 172 Punkte für die Peking-Nominierung. Das Preisgericht war jedoch streng, die 25-Jährige erhielt 167,2 Punkte, wurde Zehnte. „Ich bin schon enttäuscht. Es lief endlich, ich hatte einen guten Flow“, bilanzierte sie ihren bislang besten Saisonwettbewerb nach zwei Erkrankungen. Im August litt sie an Gürtelrose („ich konnte noch nicht einmal gehen“), im Oktober an Grippe. Auf dem Eis aber wirkt sie jetzt fit und ausdrucksstark – die Kurzkür hat schließlich die Olympia-Dritte Carolina Kostner mit choreografiert.
Die nächsten Wochenenden hat Schott nun in Tokio und Warschau zwei neue Chancen auf die Norm. Und ist zuversichtlich, sie trotz des Drucks, zu knacken. „Das ist natürlich immer im Hinterkopf, auch wenn man es ausblenden möchte“, sagt sie über den Nominierungsstress.
Nerven zeigten in Turin aber auch die Besten: Weltmeisterin Anna Shcherbakova misslang eine Kombination in der Kurzkür. „Ich habe zu viel nachgedacht“, gestand sie. Um dann in der Kür einen genialen Vierfach-Flip zu springen – und auf dieser Basis doch haushoch zu gewinnen.