FCK
Die Roten Teufel im Breisgau: Trockenes Brot als Festmahl
Man kann sich das ungefähr so vorstellen: Die ganze Großfamilie trifft sich bei herrlichem Sonnenschein unter freiem Himmel zu einer gewaltigen Feier, vor lauter Freude auf das Festmahl läuft in den Mündern das Wasser zusammen – doch plötzlich tritt der Küchenchef vor die Schar und verkündet, dass der Braten leider angebrannt sei und es nur trockenes Brot gebe; der teure Secco übrigens schmecke nach Kork, man könne nur Wasser reichen. Der Familie mag das einerlei sein, sie hat ja sich, und das ist allemal das Wichtigste – den Köchen aber wäre nicht ganz wohl, wenn sie auch noch Applaus erhielten und besungen würden.
Ungefähr so müssen sich die Profis des 1. FC Kaiserslautern gefühlt haben, als sie am Samstagnachmittag um kurz vor vier auf ihre Fans zuliefen und nicht so recht wussten, ob sie es überhaupt verdient hatten, mit Beifall bedacht zu werden. Mindestens 5000 Anhänger hatten die Roten Teufel zu ihrem Spiel beim SC Freiburg II begleitet, die Stimmung in den Gästeblöcken des ehrwürdigen Dreisamstadions war schon weit vor dem Anpfiff erstligareif.
Ritter grübelt: „Gefühlt immer zwei weniger“
Im Kontrast dazu allerdings bot die Elf von Trainer Marco Antwerpen eine mäßige Leistung. Vor dem Seitenwechsel musste die Performance gar als schlecht bezeichnet werden. Die Offensive lahmte, Fehler reihte sich an Fehler. Das Mittelfeld eine Spielwiese des Gegners. „Gefühlt waren wir immer zwei weniger“, grübelte Marlon Ritter, „wir müssen froh sein, dass wir mit einem 0:0 in die Pause gehen.“ Auch nach 90 Minuten (und einer Steigerung im zweiten Abschnitt) hatte das Resultat Bestand. Zum 19. Mal in dieser Spielzeit blieb der FCK ohne Gegentor, zum zehnten Mal ohne eigenen Treffer.
Terrence Boyd kam nicht mal in die Nähe eines Abschlusses. Es verwunderte nicht, dass gerade aus ihm eine große Unzufriedenheit sprach. „Erst mal einen großen Dank an die Fans, die so zahlreich hier erschienen sind, die es wie ein Heimspiel haben wirken lassen“, sagte der 31-Jährige, „deswegen sind viele der Jungs auch enttäuscht. In der ersten Halbzeit war es zu wenig von uns allen. Das ist ernüchternd, weil wir mehr können.“ Das Ergebnis sei „kein Weltuntergang“, fühle sich aber an „wie ein Dämpfer“.
Raab fehlt ein bisschen Zucker
Selbst der für gewöhnlich tadellos agierende Schlussmann Matheo Raab wurde beim Patzen erwischt. Bei einer Flanke irrlichterte er im Strafraum und hatte Glück, dass der verdutzte Lars Kehl den Ball vor Schreck weit am Tor vorbeiköpfte. Raab schien auch körperlich nicht auf der Höhe zu sein. Zwischenzeitlich setzte er sich auf den Rasen und winkte den Physio herbei. „Mir ist schwummrig geworden, ich habe ein bisschen Zucker gebraucht“, klärte Raab später auf. Mit einer ordentlichen Dosis schnell wirkender Kohlenhydrate im Blut avancierte der 23-Jährige wieder zum gewohnten Rückhalt seiner Elf. Doch auch er blickte bedröppelt drein. „Wir hatten uns vorgenommen, direkt in den Zweikämpfen zu sein, das ist uns gar nicht gelungen. Wir waren immer zu weit weg“, monierte Raab. „Die erste Halbzeit haben wir verschenkt, auf gut Deutsch gesagt.“
Trotz einer nach dem Seitenwechsel besser gewordenen Leistung wäre ein Sieg unverdient gewesen. Und glücklich, wie Marco Antwerpen einräumte. Der Cheftrainer hatte in der Pause „das ganze Ding neu justiert“, mit Hikmet Ciftci (für Felix Götze) und Daniel Hanslik (für Kenny Redondo) zwei frische Kräfte aufgeboten. Ciftci erlangte sofort mehr Zugriff als Götze, Hanslik scheiterte in der 58. Minute an SC-Torwart Noah Atubolu, der auch einen Ritter-Dropkick über den Querbalken spitzelte. „In der zweiten Halbzeit hatten wir das Spiel unter Kontrolle, die erste Halbzeit war einfach zu wenig“, urteilte Ritter. Die Fans waren auch für ihn „natürlich der Wahnsinn. Umso schlimmer ist es, dass wir uns und sie nicht belohnen konnten“.
Der Druck droht zu steigen
Erst am Samstag, 2. April, um 14 Uhr steht das nächste Pflichtspiel an. Gast auf dem Betzenberg ist der MSV Duisburg. Möglicherweise stehen die Roten Teufel dann wieder unter Druck. Der 1. FC Saarbrücken ist bis auf zwei Zähler an den Rangzweiten herangerückt, und sollte die Braunschweiger Eintracht am Montag in Dortmund und am 26. März im Nachholspiel beim VfL Osnabrück gewinnen, wäre sie punktgleich – und womöglich vorbeigezogen; derzeit verfügt der FCK noch über das bessere Torverhältnis (plus 28 gegenüber plus 24).
Festtagsbraten oder trockenes Brot: Terrence Boyd und Kollegen müssen die Köpfe zusammenstecken – damit künftig ja nichts mehr anbrennt.
