Fußball
Die Rückendeckung für KSC-Trainer Christian Eichner schwindet
Nach der 1:5-Niederlage beim 1. FC Nürnberg fanden sich Spieler und Staff des Karlsruher SC zum obligatorischen Mannschaftskreis zusammen. Danach gingen die Spieler zur Gästekurve, um sich von den 2500 mitgereisten Fans ein paar Verwünschungen und am Schluss aufmunternde Worte anzuhören. Christian Eichner ging derweil allein Richtung Kabine.
Es war ein Bild mit Symbolcharakter. Der Rückhalt für das Karlsruher Eigengewächs ist am Wochenende rasant geschwunden. Vize-Präsident Christian Fischer hatte schon nach dem fünften Gegentreffer wütend seinen Platz verlassen. Und Sport-Vorstand Mario Eggimann, der gleich eingangs betonte, er sei „stinksauer“, vermied die Festlegung, dass Eichner auch am kommenden Samstag gegen Holstein Kiel auf der Bank sitzen wird. Legt man die nackten Zahlen zugrunde, kann man den Verantwortlichen nicht unterstellen, dass sie den Coach vorschnell infrage stellen. In den vergangenen elf Ligaspielen holte der KSC einen einzigen Sieg: ein glückliches 2:0 bei Preußen Münster.
Schlechte Tordifferenz
Ebenfalls alarmierend ist die Tordifferenz von minus elf, die Abwehrchef Marcel Franke am Freitagabend als das bezeichnete, was sie ist: „eine Katastrophe“. Allerdings eine, die nicht von ungefähr kommt. In Nürnberg reichten dem Gegner sechs Chancen, um fünf Tore durch Julian Justvan (25./28.) und Mohamed Zoma (41./50./65.) zu erzielen – Marvin Wanitzek verkürzte per Elfmeter zwischenzeitlich auf 1:4 (58.).
Dass es viel zu leicht ist, gegen eine Mannschaft, der nicht nur im Defensivbereich Tempo und Zweikampfhärte fehlen, Tore zu erzielen, ist keine neue Erkenntnis. Auch offensiv fehlen dem KSC derzeit die Mittel – und immer offensichtlicher auch das Personal – um erfolgreich zu sein. In Nürnberg setzte Eichner Louey Ben Farhat auf die Bank und beorderte stattdessen Shio Fukuda in die erste Elf. Fabian Schleusener zeigte indes erneut einen indiskutablen Auftritt – und wurde in der Halbzeit zurecht ausgewechselt.
Nibelungentreue wird hinterfragt
Hinter den Kulissen wird die Nibelungentreue, die Eichner Spielern wie Schleusener oder Dzenis Burni angedeihen lässt, schon länger kritisch hinterfragt. Zumal sie Einsatzzeiten bekommen, die jungen Spielern wie Leon Opitz oder Fukuda vorenthalten wurden. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die sich bei ihren Kurzeinsätzen nicht nachhaltig aufdrängen konnten. Ob ein anderer Trainer mit diesem Kader wesentlich mehr erreicht, ist also eine offene Frage. Ob er ihn anders auf die Spiele vorbereiten kann, allerdings auch.
Derzeit hapert es dem Karlsruher Spiel jedenfalls an ganz Grundsätzlichem. Auch beim 1. FC Nürnberg, einem Team, mit dem man sich in den vergangenen Jahren auf Augenhöhe bewegte, wurden die entscheidenden Zweikämpfe verloren. Vor allem aber war die Fehlpassquote erneut astronomisch hoch. „Wir haben uns dilettantisch angestellt“, gab Eichner dann auch zu. Und betrieb noch einmal Werbung in eigener Sache. Es sei auch in den vergangenen Jahren „in der ein oder anderen Situation nicht selbstverständlich“ gewesen, an ihm festzuhalten. Er könne aber „mit Fug und Recht behaupten, dass das auch die richtige Entscheidung war. „Die Rückendeckung habe ich in sechs Jahren immer gespürt.“
Die ist derweil massiv geschwunden in einem Verein, dessen Offizielle seit Wochen die Angst umtreibt, dass der KSC dem Abstieg entgegenschlittert. Am Samstag leitete Eichner morgens noch das Training mit den Ersatzspielern, derweil die Gremien über seine Zukunft diskutierten.
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