Sport Die Mannschaft bekommt ein neues Gesicht

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Éivan-les-Bains. Aus dem Basecamp der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Évian-les-Bains kommt nun täglich eine Hiobsbotschaft. Wegen seiner Adduktoren-Probleme wird Sami Khedira definitiv im EM-Halbfinale am Donnerstag (21 Uhr) gegen Gastgeber Frankreich in Marseille ausfallen.

Damit muss nicht nur der gelbgesperrte Verteidiger Mats Hummels ersetzt werden. Auch im Mittelfeld muss umgebaut werden, denn die im Turnier sehr gut funktionierende Doppel-Sechs ist gesprengt. Khedira und Toni Kroos hatten bestens harmoniert. Kroos durfte und sollte Takt und Tempo bestimmen und hat sich eher auch ins Spiel nach vorne eingemischt. Den unauffälligeren Part hat Khedira übernommen, der sich fürs Aufräumen aber auch nie zu schade ist. Doch Khedira hatte sich genug ins Offensivspiel eingeschaltet. Und dann hielt Kroos ihm den Rücken frei. Nun ist das Duett entzweit und weil auch Bastian Schweinsteiger wohl bis Donnerstag nicht bei den von Löw geforderten 100 Prozent ist, geht in Frankreich vielleicht doch noch die EM-Türe für eines der Talente auf: Julian Weigl (20) oder Emre Can (22). Joshua Kimmich ist für den Bundestrainer keine Alternative im defensiven Mittelfeld – da kommt die Turnierentdeckung für ihn allerhöchstens als Notlösung während eines Spiels in Frage. So jedenfalls hätte Bundestrainer Joachim Löw auf eventuelle Ausfälle im Italien-Schlager reagiert. Im Kopf versucht er mögliche Eventualitäten durchzuspielen, um im Falle eines Falles nicht in der Hektik des Spiels Entscheidungen treffen zu müssen. Seinen obligatorischen Espresso in den Pressekonferenzen kann er fest einplanen, bei seiner Mannschaft muss er nun puzzlen. Ohne Hummels, Gomez, Khedira und Schweinsteiger bekommt die Mannschaft ein neues Gesicht. Im Mittelfeld hat er ja auch noch die schon getestete und für gut befundene Option, Mesut Özil zurückzuziehen. Da es ein K.o.-Spiel und auch noch das Halbfinale ist – und damit eines der Spiele, die Löw liebt, wie er gestern freudestrahlend verkündete – wird er sich gut überlegen, ob er die Pforte vor der Abwehr mit einem Debütanten besetzt. Wenn überhaupt dürfte er gegen die nach ihrem 5:2 über die Isländer sehr selbstbewussten Franzosen wohl eher zu Weigl tendieren, weil der „unglaublich sicher am Ball ist“. Can hat sich bei seinen bisher sechs Einsätzen eher hinten rechts versuchen dürfen und dabei erkannt, dass das nicht seine Position ist. Weigl hat bei der Unwetter-Partie in Augsburg gegen die Slowakei am 29. Mai erst sein Debüt gefeiert. Mario Gomez zieht es nach seinem EM-Aus wegen eines Muskelfaserrisses im rechten Oberschenkel vor, bei der Mannschaft zu bleiben und nicht abzureisen. Löw sieht Thomas Müller oder auch Mario Götze als mögliche Alternativen für ganz vorne. Die Ausfälle bedauert der Trainer, doch sie bekümmern ihn nicht. „Was die Verletzungen betrifft, das registrieren wir, aber wir nehmen es so an wie es ist. Das ist jetzt auch kein Thema in der Mannschaft“, relativierte der gelassene Südbadener. „Es ist entscheidend im Hier und Jetzt zu sein“, meinte der 56-Jährige, Er war darauf eingestellt, auf Probleme zu stoßen. Und so bleibt er sehr optimistisch, dass der Weg seiner Elf bis ins Finale am 10. Juli in Saint-Denis führen kann.

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