Sportkolumne
Die (angeblichen) Erziehungsmethoden des FC Liverpool
... dass der Wirbel um eine interne Strafe für Liverpools Hugo Ekitiké irre ist. Stellen Sie sich mal vor, Sie parken kurz falsch, behindern aber niemanden. Das ist unnötig, vielleicht doof, aber nicht gemeingefährlich. Folgt eine Strafe, ist sie allemal gerechtfertigt. Aber stellen Sie sich vor, die zuständige Behörde fordert ein Bußgeld in Höhe von 1000 Euro und entzieht Ihnen für zwei Monate den Führerschein. Gerechtfertigt? Angemessen? Wohl kaum.
In etwa so muss sich gerade der für den FC Liverpool stürmende Hugo Ekitiké fühlen, sollte eine Meldung der „Daily Mail“ stimmen. Der im Sommer aus Frankfurt an die Anfield Road für die hübsche Summe von 95 Millionen Euro transferierte Franzose entledigte sich im League Cup seines Leibchens, nachdem er den 2:1-Siegtreffer gegen den FC Southampton erzielt hatte. Im Eifer des Gefechts – oder zum Zwecke der Selbstdarstellung – hatte Ekitiké wohl vergessen (oder ignoriert), bereits mit Gelb verwarnt worden zu sein. Logische Folge: Feldverweis. Gegen Crystal Palace ist der Stürmer in der Premier League gesperrt. Der LFC soll Ekitiké für seine Torheit mit einer vereinsinternen Strafe von sage und schreibe 570.000 Euro belegt haben.
Dies entspräche bei einem Jahressalär von 15 Millionen Euro zwei Wochengehältern. Auch wenn diese Ableitung belegt, dass Ekitiké weiterhin zweimal am Tag warm würde essen können, hielte ich die Sanktion doch für reichlich übertrieben, zumal in der Pressekonferenz direkt nach dem Spiel Trainer Arne Slot schon zu einer scheppernden Verbal-Ohrfeige ausgeholt hatte. Ein Reporter spielte den Geißelungssteilpass, indem er von Slot wissen wollte, ob Ekitikés Aktion dumm oder unnötig gewesen sei. Slot widersprach nicht, wiederholte die Begriffe vielmehr und betonte, altmodisch zu sein und viel lieber gesehen zu haben, dass Ekitiké Vorlagengeber Federico Chiesa in den Mittelpunkt rückt und demonstriert: „Schau, dieses Tor gehört allein dir.“ Teamgeist vor Egoismus. Eine nachvollziehbare und als Klubprämisse gerne auch medial darzubringende Haltung. Die öffentliche Rüge, die Slot für angebracht hielt, hätte gereicht. Sie war scharf genug. Meines Erachtens zumindest.
Durch Fisimatenten bislang nicht auffällig
Die horrende Geldstrafe ist (wäre) für einen jungen, voller Emotionen steckenden und nicht als Wiederholungstäter geltenden Kerl aber zu viel der Buße. Er hat dem Verein nicht geschadet, und dass er nun für ein Spiel zwangspausieren muss, dürften die „Reds“ auch verkraften. Schließlich ist der ebenfalls erst für eine Menge Mammon verpflichtete Sturmkompagnon Alexander Isak gerade dabei, sich in Form zu spielen.
In der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Palace dementierte Cheftrainer Arne Slot die Meldung der „Daily Mail“. Ekitiké habe keine Geldbuße erhalten. Beim LFC dürfe man Fehler machen, ohne dafür bestraft zu werden. Ob’s stimmt? Verbrieft ist, dass Ekitiké sich bei der Mannschaft sofort entschuldigt hat. Bis dato sind die „Reds“ auch nicht mit Fisimatenten aufgefallen, sondern allein mit großartigen Leistungen. Nicht umsonst führen sie die Tabelle der Premier League an; auch dank eines Hugo Ekitiké, der schon dreimal getroffen hat.
Oha: Die Fifa hat nachgedacht
Der Weltfußballverband, besser bekannt (oder verschrien) als Fifa, wird immer wieder durch krude Ideen aktenkundig. Man denke nur an das permanente Aufblähen oder Gründen neuer Wettbewerbe. Nun aber macht eine Nachricht die Runde, bei der ich sage: da ist was Gutes dran. Die Fifa plant eine Elfmeterreform. Ab der Saison 2026/27 soll es keine Nachschüsse mehr geben. Ein Schütze, ein Torwart, eine Chance. Kein überstürztes Laufen anderer Kicker in den Strafraum mehr, keine Gelben Karten für Frühstarter, kein Abstauben und Bestrafen eines an sich triumphierenden Keepers.
Die Weltmeisterschaft im kommenden Sommer in Mexiko, Kanada und den USA wäre somit das letzte Turnier mit der alten Regelung. Das International Football Association Board muss die Änderung noch genehmigen. Ich hoffe, dies wird geschehen. Manchmal kann die Fifa auch vernünftige Gedanken haben. Manchmal.